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Viele Informationen bekamen die Interessierten beim Asyl-Infoabend in Auerberggemeinde.

Kleine Wohneinheiten statt Massenunterkunft

Keine Flüchtlinge im Doldewirt 

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Bernbeuren - Der Doldewirt als Unterkunft für Asylbewerber ist vom Tisch, dafür sollen in Bernbeuren Schritt für Schritt mehrere kleine Wohneinheiten für Flüchtlinge angeboten werden. Dies verkündete Bürgermeister Martin Hinterbrandner beim Asyl-Infoabend in Bernbeuren. Der Helferkreis warb eindringlich um Unterstützung.

Bei einer Art Mini-Asylgipfel im Landratsamt hatten Bürgermeister Martin Hinterbrandner und Stellvertreter Markus Jocher in der Karwoche ein für das Dorf verträgliches Konzept vorgestellt. Gemeinsam mit Landrätin Andrea Jochner-Weiß hatte man am Tisch gesessen und überlegt, wie die Unterbringung von bis zu 50 neuen Flüchtlingen in den kommenden zwei Jahren am besten zu bewerkstelligen sei, ohne den Dorffrieden allzu sehr zu stören. Denn bei einer großen Unterkunft mit allein mindestens 50 Plätzen auf engstem Raum, sei der Ärger einfach vorprogrammiert. „Wir halten im Gemeinderat den Doldewirt für eine neudeutsch suboptimale Lösung“, so Hinterbrandner.

Zwar wünscht man sich, dass Asylbewerber im Landkreis gleichmäßig verteilt werden – „es kann nicht sein, dass einige Gemeinden den Kopf in den Sand stecken und gar nichts tun“ (Hinterbrandner). Der Verantwortung jedoch, die derzeit errechnete Anzahl von etwa drei Prozent der Bevölkerung aufzunehmen oder zumindest diese Plätze dauerhaft vorzuhalten, werde man sich nicht entziehen. Denn auch wenn derzeit keine weiteren Flüchtlinge weitergeleitet würden – das Zuweisungs-Kontingent ist diesen Monat ausgesetzt –, riet Hinterbrandner dazu, nicht allzu blauäugig in die Zukunft zu sehen. Man müsse die Turnhallen leerbekommen und in jedem Fall vermeiden, dass diese neu belegt werden müssten.

Martin Hinterbrandner Bürgermeister von Bernbeuren

Jochner-Weiß begrüßte den Vorstoß der Gemeinde nicht nur ausdrücklich – dies habe „Nachahmungscharakter“ –, sondern versprach: „Eine Belegung in Bernbeuren ohne Absprache mit der Gemeinde wird es nicht geben.“ Konkrete Privatobjekte mit Wohnungen oder Zimmern für Flüchtlinge nannte Hinterbrandner zwar nicht, der Zuzug solle jedoch in „verdaulich kleinen Gruppen“ erfolgen, 15 bis 20 ab Herbst, weitere dann erst 2017. Aktuell leben in Bernbeuren Flüchtlinge aus Syrien, Pakistan und Nigeria. 14 sind auf dem Auerberg untergebracht, sechs im Feuerwehrhaus, ein Flüchtling privat im Ort und vier Plätze gibt es in Badwerk, ein weit abgelegener Einödhof am Auerberg, eineinhalb Stunden zu Fuß ins Dorf, aber dafür mit Familienanschluss, wie Hinterbrandner betonte.

Mit der Unterkunftsfrage zwingend gekoppelt ist die Frage der Betreuung. Und so nutzte der Helferkreis Bernbeuren den Abend dazu, um dringend notwendige Unterstützung zu werben. Es sei wichtig, die Flüchtlinge anzuleiten, ihnen zu zeigen, wie die Menschen in Bayern funktionieren, so Vorsitzender Klaus Gerlach, der auch den Abend moderierte. Der Helferkreis setzt sich derzeit aus nur fünf Mitgliedern zusammen und stoße bereits jetzt an seine Belastungsgrenzen. Gerlachs Ehefrau Silke ist Ansprechpartnerin für die Unterkunft auf dem Auerberg, Karin Neuner für die Flüchtlinge im Ort. Außerdem helfen Katharina Lerchenmüller und Ines Völker.

Klaus Gerlach, Vorsitzender des Helferkreises Bernbeuren

„Wir wollen eine Pyramide bauen, wo viele Stein für Stein zusammentragen“, forderte Gerlach die Bürger auf, sich aktiv zu engagieren und Ideen einzubringen. So wünschte er sich etwa Menschen, die Patenschaften übernehmen. Einige konstruktive Vorschläge kamen von Peter Ernst. Zum einen solle man Kontakt aufnehmen zu dem Helferkreis in Lechbruck, um eventuell zusammenzuarbeiten. Hierzu fehle derzeit leider „die kritische Masse“, so Gerlach. Auch der Vorschlag, die Bevölkerung über das Gemeindeblatt regelmäßig über die Neuigkeiten rund um Asyl zu informieren, wurde gerne aufgenommen – wobei auch hierfür die Kapazitäten fehlten. Die Idee, wie in Roßhaupten eine 450-Euro-Kraft als Asyl-Betreuer einzusetzen, wurde auch kritisch gesehen, unter anderem von Hinterbrandner, der die wenigen finanziellen Mittel der Gemeinde gerne gerecht auf alle Bürger und Vereine verteilt sähe. Was Gerlach klarstellte: Der Helferkreis mache keinen Unterschied zwischen sogenannten Wirtschaftsflüchtlingen und politisch verfolgten Menschen, alle seien sie Menschen in Not.

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