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In Bernbeuren: Glockenläuten gegen das Unwetter

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Die große Glocke wird angeschlagen, wenn Mesner Werner Maier dunkle Wolken aufziehen sieht. Vom 32 Meter hohen Glockenturm der St. Nikolauskirche aus sollen durch die Schallwellen die Wolken vertrieben werden.  Foto: PM
Die große Glocke wird angeschlagen, wenn Mesner Werner Maier dunkle Wolken aufziehen sieht. Vom 32 Meter hohen Glockenturm der St. Nikolauskirche aus sollen durch die Schallwellen die Wolken vertrieben werden. Foto: PM

Bernbeuren - Wenn er dunkle Gewitterwolken aufziehen sieht, muss es schnell gehen: Mesner Werner Maier eilt dann in die St. Nikolaus-Kirche in Bernbeuren. Dort schlägt er die große Glocke an - um die Gewitterwolken zu vertreiben.

Die Gemeinde Bernbeuren hat damit eine der letzten Kirchen im Landkreis, die dieser Tradition noch nachkommt. Was für viele nach Aberglauben klingt, hat einen praktischen Hintergrund. „Die Schallwellen der großen Glocken sind so stark, dass sie aufziehende Gewitter wegtreiben können“, erzählt Maier. „Allerdings nur wegtreiben und nicht auflösen. Da haben sich früher schon mal Nachbargemeinden beschwert, wenn’s dann bei ihnen runterkam“, sagt Maier und lacht. Er selbst ist vom Brauch überzeugt. „Schon oft haben sich Gewitter beim Läuten verzogen. Ohne Läuten sind sie dann in der Nacht wieder gekommen.“

Und wie lang dauert das Geläute dann so? „Bis es zu hageln aufhört oder sich die Wolken verziehen.“ Schade findet er es, wenn die Tradition bei Kirchen aufhören muss, weil sich die Anwohner über Ruhestörung beschweren. „Glockenklang ist doch Musik.“

Die große Herz-Jesu-Glocke aus Bronze wiegt 42 Zentner und hängt neben fünf anderen Glocken hoch oben im romanischen Turm der St. Nikolauskirche. „Früher hatten die Glockenschläge noch eine viel größere Bedeutung“, so Maier. Verschiedene Kombinationen gaben einen Todesfall an oder läuteten den Feierabend ein. „Doch die Jungen kennen das nicht mehr und mit der Zeit geht die Tradition vom Glockenläuten langsam verloren.“ Mesner Maier will den Brauch aber weiter aufrechthalten. „In Bernbeuren ist es zum Glück recht bekannt, da hören viele noch auf die Glockensignale.“

Damit sind sie im Landkreis aber ziemlich allein unterwegs. In Rottenbuch ist die Tradition schon Mitte der Achtziger verschwunden, mit dem alten Mesner ging auch das Wetterläuten. Hohenfurch hat den Unwetter-Glockenklang vor einigen Jahren eingestellt, als alles automatisiert wurde.

„Vor Blitz, Hagel und Ungewitter bewahre uns, Herr Jesus Christus.“ So beginnt der Wettersegen, der als „verkleinerte“ Form des Wetterläutens beim Gottesdienst gesprochen wird. Das ist auch in der Pfarrei St. Michael in Peiting so geblieben. Zum Wettersegen in jedem Gottesdienst läuten an dieser Stelle die Glocken. „Denn damals wie heute sind wir in der Landwirtschaft auf gutes Wetter angewiesen“, meint Josef Schleich, Mesner in Peiting. Die Glocken stellen eine Art Schutzfunktion für die Menschen dar.

Wetterläuten wird es also auch zukünftig nur in Bernbeuren geben, dank Mesner Werner Maier mit vollem Einsatz. „Ich arbeite im eigenen Betrieb nur zwei Häuser weg von der Kirche. Da bin ich fast immer rechtzeitig da, wenn Gewitter oder Hagel die Gemeinde bedroht.“

pm

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