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Susanne Lang beim Ausstechen des Wasserkreuzkrautes, das eine Gefahr für Tiere und Menschen darstellt.

Horst Seehofer soll helfen

Gefahr für Tiere und Menschen: Auf Wiesen blüht todbringendes Kraut

Auf den bayerischen Wiesen herrscht Gefahr für Tiere und Menschen. Denn es wächst ein Kraut, das sich stark vermehrt. Jetzt wurde sogar Ministerpräsident Horst Seehofer um Hilfe gebeten.

Bernbeuren – „Kreuzkräuter sind sehr giftig, besonders für Pferde und auch für Rinder, etwas weniger für Schafe und Ziegen“, berichtet Susanne Lang, die seit 2008 eine Pferdepension im Bernbeurer Ortsteil Ried betreibt und schon lange auf die Gefahren der Kreuzkräuter, vor allem des Wasserkreuzkrautes, hinweist.

„Diese Pflanzen sind eine Bedrohung für ganze Viehherden“, warnt Lang. Auf der Weide werde dieses Kraut mit den gelben Blüten vorzugsweise von jüngeren unerfahrenen Tiere gefressen, vor allem wenn es noch im Rosettenstadium ist. „Das Gift ist aber genauso wirksam im Heu und in der Silage, und sogar in der Milch und im Käse nachzuweisen“, erzählt Susanne Lang. Auch kleinere Mengen würden sich summieren und im Laufe der Zeit zu einer akuten oder chronischen Vergiftung bei Weidetieren führen. „Heilungschancen gibt es nicht. Daher sind Kreuzkräuter auf Futterwiesen auszumerzen“, so der Appell von Susanne Lang.

Drei Dinge hat die Pferdepensionswirtin immer griffbereit: Gummihandschuhe, einen großen Schraubenzieher (zum Ausstechen des Kreuzkrautes) und einen Plastiksack, mit dem das Kraut abtransportiert wird. Giftig sind nicht nur die Blüten, sondern auch die Blätter und Stengel. Wobei auch für Menschen eine Gefahr droht: Susanne Lang kennt einen Fall, bei dem ein Mann das Wasserkreuzkraut mit der bloßen Hand ausgerissen hat. Durch eine kleine Wunde an der Hand sei das Gift in den Körper eingedrungen – „und jetzt hat der Mann einen bleibenden Leberschaden“.

Susanne Lang beim Ausstechen des Wasserkreuzkrautes, das eine Gefahr für Tiere und Menschen darstellt.

Dass die Bedenken von Susanne Lang berechtigt sind, bestätigt auch Ministerpräsident Horst Seehofer in seinem Antwortschreiben, das er an Susanne Lang nach einem persönlichen Gespräch (im Modeon in Marktoberdorf) geschickt hat. „Wasserkreuzkraut gehört zu den zehn häufigsten Giftpflanzen auf Grünland in Bayern“, teilt Seehofer mit. Die Giftigkeit der Pflanze beruhe auf der Wirkung verschiedener Pyrrolizidin-Alkaloide. Diese typischen Lebergifte führten entweder zu einer akuten oder zu einer schleichenden chronischen Leberdegeneration, wenn kleinere Mengen (zum Beispiel in Heu und Silage) über einen längeren Zeitraum aufgenommen werden. Diese Gifte würden nicht ausgeschieden, sondern sammeln sich im Tier an, bis die tödliche Dosis erreicht sei.

„Eine Bekämpfungspflicht gibt es nicht“, teilt Sebastian Luttenbacher vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Weilheim auf Anfrage mit. Es gebe verschiedene Arten von Kreuzkräutern, so z.B. auch das Jakobskreuzkraut, die alle mehr oder weniger giftig sind, weil sie Pyrrolizidin-Alkaloide enthalten – und zwar in allen Pflanzenteilen. Auch bei Silierung und Trocknung würden diese Giftstoffe nicht abgebaut. Sie zersetzen die Leber (wie bei einem Alkoholiker). Da bei einem Schlachttier die Leber nicht untersucht wird, lässt sich später oft nicht sagen, inwieweit dieses Organ durch das Kreuzkraut geschädigt worden ist.

Was können die Landwirte gegen das Wasserkreuzkraut tun? „Jede Pflanze einzeln ausstechen ist ein Aufwand“, räumt Sebastian Luttenbacher ein. Bleibt noch eine chemische Bekämpfung, aber da macht nicht jeder Landwirt mit. „Unsere Aufgabe ist es, die Landwirte über die Gefahren der Kreuzkräuter aufzuklären“, sagt Luttenbacher.

„In manchen Gegenden ist es schlimm mit dem Kreuzkraut“, bestätigt Karl Lieb, BBV-Obmann von Bernbeuren. Auch auf seinen Wiesen hat er die gefährlichen gelben Pflanzen schon entdeckt. Mit öfterem Mähen versucht er, dass diese Giftpflanze vom Feld verschwindet.

Susanne Lang mäht in einem Versuch ihre Wiese wöchentlich ab, um dem Wasserkreuzkraut die Kraft zum Blühen zu nehmen und somit auszurotten.

Michael Gretschmann

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