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Zentimeter-Arbeit war die Arbeit mit dem Kran an der Auerbergkirche. 
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Zentimeter-Arbeit war die Arbeit mit dem Kran an der Auerbergkirche. 
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Zentimeter-Arbeit war die Arbeit mit dem Kran an der Auerbergkirche. 
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Zentimeter-Arbeit war die Arbeit mit dem Kran an der Auerbergkirche. 
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Zentimeter-Arbeit war die Arbeit mit dem Kran an der Auerbergkirche. 
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Den schweren Baukran zur Kirche hinaufzuschaffen, erforderte von den Bauarbeitern viel Geschick und auch Augenmaß.
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Zentimeter-Arbeit war die Arbeit mit dem Kran an der Auerbergkirche. 

Zentimeter-Arbeit in Bernbeuren

Kran erklimmt Auerberg-Gipfel

Wer den kiesigen, schmalen Weg vom obersten Parkplatz hinauf zur Auerbergkirche kennt, weiß, dass dieser aufgrund seiner Steilheit schon mit einem Auto nicht besonders angenehm zu fahren sein dürfte. Wie also soll nun ein Kran mit 21,5 Tonnen hoch zur Kirche gebracht werden und gibt es dort überhaupt genug Platz, um ihn aufzustellen?

Bernbeuren – Verzögerungen gibt es auf Baustellen des Öfteren, und auch der Aufbau des Krans konnte erst an diesem Wochenende über die Bühne gehen, weil die von der Zimmerei Hölzle beauftragte Kranservice-Firma den Kran erst am Samstag auf der vorherigen Baustelle im Raum Kaufbeuren abbauen konnte.

Für Alexander Obert von der Firma „Alex Kranservice“ aus Oberrieden und seine vier Helfer begann der Tag schon um 6 Uhr früh, und gegen 11 Uhr trafen die zwei Lastwagen mit den Kranelementen dann auf dem Schwäbischen Rigi – wie der Auerberg auch genannt wird – ein.

Die Wirtin des Panoramagasthofes, Eike Weissinger, hatte zuvor schon mit ihrem Auto die Zufahrt auf den oberen Parkplatz gesperrt, damit genug Platz zum Rangieren und Entladen vorhanden sein würde. Denn das Traumwetter, die Pfingstferien und der Wochentag Samstag locken natürlich viele Gäste, Wanderer und Motorradfahrer auf den Auerberg.

Schon beim Anblick des ankommenden Kranfahrzeuges wird klar, dass es sich um keinen üblichen Baustellenkran handelt, denn im Mittelteil befindet sich ein Raupenfahrwerk, das mehr an einen Panzer erinnert. Rückwärts fährt ein Mitarbeiter das Gerät so weit wie möglich an die Steigung zur Kirche hin. Das geschäftige Treiben kann beginnen.

Fünf Männer tragen Kanthölzer herbei und unterfüttern die noch in der Luft hängende Raupe damit. Denn schließlich muss das Gefährt irgendwie von den Transportachsen heruntergebracht werden. Jeder Handgriff sitzt, dazwischen müssen immer wieder Kabel umgesteckt und Ketten umgehängt werden, damit das Transportfahrwerk ausgebaut werden kann.

Zuerst wird vorne abgekoppelt, danach fährt Obert den Raupenkran wie auf einer Art Holztreppe zentimeterweise von der hinteren Schnelllaufachse herunter. Am Ende steht die Maschine auf Holzläden auf dem Parkplatz, denn Obert erklärt, dass die Raupe beim Fahren sonst den Teer aufreißen würde.

Fingerspitzengefühl mit schwerem Gerät

Der erste Schritt ist geschafft, aber die Transportachse versperrt nun den schmalen Weg Richtung Kirche. Es ist kaum Platz, um sie aus dem Weg zu schaffen, da hört man von oben den Motor eines Radladers. Dieser gehört der Baufirma Haberstock aus Altenstadt. Obert ist sehr dankbar, dass er diese Baumaschine mitbenutzen darf, denn so konnte er seinen eigenen Radlader zu Hause lassen. Mit Ketten hängen seine Männer die Achse an, ziehen sie ein Stück den Berg hinauf und lassen sie dann langsam wieder seitlich am Kran vorbei. Das Kies knirscht dabei, und dann ist der Weg frei.

Obert setzt sich mit der Steuerung auf den Kran. Das Panorama hinter ihm mit Blick auf den Haslacher See, den Hohen Peißenberg und die Wieskirche ist beachtlich, aber natürlich haben die Männer dafür momentan keine Zeit. Langsam kämpfen sich die 21,5 Tonnen den steilen Hang nach oben. Vorne und seitlich schauen die Mitarbeiter, ob alles passt.

Mit einem normalen Kran wäre dies noch schwerer zu machen gewesen. Es wurde zunächst überlegt, diesen gleichzeitig zu ziehen und zu schieben. Aber der Vorteil des gelieferten Liebherr 35 KR liegt nicht nur bei der griffigen Raupenkette, sondern auch an der besseren Wendemöglichkeit. Dass dies von besonderer Bedeutung sein würde, wird deutlich, als der Kran oben angekommen ist. Mit einer Spurbreite von 2,75 Meter geht es zwischen Zäunen und Bäumen hindurch. Ein Kollege deutet und ruft Obert immer wieder von vorne die Richtung zu.

