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Der Hochbehälter am Goldstein ist einer von zwei Hochbehältern in Bernbeuren, die baulich und technisch saniert werden müssen, weil es um die Hygiene nicht mehr gut bestellt ist. Mehrfach wurden durch das Gesundheitsamt Keime im Wasser festgestellt. Deshalb wird bis zum Abschluss der Arbeiten weiter gechlort.

Bürgermeister und Wasserwart uneins

Erbitterter Streit ums Bernbeurer Trinkwasser

  • Jörg von Rohland
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Um die marode Trinkwasserversorgung in der Gemeinde Bernbeuren tobt offenbar schon seit Jahren ein erbitterter Streit zwischen Bürgermeister und Wasserwart. Während das wertvolle Nass nach wie vor gechlort wird, herrscht Uneinigkeit, wie die dringend notwendige Sanierung der Hochbehälter ausgeführt werden soll. Die lässt weiter auf sich warten.

Bernbeuren– Immerhin in einem Punkt sind sich die Kontrahenten einig: Der Streit um das Bernbeurener Trinkwasser hat Martin Hinterbrandner bei der Kommunalwahl seinen Job gekostet, meinen sie. Und der noch bis Mai amtierende Bürgermeister ist mächtig angefressen: „Hier den Sündenbock zu spielen, dazu bin ich nicht bereit, das lasse ich mir nicht in die Schuhe schieben“, sagt er mit Blick auf Keime im Wasser, die dazu führten, dass das Gesundheitsamt im Januar eine Chlorung der Anlage anordnete. Nach Meinung Hinterbrandners sind die Verunreinigungen vor allem auf Versäumnisse in der Vergangenheit zurückzuführen, für die er nichts kann. Wasserwart Franz Grieser sieht es anders und sagt mit Blick auf die Abwahl der Rathauschefs: „Er hat die Quittung bekommen.“

Es sind harte Vorwürfe, die im Raum stehen: Der Gemeinderat sei vom Bürgermeister nie richtig informiert worden, behauptet der Wasserwart, der nicht bei der Gemeinde angestellt ist, sondern als Dienstleister seine Arbeit in Rechnung stellt.

Gesundheitsamt hatte gravierende Mängel beanstandet

Bei den Vorwürfen geht es unter anderem um ein Ingenieurbüro aus Ansbach, das schon 2017 in Bernbeuren vorstellig geworden war. Wie berichtet, hatte das Gesundheitsamt damals die gravierenden Mängel im Hochbehälter beanstandet. Das Ungeziefer kreuchte und fleuchte den Experten zufolge darin regelrecht, weil unter anderem Fliegengitter an Lüftungsschächten fehlten. An einer Holzdecke bildeten sich obendrein Schimmelpilze. Dem Vernehmen nach hätte sich das Büro aus Ansbach gerne der maroden Anlage angenommen und mit Fachfirmen die Sanierung in Angriff genommen. Die Gemeinde arbeitet allerdings schon seit Jahren mit einem anderen Ingenieurbüro aus der Region zusammen.

Bei Ausschreibung fanden sich keine Fachfirmen

Die gravierendsten Mängel wurden 2017 umgehend von Gemeindemitarbeitern und dem Wasserwart beseitigt, die grundlegende Sanierung der Anlagen musste freilich ausgeschrieben werden. Rund 860 000 Euro waren veranschlagt. Das Problem:Es fanden sich keine Fachfirmen, weil diese wegen eines Förderprogramms des Freistaats bereits alle Hände voll zu tun hatten.

Rathauschef nimmt kein Blatt mehr vor den Mund

Bürgermeister Martin Hinterbrandner war und ist die Problematik durchaus bewusst. Nach seiner Abwahl nimmt er jetzt kein Blatt vor den Mund: „Die Wasserversorgung war im Arsch“, sagt er. Seit einem Dreivierteljahr werde er angegiftet, „und ich bin sowas von sauer, dass ich jetzt wegen der Versäumnisse meiner Vorgänger den Stuhl räumen muss“, poltert der Rathauschef. Wie berichtet, hatte das Gesundheitsamt schon 2010 bei einer Begehung Mängel in der Trinkwasserversorgung festgestellt, die offensichtlich nicht alle beseitigt wurden.

Kritik an Vorgänger: „Da war Null Vorausplanung“

Als Hinterbrandner 2014 übernahm, musste er sich zunächst einen neuen Wasserwart suchen. Der alte sei 80 Jahre alte gewesen und habe gesagt, „ich höre auf“, erinnert der Bürgermeister und spart nicht mit Kritik an seinem Vorgänger: „Da war Null Vorausplanung.“ Der aktuelle Gemeinderat müsse sich aber keine Vorwürfe machen, betont Hinterbrandner. Den Vorwurf, das Gremium nicht ausreichend über das Thema in Kenntnis gesetzt zu haben, weist der Bürgermeister entschieden zurück: „Sie sind informiert gewesen“, erklärt Hinterbrandner und verweist auch auf ein 90 Seiten starkes Sanierungskonzept, das auf der Gemeindehomepage veröffentlicht worden ist.

Edelstahl oder Verputzschicht?

Ein erbitterter Streitpunkt in dem Konzept ist die Ausführung der Hochbehälter. Wasserwart Grieser fordert Edelstahl, der Gemeinderat favorisiert laut Hinterbrandner aber eine Verputzschicht. „Sie ist langlebig, kostengünstiger und habe die gleiche Qualität“, argumentiert der Bürgermeister, der in dem Zusammenhang auch die Haltung des Ansbacher Büros bemängelt. „Die sagen, es geht gar nichts anderes als Edelstahl.“

Gemeinderat diskutiert, der Wasserwart ist nicht dabei

Grieser bedauert derweil, dass er seine Sicht der Dinge nicht in der vergangenen Gemeinderatssitzung habe vortragen dürfen. Zu dieser hätte er dann auch einen Experten der Ansbacher Firma mitgebracht. Der berichtet auf Anfrage der SN, dass er schon auf dem Weg nach Bernbeuren war, um auf halber Strecke wieder umkehren zu müssen. Hinterbrandner stellt die Sache anders dar: Grieser habe den Termin abgesagt, „weil er keine schriftliche Einladung bekommen hat“.

Aus dem Gemeinderat gibt es dazu keine klare Aussage, Vizebürger Markus Socher gibt sich diplomatisch: „Wir hätten Herrn Grieser gerne mit einbinden wollen und bedauern, dass er bei dem Termin nicht dabei war.“

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