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Diese drei Damen aus Böbing verteilten nigerianisches Essen. 

Begegnungstag

Asylbewerber: "Rottenbuch ist besser als Berlin"

Rottenbuch - Im Zeichen der Begegnung stand der Samstagnachmittag in der Gemeindehalle. Nachdem im letzten Jahr Besucher in der Ammermühle waren, wurden dieses Jahr Asylbewerber und Einheimische in die Gemeindehalle geladen.

Update vom 20. Oktober 2016: Wohin mit „schwierigen“ Asylbewerbern? Gängige Praxis im Landkreis ist es, Problemfälle in Unterkünfte mit Sicherheitskräften zu verlegen - auch in die Ammermühle.

Das zweite Begegnungsfest mit Asylbewerbern aus der Ammermühle und aus Böbing war gut besucht. Geboten waren landestypisches Essen, das die Asylbewerber zubereitet hatten, sowie Kaffee und Kuchen, die der Helferkreis beigesteuert hatten. Außerdem konnten sich die Besucher an Schautafeln über die politische Situation der Herkunftsländer Pakistan, Afghanistan, Somalia, Nigeria und Syrien und die verschiedenen Fluchtwege informieren.

Ebenfalls auf der Tagesordnung standen das Lied „Die Gedanken sind frei“ in der kritischen Version von Konstantin Wecker, das von einem Chor aus Asylbewerbern und Helfern gesungen wurde und bei dem die Besucher zum Mitsingen aufgefordert waren, sowie ein Film, der in der Asylunterkunft mit Asylbewerbern und Helfern gedreht worden war und über das Leben in der Ammermühle informierte.

Bemerkenswert war, wie gut viele der Neu-Rottenbucher und -Böbinger in einem Jahr Deutsch gelernt hatten. Während im letzten Jahr eine Unterhaltung fast nur auf englisch möglich war, wurde in diesem Jahr überwiegend Deutsch gesprochen. Da hatte der Helferkreis, der aus 31 mehr oder weniger aktiven Bürgern aus Rottenbuch und Böbing besteht, gute Arbeit geleistet.

Ungewohntes Essen für einige einheimische Besucher.

Durchs Programm führte Zaman Behbodi, der ebenfalls in nur einem Jahr ganz passabel Deutsch gelernt hatte. An Bürgermeister Markus Bader hatte er eine Bitte, die für diesen gar nicht so einfach zu erfüllen war. Nämlich seine Begrüßungsworte „hochdeutsch und langsam“ zu sprechen. Bader richtete einen Dank an die Asylhelferkreise, ohne die die neuen Herausforderungen, die mit der Einquartierung von Asylbewerbern in der Ammermühle auf die Gemeinde zukamen, kaum zu bewältigen wären. „Wir vor Ort müssen miteinander leben, zusammenstehen, einander helfen. Dabei ist es wichtig, sich mit Respekt zu begegnen“, betonte Bader. An die Flüchtlinge adressierte er: „Ich hoffe, dass ihr hier viel lernt und mitnehmen könnt und eine gute Zukunft findet.“

Das Zusammenleben klappe nach Auskunft der Bürgermeister den Umständen entsprechend gut. Negative Vorkommnisse in der Ammermühle gehen vor allem auf die Tatsache zurück, dass der Landkreis vermehrt „Problemfälle“ dort einquartiert. „Neben der Sammelunterkunft in Altenstadt ist die Ammermühle die einzige Einrichtung im Landkreis, in der Tag und Nacht ein Sicherheitsdienst vor Ort ist. Deshalb kommen seit neuestem viele hierher, mit denen es in anderen Unterkünften Probleme gab. Das mache das Zusammenleben nicht einfacher.

Das wurde auch in dem Film thematisiert, in dem der Jungjournalist Sharif Abdikarim Shixuseen aus Nigeria Mitbewohner interviewt, sie zu den Fluchtgründen und ihren Wünschen für die Zukunft befragt. Auch ein Interview mit Stückl, der die Asylbewerber aus der Ammermühle zu Nabucco in Oberammergau eingeladen hatte, sowie gemeinsames Fußballspielen und Stockschießen mit Rottenbucher Vereinen, ist zu sehen. So ist es gar nicht so verwunderlich, dass einer der jungen Flüchtlinge im erzählt: „Eigentlich wollte ich nach Berlin, aber Rottenbuch ist viel besser!

Ursula Fröhlich

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