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Landfrauenchorleiterin Andrea Taffertshofer (Mitte) überreichte ein Erinnerungsfoto an die Kreisbäuerin Silvia Schlögel (l.) und ihre Stellvertreterin Brigitte Albrecht (r.). Beide geben nach zehn Jahren ihre Ämter ab.

Landfrauentag in der Auerberghalle

Raus aus der Opferrolle

Bernbeuren –  Jahresrückblick, Kabarett, zehnjähriges Jubiläum des Landfrauenchores, Meister- und Technikerinnen-Ehrung und zum Abschluss ein besonderer Dank der Stellvertreterin an die Kreisbäuerin: Der Landfrauentag in Bernbeuren war reich an Höhepunkten.

Gleich nach den ersten beiden Stücken des Landfrauenchores wurde der Spieß umgedreht. „Viel Glück und viel Segen“, sang das Publikum (rund 200 Gäste) für die Singgemeinschaft anlässlich ihres zehnjährigen Bestehens.

Dass da durchaus stimmliches Potenzial im bis auf den letzten Platz besetzten Saal der Bernbeurer Auerberghalle versammelt war entging den besungenen Damen nicht. Immer auf der Suche nach neuen Mitgliedern erklärten sie sich unter viel Gelächter bereit, sogar ein paar Männer aufzunehmen – aber natürlich nur als zahlende Ehrenmitglieder.

Darauf, aber hauptsächlich auf das Jubiläum, wurde erst einmal mit einem Glaserl Sekt angestoßen, ehe die scheidende Kreisbäuerin Silvia Schlögel auf die Bühne trat und einen Blick auf das vergangene Jahr der Landfrauenbewegung warf. Dazu zählten die gemeinsame Fahrt ins Lechtal, ein Schafkopfkurs und die Organisation einer Haushaltshilfe „auf kurzem Dienstweg“, wie Schlögel besonders hervorhob, für das junge Paar aus Peiting, das kürzlich Drillinge bekam.

„Jedoch habe ich selten ein gesellschaftlich, politisch und finanziell so schwieriges Jahr wie dieses erlebt“, so das Fazit der Kreisbäuerin. Dabei beunruhigt sie nicht nur das Russland-Handelsembargo oder, dass der chinesische Markt mittlerweile großteils von anderen Nationen beliefert wird. „Versteht’s mich nicht falsch, ich bin eine Verfechterin der Regionalität, aber so viel Käsekuchen und Cordon bleu können wir gar nicht essen, wie Käse ohne den Export übrig bleibt.“

Sorge bereitet der Peitingerin auch, dass mittlerweile mit polemischen und hetzerischen Aussagen Wahlen gewonnen werden können und nannte als ein Beispiel von vielen den Brexit. „Das ist bedenklich, nicht nur mit Blick auf die anstehenden Wahlen in Deutschland“, warnte Schlögel deshalb.

Gemeinsam raus aus der Opferrolle. Den Verbrauchern den Beruf der Landwirtin einfach und plakativ näher bringen, so, dass es jeder versteht. Das ist laut Schlögel der erste Schritt, der in Bezug auf die Außendarstellung der Bäuerinnen jetzt gegangen werden muss.

Gut 200 Landfrauen und Ehrengäste verlebten einen abwechslungsreichen und unterhaltsamen Landfrauentag in der Bernbeurer Auerberhalle.

In dasselbe Horn stieß die Bäuerin, Mental- und Persönlichkeitstrainerin sowie Kabarettistin Elke Pelz-Thaller. Frei nach Albert Einstein zitierte sie in ihrem Programm „Landfrauen tragen Verantwortung“: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu belassen und gleichzeitig zu denken, dass sich dadurch etwas verändert.“

Daher ermutigte sie die Landfrauen, zu dem zu stehen, wer sie sind und was sie produzieren. Außerdem müsse das ständige Fingerzeigen und Fehlersuchen bei anderen aufhören. „Denn wenn ich mit dem Finger auf andere zeige, zeigen auch immer drei Finger auf mich selber.“ Eigene Denkmuster durchbrechen, die Perspektive auf die Dinge ändern und dann zur Tat schreiten, das soll darum die neue Strategie der Bäuerinnen sein. Damit das gelingt, gab Pelz-Thaller ihnen noch ein Power-Bekenntnis mit auf den Weg, dass das Selbstbewusstsein für die neuen Aufgaben stärken soll.

Im Anschluss daran wurden Claudia Bair (Hauswirtschaftsmeisterin) und Theresa Hofmann (Technikerin Ernährungs- und Versorgungsmanagement) für ihre überaus erfolgreichen Abschlüsse geehrt.

Zum Abschluss der Veranstaltung dankte Peitings Bürgermeister Michael Asam stellvertretend für alle Bürgermeister Kreisbäuerin Silvia Schlögel und ihrer Stellvertreterin Brigitte Albrecht für ihr unermüdliches Engagement in den vergangenen zehn Jahren. „Ich musste mich nie als Nummer zwei fühlen“, schwärmte Albrecht, die ebenfalls aufhören wird, und dankte Schlögel für die gute Zusammenarbeit. Das Lob gab die Kreisbäuerin natürlich gerne zurück. Denn auch wenn es die beiden oft schwer hatten, auf die jeweils andere konnten sie sich immer verlassen.

Franziskus Reich

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