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Helmut Linder und sein Baby: Der Hohenfurcher hat sich in den vergangenen neun Monaten dafür eingesetzt, dass die Lechtürme bei Kinsau (Hintergrund) erhalten werden

Bei Kinsau

Lechwehr wird zur Vogelstation

Kinsau - Das alte Lechwehr bei Kinsau vor dem Verfall retten: Dieses Vorhaben hat Helmut Linder in den vergangenen neun Monaten schwer beschäftigt. Der Hohenfurcher hat viele Briefe geschrieben, Telefonate geführt und Spenden eingesammelt. Nun starteten er und seine Helfer mit der Dachsanierung.

Kinsau Hart wie Beton hat der Frost den Boden gefroren. Mit der Motorsäge schneidet Helmut Linder einige Fichten raus, damit die Handwerker Platz haben. Die Burschen von der Landjugend Kinsau haben das alte Dach abgebrochen: morsche Latten, kaputte Dachziegel. Stück für Stück laden sie den Schutt auf den Anhänger. Kraftwerksbetreiber Uniper hat bereits vor Weihnachten den Weg gerodet, sonst käme man gar nicht durch. Zusätzlich ließ das Unternehmen eine Furt aufschütten, damit man den rechten Turm trockenen Fußes erreicht.

Linder (64) begutachtet die Turmtür: „Kann man noch herrichten.“ Angefault, aber brauchbar. Für den linken Turm im Lech braucht man für die Arbeiten einen Kahn: Mit einem Seil hat Linder eine Art „Fähre“ eingerichtet, Lukas Besel spielt den Fährmann. Viel Aufwand für zwei Industrieruinen. Doch künftig sollen die Türme im Kanal der einstigen Zellwollfabrik als Vogelbrutstation dienen. „Aber wenn es reinregnet“, so Linder, „sind die Tiere bald weg.“

Linders Herzensprojekt begann im April. Bei einer Exkursion mit dem Lechranger Johannes Karrer stieß der Rentner auf die alten Bauwerke. „Mich hat das aufgeregt, dass man solche Zeitzeugnisse verfallen lässt“, sagt er. Seine Idee: Flussvögel könnten dort brüten. Denn Linder ist seit Kindesbeinen ein Vogelfreund. „Eisvogel, Kolbenente, Uferschwalbe, Zwergtaucher, Haubentaucher, Gänsesäger, Kormoran“, zählt er auf, „die sind alle am Lech.“ Ruckzuck hergerichtet, wäre doch gelacht! Von wegen.

Spenglermeister Christian Hein begutachtet das aufgrund Witterung und mutwilliger Zerstörung marode Dach

Einen dicken Ordner an Korrespondenz und Telefonnotizen hat Linder angesammelt. Untere Naturschutzbehörde, Bauwerkseigentümer Uniper, Wasserwirtschaftsamt, Gemeinde Kinsau, alle Beteiligten mussten unterrichtet werden. Auch den Landesbund für Vogelschutz und den Verein Lebensraum Lechtal nahm er mit ins Boot. „Irgendwann dachte ich mir: Was hab ich mir da angetan?“, sagt Linder. Lacht jedoch.

Dann kam das Angebot eines Zimmerers: 7000 Euro. „Ich dachte, mich trifft der Schlag“, sagt er. Doch seine Hartnäckigkeit lohnte sich. Am Ende blieb es bei Materialkosten von rund 2000 Euro. Linder fand Unterstützer, darunter die Volks- und Raiffeisenbank Apfeldorf, die Gemeinde Kinsau und Kraftwerksbetreiber Uniper.

Zimmerermeister Reinhold Schuster aus Kaltenberg fertigte die Dachkonstruktionen – ohne Lohn. Spenglermeister Christian Hein verblecht nun die Dächer kostenlos. Am Fluß hat Hein alles vorbereitet. Mit der „Fähre“ brachte er sein Gerüst rüber, baute es um den Turm: gerade, dass es auf den wenigen Inselquadratmetern Platz hat. „Höchste Eisenbahn, das Dach ist durch“, sagt der 46-Jährige. Durch 50 Jahre Witterung.

Aber bedauerlicherweise auch durch mutwillige Zerstörung. Hein zeigt auf zerbrochene Dachziegeln. Das, so erklärt er, schaue nach Steinwürfen vom Ufer aus. Ein Blechdach ist die Lösung. Derzeit stehen die Holzkonstruktionen von Zimmerer Schuster in Heins Werkstatt. Darauf kommt nun ziegelrotes Aluminiumblech. Das Engagement ist für Hein Ehrensache. „Unten am Lech ist ein echtes Paradies“, sagt er, „da kann man schon ein wenig helfen.“

Im Januar werden die beiden Walmdächer per Autokran auf die Türme gelupft. „Auf die Mauerpfeiler setzten wir zusätzlich Nistkästen für die Uferschwalben“, kündigt Linder an. Den Mann freut’s gewaltig, das sieht man. Auch wenn die Vögel gar nicht wissen, wie viel Aufwand Linder und seine Helfer in die Vogelstation gesteckt haben.

Klaus Mergel

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