Plötzlich kommt eine Gruppe Ziegen angerannt, die sich wohl nicht an die Bauzaunabsperrung gehalten hat. Die Tiere werden die Arbeiter während des Aufbaus noch öfter besuchen, bevor sie den Weg vom Baugelände wieder selbstständig zurückfinden. Jetzt wäre der Kran theoretisch oben, aber der Standplatz liegt auf der anderen Seite der Kirche, und so muss das 15 Meter lange Gefährt nun um die Ecken des Gotteshaus herumfahren. Im westlichen Teil stehen zum Glück keine Bäume, so dass der Turm über den Zaun hinausragen kann.

Während bei der ersten Ecke noch ein halber Meter Luft ist, wird es bei Nummer zwei schon kniffliger. Zwischen Raupe und Wand liegen vielleicht noch gut zehn Zentimeter. Auf der anderen Seite drücken die Mitarbeiter Büsche zur Seite. Bis auf das Knacken ein paar kleinere Äste kommen auch Flora und Fauna bei dieser Aktion unbeschadet davon.

Beim Vorraum zur Kirche wird noch einmal die Luft angehalten, aber auch hier geht alles glatt, und mit ein paar Zentimeter Abstand schiebt sich die Maschinerie auf ihre endgültige Position mit Blick auf Schloss Neuschwanstein. Dort mahnt der Kranbauchef, weit genug von der Außenmauer des Kirchengrundstücks wegzubleiben, denn man wisse nicht, wie der Untergrund auf das Gewicht reagiere. Der Strom wird angeschlossen, und mit dem Radlader werden die Stützträger einzeln zum Standort gefahren. Der schwierigste Teil ist nun geschafft.

Obert und seine Männer sind zufrieden. Es scheint als ob Weg und Grundstück genau auf diesen Raupenkran ausgelegt worden sind. Erstaunlich auch Oberts Aussage, dass er das Gelände nicht ausgemessen hat, sondern bei seiner Begutachtung vor Abgabe des Angebots mit einem gesunden Augenmaß nur abgeschätzt haben will.

Ehefrau Sarah Obert bestätigt, dass der Auerberg schon eine Herausforderung sei. In Städten würden bei engen Baustellen gerne auch Autokräne zum Reinsetzen der Baukräne benutzt. Dies geht bei der Auerbergkirche aufgrund ihrer exponierten Lage, der Höhe und dem geringen Platz um das Gebäude freilich nicht.

Gutes Augenmaß: Zehn Zentimeter am Kirchengebäude vorbei

Das Ausklappen und Aufrichten des Krans beginnt, nachdem die Stützträger wieder mit Kanthölzern für eine bessere Standfestigkeit unterlegt wurden. Ein weiteres Turmelement mit zwei Metern wird in den Turm eingebaut, so dass der Kran am Ende mit dem Ausleger eine Höhe von 23,5 Metern erreicht. Seile werden umgehängt, und man hört den Hammer auf die Bolzen schlagen, die den Turm und die Stangen zusammenhalten sollen.

Die Länge des Auslegers beträgt 27 Meter mit einer Tragkraft von 1500 Kilogramm an der Spitze. Alles wird immer wieder kontrolliert, geölt und mit der Fettpresse abgeschmiert. Ebenfalls einzeln mit dem Radlader raufgefahren werden die zehn Betongewichte, die als Gegenbalast zusammen nochmal 16,5 Tonnen wiegen. Diese werden vom Kran dann selber aufgenommen und aufgelegt, das nennt man Balastierung.

Sobald sich alle benötigten Teile auf dem Kirchengelände befinden, wird der letzte Lastwagen vom Parkplatz gefahren. Denn nachmittags findet in der Wirtschaft eine Hochzeit statt, und daher bemüht sich die Firma, den Parkplatz bald wieder frei zu machen.

Um 15 Uhr wird kurz zu Mittag gegessen, danach geht es an die Restarbeiten. Die Sonne brennt immer noch auf die Arbeiter herunter, aber sie finden für einen derartigen Job gutes Wetter natürlich trotzdem besser als Regen oder Wind.

Als der Kran in seiner vollen Pracht dasteht, steuert Obert Richtung Kirchturmspitze. Mit dem Ausleger berührt er leicht den Blitzableiter. „Den kann man umbiegen, der stört dann nicht mehr“, so seine Einschätzung. Das Kreuz ist aber zu groß, wobei die Zimmerei dieses während der Arbeiten abbauen möchte. Eine andere Möglichkeit wäre noch ein weiteres Turmelement mit zwei Metern einzubauen. „Aber das muss die Zimmerei entscheiden. Jetzt wo der Kran steht, ist das kein Problem mehr“, so der Chef, der dann einfach nochmal mit Helfern vorbeikommen würde und das erledigt.

Obert testet auch die Höhe zu der Stelle, an der der Kran bis November Gerüstteile und jegliches Material für die Sanierung aufnehmen wird. Diese befindet sich unterhalb zwischen Gasthof und Kirchenhügel. Die Spitze des Auslegers wird abschließend leicht nach oben gestellt und der Kran außer Betrieb genommen. In dieser „Windfreistellung“ bleibt die Schwenkbremse geöffnet, so dass sich der Kran frei im Wind drehen kann. Das bedeutet, dass er sich selber so ausrichtet, dass der Luftwiderstand am geringsten ist.

Nach Ausfüllen aller Unterlagen und Durchführung aller Sicherheitstests stellen sich die fünf Männer noch freudestrahlend gemeinsam vor ihre Arbeit. „Keine Verletzungen, und am Material ist auch nichts kaputt gegangen – das ist das Wichtigste“, fasst Obert den Tag kurz und knapp zusammen. Nach fünfeinhalb Stunden sind sie fertig und gönnen sich im Panoramagasthof noch ein Eis. Bei der schweißtreibenden Arbeit auf 1055 Meter Höhe eine mehr als verdiente Belohnung!

Kathrin Zillenbiehler

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