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Die Mitglieder von Auerkult proben bereits die erste Szene des Kleist-Klassikers im Dialekt: Christian Beer mit Tochter Alisia, Helmut Gehlert, Resi Franz, Karl Egner, Josef Wohlfahrt und Souffleuse Julia Höbel.

„D’r v’rbrocha Kruag“

Auerkult: Es wird bereits geprobt

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„D’r v’rbrocha Kruag“ nimmt Formen an. Jetzt ist auch die Besetzungsliste verraten worden. Und seit zwei Wochen proben in Bernbeuren die Mitglieder der Theatergruppe Auerkult. Die erste Szene des Lustspielklassikers im Dialekt des Auerberglandes klappt schon recht gut. Die Kleist-Übersetzung stammt von Regisseur Helmut Gehlert.

Bernbeuren– Die Plakatentwürfe stehen schon, die Handzettel werden derzeit ebenfalls gestaltet, die Textbücher sind verteilt: Im Trachtenraum in der Auerberghalle ist momentan das Domizil der Theaterer, die sich schon fleißig mit dem Inhalt Klassikers „Der zerbrochene Krug“ von Heinrich von Kleist beschäftigen. Immerhin soll in wenigen Tagen der Vorverkauf starten – am 26. März – und bis zur Premiere am Mittwoch, 9. Mai, soll ja alles perfekt sitzen.

Einige der Darsteller sind nicht zum ersten Mal dabei – standen schon bei der Fassung von 2003 auf der Bühne in der Auerberghalle, allen voran die drei offiziellen Spielleiter und Initiatoren der Aufführung. Regisseur Helmut Gehlert hat nun doch wieder selbst die Rolle des Dorfrichters Franz Adam Riß übernommen – in der er bereits damals glänzte. Den Gerichtsrat Ernst Walter spielt diesmal Christian Beer. Der Burggener war ehemals als Gerichtsschreiber Lochner auf der Bühne, der in der aktuellen Fassung jedoch von Josef Wohlfahrt übernommen wird. Auch für Martin Hinterbrandner fand sich eine kleine Sprechrolle, seinem Stand als Bürgermeister von Bernbeuren angemessen, wie die Spielleiter lachend erklären: Hinterbrandner darf als Gerichtsdiener brillieren.

Helmut Gehlert hat sich noch einmal intensiv mit der Vorlage aus der Zeit um 1810 beschäftigt, wobei die Handlung nicht etwa 1750 in einem niederländischen Dorf spielt, sondern vom Autor nach Bernbeuren in das Jahr 1808 verlegt wurde. Die Örtlichkeiten, Personen und geschichtlichen Zusammenhänge spielen nun im napoleonischen Zeitalter, König Maximilian I. von Bayern regiert, die Säkularisation fand gerade statt. „Damals gab es eine Untere Gerichtsbarkeit in Bernbeuren, ich habe in Chroniken nach Namen geforscht“, erzählt Gehlert. Die Handlung spielt im damaligen Richterhaus, dem heutigen Gasthaus Filser.

Die Darsteller sprechen bis auf den Gerichtsrat den Auerberg-Dialekt. Gehlert hat den kompletten Text in Mundart transponiert und dafür sogar eine eigene phonetische Lautschrift entwickelt. „Dass die schriftliche Darstellung unserer klangvollen und stimm(ungs)reichen Heimatsprache schwierig ist, dürfte jedem klar sein“, erläutert Gehlert auch seinen Mitspielern. Weil einige Laute und Töne mit den üblichen Buchstaben des Alphabets nicht darstellbar sind, wurde Gehlert erfinderisch. Wer einen Blick ins Textbuch werfen darf, kann erahnen, welche Mühe das gemacht hat: So sind etwa die nicht gesprochenen Vokale, die im Dialekt sozusagen verschluckt werden, als Exponenten geschrieben, „hoch e“ sozusagen, einen dumpfen Ton irgendwo zwischen a und o angesiedelt schreibt Gehlert als Buchstabe Alpha. „Ich bin nah am Originaltext geblieben und war selbst überrascht, wie gut sich diese Kunstsprache in den Dialekt umsetzten lässt – sogar der Satzbau ist ähnlich, deshalb wirkt das ganz natürlich“, so Gehlert. Die knapp 100-seitige Kleist-„Übersetzung“ hat er im Dezember noch einmal überarbeitet – die Endfassung für das Stück beträgt 75 Seiten. „Das Kürzen tut dem Stück keinen Abbruch, das hat noch nie geschadet“, sind sich die Spielleiter Beer und Wohlfahrt einig. Nach einem ersten Sprechtest schätzt man mit einer Aufführung inklusive Pause von rund 2 Stunden 45 Minuten.

Der Probenplan ist festgezurrt. Auch für die Musik ist gesorgt – unter anderem treten die Fanfarenbläser vom Georgiverein auf, die „Nochbauremusik“ ist integriert und eine Kinder-Musikgruppe, die mit gesanglichen Darbietungen eingebunden sind. Geübt wird außerdem beim Trachtenverein, denn die Dreschflegelgruppe ist ebenfalls mit dabei. Der Aufbau der Bühne soll nach Ostern erfolgen. Noch diese Woche geht es zu einem Kostümverleih nach Wessobrunn, auch auf den Fundus der Bühne in Steingaden hat man schon zurückgreifen können. Insgesamt zeigen sich die Spielleiter bisher sehr zufrieden, die Stimmung ist prima, es wird viel gelacht: „Alle kennen ihren Text schon sehr gut, nur der Regisseur mit der Hauptrolle noch nicht.“

In weiteren Rollen:

Neben Helmut Gehlert, Christian Beer und Josef Wohlfahrt steht auch Elisabeth Schmölz erneut auf der Besetzungsliste, die wieder die Witwe Martha Niggl spielt. In die Rolle deren Tochter Eva schlüpft Franziska Ehlich. Wolfgang Keck übernimmt die Rolle des Bauernsohns Ruprecht Veit (in der 2003er Fassung verkörpert von Josef Wohlfahrt). Karl Egner steht als Anton Veit auf der Bühne, Hildegard Höfler als Hebamme Brigitte Thaler, Martin Sprenzel/Thomas Seelos als Bedienter des Gerichtsrats, Sandra Weiher und Resi Franz als Mägde Liesl und Gretl. Arthur Keck ist auch diesmal wieder als Pfannenflicker und Hausierer unterwegs und wird von Alisia Beer begleitet. Nicht zuletzt ist Bürgermeister Martin Hinterbrandner im Einsatz.

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