Akute Einsturzgefahr: Das Gebäude in der Hauser Straße in Peiting ist kein schöner Anblick. Mit einem Zaun (rechts) versuchen sich Nachbarn abzuschirmen. foto: sak

Beim Hexenhäuschen in Peiting ist nichts zu machen

Peiting - Windschief und notdürftig mit Brettern stabilisiert - dieses Haus ist Peitings traurige Attraktion. Marktgemeinde und Nachbarn wissen sich nicht mehr zu helfen.

Trostlos und verlassen steht die Bruchbude in der Hauser Straße da. Mitten in einem Wohngebiet, umgeben von gepflegten Häusern. Bewohnbar ist das Geisterhaus schon lange nicht mehr. Trotzdem sind Nachbarn und Gemeinde die Hände gebunden. „Solange keine Gefahr im Verzug ist, kann man nichts machen“, so Marktbauamtsleiter Jochen Rohrmoser. Denn: Sollte das Gebäude einmal in sich zusammenstürzen, betrifft das die Nachbargrundstücke nicht. Bei einem großen Baum wäre es was anderes, erklärt Rohrmoser. Wenn der umfällt, könnten er ins Nachbarhaus stürzen, die Behörden könnten darauf drängen, den Baum zu fällen. Doch in diesem Fall sei niemand gefährdet - außer der Eigentümer selbst. Problem sei auch, dass es in dem Wohngebiet keinen Bebauungsplan gibt. „Außerdem ist das Haus Altbestand“, sagt der Marktbaumeister. Es wurde vor vielen Jahren so genehmigt, daran sei nun nichts mehr zu rütteln. Versuche, mit dem Besitzer des Hexenhäuschens ins Gespräch zu kommen, seien bislang immer ins Leere gelaufen. Auch für die Schongauer Nachrichten war er nicht zu erreichen.

„Ich schaue mir das schon seit Jahren an“, sagt Nachbar Florian Lieb. Als alter Peitinger kennt auch sein Vater das Anwesen schon vom Vorbesitzer her. Irgendwann musste es versteigert werden - der neue Eigentümer kommt mit der Arbeit nun nicht mehr hinterher. Fast jeden Tag schuftet er, doch vergebens. Das Haus ist einfach zu verfallen. Eine Renovierung ist eigentlich ausgeschlossen. „Uns tut er einfach leid“, sagt der Nachbar. Mehrmals hätten die Liebs ihre Hilfe angeboten - doch die sei nicht erwünscht.

Auch Lorenz Reisacher von nebenan weiß sich nicht mehr zu helfen. Die Familie vermietet an Feriengäste, denen gefällt der Anblick des verfallenen Hauses natürlich gar nicht. „Wir haben mittlerweile eine Holzwand hochgezogen, damit man nicht zuviel sehen kann“, so Reisacher.

Doch die Familie ist von den Zuständen sogar direkt betroffen: Die angrenzende Garagenwand verschimmelt ob der chaotischen Zustände im Nebengrundstück. Zusammen mit anderen Anwohnern habe Reisacher schon beim Landratsamt Weilheim-Schongau vorgesprochen. „Es wäre schon ein Gutachter gekommen. Aber den hätten wir bezahlen müssen“, sagt er verärgert. 200 bis 300 Euro hätte das gekostet - und die habe keiner einfach so übrig.

An den Anblick habe man sich schon gewöhnt, schöner wird er aber trotzdem nicht. Vorbeifahrende Autos bleiben sogar stehen und machen Fotos, erzählt Reisacher kopfschüttelnd. „Wir wissen nicht mehr, was wir tun können.“ Bleibt nur zu hoffen, dass sich der Eigentümer doch Hilfe holt - bevor tatsächlich Schlimmeres passiert.

sak

Auch interessant

Kommentare