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Furcht vor Wasser: Anwohner eines Neubaugebiets in Bernbeuren fühlen sich „zu wenig ernst genommen“

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Sie trauen dem Braten nicht: Die Anwohner der Pfeifferstraße in Bernbeuren
Sie trauen dem Braten nicht: Die Anwohner der Pfeifferstraße in Bernbeuren fürchten das Wasser von dem Nachbargrundstück, das zu großen Teilen versiegelt wird. © Jörg von Rohland

Die Anwohner des Neubaugebiets an der Pfeifferstraße in Bernbeuren fürchten sich vor Überschwemmungen. Weil sie sich nicht ernst genommen fühlen, sind sie nun an die Öffentlichkeit gegangen.

Bernbeuren – Wenn die Anwohner der Pfeifferstraße in Bernbeuren nach einem kräftigen Gewitterguss aus dem Fenster schauen, können sie sich kaum vorstellen, dass auf der gut zwei Hektar großen Wiese nebenan ein Neubaugebiet entstehen soll. Der Grönenbach tritt dann schon mal gerne über die Ufer, und weite Flächen des überplanten Gebiets stehen unter Wasser.

Am größten ist die Angst bei Familie Rauch. Ihr Haus steht am tiefsten Punkt der Pfeifferstraße. Der Keller ist nass, bei Starkregen bekommen die Rauchs das Wasser von drei Seiten ab. Weil das Neubaugebiet auf höherem Geländeniveau entstehen soll als das ihre, befürchtet die Familie, dass das Wasser in Zukunft auch noch von dort auf ihr Grundstück strömt.

Neubaugebiet in Bernbeuren: Anwohner fürchten Überschwemmungen - und wenden sich an Landrätin

In ihrer Not haben die Rauchs schon im April der Landrätin geschrieben: „Wir fühlen uns von der Gemeinde mit unseren Bedenken zu wenig ernst genommen“, heißt es in dem Brief an Andrea Jochner-Weiß. Dabei habe man schon jetzt nach leichteren Regenfällen das Problem, dass der Garten mit Wasserpfützen übersät und nicht betretbar sei.

Das Gelände am Grönenbach in Bernbeuren
Derzeit noch Überschwemmungsgebiet: Das Gelände am Grönenbach soll bebaut werden. Eine Unterkellerung wird den Bauherren aber untersagt. © Privat

Einer der Gründe: Durch früheren Kanalbau sei die Straße um einen halben Meter erhöht worden; „mit Neigung zu unserer Seite, wodurch sehr viel Wasser aus den umliegenden Grundstücken zu uns fließt“, beklagt die Familie. Die Hanglage der gegenüberliegenden Grundstücke verschärfe die Lage. Nach schweren Gewittern komme es regelmäßig „zu schweren Überschwemmungen“. Das Neubaugebiet wird nach Meinung der Anlieger die Lage „nochmal deutlich verschlechtern“.

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Bürgermeister Karl Schleich widerspricht: Er sehe das Ganze nicht so problematisch, sagt er und meint, „dass sich die Situation für die Anwohner sogar verbessern wird“. Das Wasserwirtschaftsamt, dem die Kochs ebenfalls ihre Sorgen geschildert haben, hat Gemeinde und Planer im Bebauungsplanverfahren einige Hausaufgaben an die Hand gegeben. Die werden laut Schleich jetzt abgearbeitet. Unter anderem sei auch ein „100-jähriges Hochwasser“ mit einbezogen.

Für Einheimische ist die Fläche gedacht, auf der 24 Bauplätze entstehen. Einige davon will die Gemeinde auch auf dem freien Markt veräußern.
Für Einheimische ist die Fläche gedacht, auf der 24 Bauplätze entstehen. Einige davon will die Gemeinde auch auf dem freien Markt veräußern. © Bayernatlas

Der Bürgermeister bedauert, dass es bei den Nachbarn zu Verstimmungen gekommen ist. „Wir sind sehr, sehr bedacht, dass für niemanden ein Nachteil entsteht“, versichert Schleich. Er sei um Transparenz bemüht und wolle die Anwohner mit einbinden. „Wir tun, was möglich ist.“ Sobald die neue „wasserdichte“ Planung stehe, werde er sie zusammen mit dem Tiefbauer den Anliegern vorstellen, verspricht der Rathauschef.

Wann die Planung umgesetzt werden kann, weiß Schleich dagegen noch nicht so genau, der Bebauungsplan muss nocheinmal ausgelegt werden. Er hoffe aber, dass im Herbst mit der Erschließung des Grundstücks begonnen werden könne, so Schleich.

Neubaugebiet an der Pfeifferstraße: Verdopplung der Bauplätze von 12 auf 24

Aufgestellt worden war der ursprüngliche Bebauungsplan bereits Ende 2019 noch unter der Regie von Schleichs Vorgänger Martin Hinterbrandner, der damals auf eine Erschließung schon im Sommer 2020 gehofft hatte. Zunächst waren zehn bis zwölf Parzellen für Einheimische geplant.

Bei Gesprächen mit dem Wasserwirtschaftsamt stellte sich dann aber heraus, „dass man das Baugebiet größer machen kann“, begründet Nachfolger Schleich die Verdopplung auf jetzt 24 Bauplätze. Die notwendige Flächennutzungsplan-Änderung zog sich dann aber hin. Hinzu kam „die Corona-Situation“, in der verschiedene Büros immer wieder nicht besetzt gewesen seien, erklärt der Rathauschef die jahrelange Verzögerung.

Wer an der Pfeifferstraße in Bernbeuren bauen darf, ist noch offen

Wer letztlich alles an der Pfeifferstraße bauen wird, ist noch offen. Es gibt zwar noch eine alte Liste mit einheimischen Bewerbern. Ob alle noch interessiert sind, weiß der Rathauschef aber nicht. Die Preise fürs Bauen seien schließlich „extrem gestiegen“. Einen Teil der Grundstücke will die Gemeinde ohnehin auf dem freien Markt veräußern. Wie viele es sein werden, „müssen wir aber im Gemeinderat noch beraten“, so Schleich.

Ob sich die Anlieger letztlich mit den Entwässerungs-Plänen der Gemeinde anfreunden, bleibt abzuwarten. Die von Schleich angekündigte Miteinbeziehung wäre aber immerhin schon mal ein Punkt ihrer Forderungen.

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