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Gemeinsam an einem Strang ziehen wollen die Bürgermeister im Auerbergland (am Mikrofon Moderator Stefan Fichtl).

Regionalkonferenz Auerbergland

Auerbergland: Neue Lebensräume für Jung und Alt schaffen

Vitale Gemeinden und Dörfer sind das Rückgrat des ländlichen Raumes. Im Auerbergland will man deshalb vorausschauend auf die nächsten 20 Jahre neue Denkansätze und Strategien entwickeln, um die derzeit gesunden Strukturen zu erhalten und richtungweisende Impulse zu setzen.

Bernbeuren „Wir wollen, dass das Auerbergland als Pilotprojekt in Bayern auch weiterhin einen Namen hat“, sagte Maximilian Streif, Bürgermeister aus Rieden am Forggensee, bei der alljährlichen Regionalkonferenz Auerbergland in der Auerberghalle in Bernbeuren. Das könnten die Bürgermeister alleine jedoch nicht schaffen. Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner richtete deshalb insbesondere an die Gemeinderäte seinen Appell, sich bereits jetzt aktiv einzubringen und fortzubilden: „Wir müssen jetzt anfangen, denn alle künftigen Projekte werden eine lange Vorlaufzeit haben.“

Dabei geht es um Themen wie die Beschaffenheit der Dorfkerne, Leerstands-Gefahren, Wegzug der jungen Menschen, Infrastrukturen wie etwa Einzelhandel, ärztliche Versorgung und Gastronomie oder die eingeschränkten Entscheidungsspielräume durch veraltete Bebauungspläne. Ein besonderer Fokus lag an diesem Abend jedoch auf dem Thema Wohnen, da dies, so Hinterbrandner, die Grundlage für alle anderen Themen am Ort sei.

Wie eine solche Entwicklung erfolgreich umgesetzt werden kann, zeigte Paul Jocher, Altbürgermeister von Amtzell, in seinem Vortrag auf. Unter seiner Federführung wurde in seiner Gemeinde bereits 1999 ein Arbeitskreis Dorfgemeinschaft ins Leben gerufen, um die vielen unterschiedlichen haupt- und ehrenamtlichen Kräfte im sozialen, wirtschaftlichen und politischen Bereich zu vernetzen.

Innerhalb von fast 20 Jahren schaffte es die Gemeinde auf diese Weise, neue Lebensräume für Jung und Alt zu schaffen, etwa Kindertagesstätten und Altenheim unter ein Dach zu bringen, Mehr-Generationen-Wohnanlagen, oder Sportanlagen, die von Menschen jeden Alters genutzt werden. Auch gelang es langfristig, den 4200 Einwohnern 1400 Arbeitsplätze gegenüberzustellen, „damit die Arbeit zum Menschen und nicht der Mensch zur Arbeit kommt“, so Locherer, dem die Begeisterung an seiner von Erfolg gekrönten Arbeit bei seinem Vortrag aus jeder Pore zu springen schien.

Nicht die Überalterung der Bevölkerung sei das Problem, sondern die „Unterjüngung“. Bei den richtigen sozialen Strukturen am Ort, würden auch die Geburtenraten steigen. Ein Rezept, das in der Gemeinde Amtzell Früchte trug. „Denn das Elternhaus ist durch nichts zu ersetzen“, so Locherer, der auch lange Jahre im Baden-Württembergischen Landtag saß. Für die alten Menschen am Ort gebe es einen Pflege-Hilfe-Mix, der es Alleinstehenden ermögliche, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden zu bleiben. Eine Präventivmaßnahme, die darüberhinaus Kosten einspare.

Besonders stolz war Locherer auf die neueste Errungenschaft, das Bürgermobil. Damit können an zwei Tagen in der Woche ältere Bürger aus dem gesamten Außenbereich, der in Amtzell immerhin 124 Weiler und Höfe umfasst, für Besorgungen in den Ort fahren. Die Ärzte dort haben ihre Terminvergabe daraufhin ausgerichtet. Auch Menschen mit Behinderung sind in einem Integrativen Wohnprojekt eingebunden – noch unzählige andere Projekte wurden ins Leben gerufen, fast alle wurden finanziell aus eigener Kraft gestemmt.

„Natürlich gab es hin und wieder auch einige Hautabschürfungen, aber es hat sich gelohnt“, resümierte Locherer. Wichtig auf dem Weg dahin sei ein gutes Image durch eine attraktive Infrastruktur, soziale Kompetenz der Akteure, Fort- und Weiterbildung sowie bürgerliches Engagement mit Identifikation und Anerkennungskultur. Ermutigung zu neuen Schritten für die Gemeinden im Auerbergland kam am Versammlungsabend auch von Monika Hirl vom Amt für Ländliche Entwicklung Oberbayern. Sie verwies auf das integrierte ländliche Entwicklungskonzept (ILEK), das die Gemeinden bei ihrem Vorhaben unterstützt.

Myrjam C. Trunk

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