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Auf der Internetseite von „Immobilien S cout 24“ stehen die Traditionswirtschaft und der dazugehörige Stadel zum Verkauf.

Sorge um Nahversorgung in Bernbeuren

Ist es das Aus für die Supermarktpläne? Der  Schnitzerstadel steht zum Verkauf

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Das Gasthaus Schnitzer und der dazugehörige Stadel stehen zum Verkauf. 500 000 Euro will Eigentümer Ignaz Keck für das denkmalgeschützte Gebäude-Ensemble haben, in das zuletzt ein Nahversorgungsmarkt integriert werden sollte. Der Plan könnte jetzt endgültig scheitern. Das Rathaus ist alarmiert.

Bernbeuren – So richtig rausrücken wollte Eigentümer Ignaz Keck gestern auf Anfrage nicht mit den Details zu dem geplanten Verkauf. Keck ließ aber durchblicken, dass sich die Investorensuche für ihn erledigt hat. Sein einziger Kommentar: „Es tut sich was, und das ist gut.“

Wie mehrfach berichtet, hatten Eigentümer Keck und die Gemeinde jahrelang dafür gekämpft, dass auf dem Areal des Schnitzerstadels ein Supermarkt entstehen kann. Der Stadel sollte verschwinden, an seiner Stelle ein Verbrauchermarkt entstehen. Das leer stehende Gasthaus sollte aber erhalten bleiben und wiederbelebt werden.

Im Internet als „Sanierungs- und Denkmalschutzobjekt“ angepriesen

Als Investor stand bis zuletzt der Bernbeurener Richard Lerchenmüller in den Startlöchern. Auch er wollte sich gestern auf Anfrage (noch) nicht zu dem nun öffentlich gewordenen Verkauf äußern. Auf der Internetseite von „Immobilien Scout 24“ werden Stadel und Gasthaus als „Sanierungs- und Denkmalschutzobjekt“ angepriesen. 500 000 Euro plus Provision soll das als „Wohn- und Geschäftshaus“ gekennzeichnete Objekt kosten. Der Zustand der 1760 errichteten Gebäude wird als „renovierungsbedürftig“ angegeben, die letzte Modernisierung/Sanierung erfolgte demnach 1950.

Investition mit Haken

Man darf gespannt sein, wie viele Investoren sich für das Angebot interessieren, einen Haken hat es jedenfalls. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege legt großen Wert auf den Erhalt des Stadels, der ursprünglich abgerissen werden sollte. Seit mehreren Jahren wird er bereits als Denkmal geführt. Alle Proteste dagegen und Petitionen aus Bernbeuren im Bayerischen Landtag waren bislang vergeblich.

Zuletzt sollte ein weiteres Mal geprüft werden, ob nicht doch ein Supermarkt in das alte Gemäuer integriert und wirtschaftlich betrieben werden kann. Dem Vernehmen nach ist es möglich, aber viel zu teuer. Das Landesamt für Denkmalpflege hält sich seit Monaten mit Auskünften zum Schnitzer-Areal vornehm zurück. Auch gestern gab es auf Nachfrage nichts Neues zu berichten.

Gemeinde steckt in der Klemme

In der Klemme steckt jetzt allerdings die Gemeinde Bernbeuren. Wie berichtet, hatte sie sich für die Nahversorgung auf den Standort Schnitzer festgelegt. Rathaus, Eigentümer und Investor zogen in dem jahrelangen Streit mit den Denkmalschützern immer an einem Strang. Geht das Objekt jetzt in ortsfremde Hände über, könnte die Vision von Supermarkt und wiederbelebter Gastwirtschaft im Dorf endgültig den Bach runtergehen.

Bürgermeister: Wir sind jederzeit in der Lage zu reagieren

Nach Angaben von Bürgermeister Martin Hinterbrandner hat die Gemeinde bei der zukünftigen Planung zwar ein gehöriges Wort mitzureden. Unbedingt verlassen will er sich darauf aber nicht: „Wir sind jederzeit in der Lage zu reagieren“, sagt er zu der Möglichkeit, dass der Gemeinderat beschließen könnte, das Ensemble selbst zu kaufen, um an den Plänen festhalten zu können. Man bleibe in engem Kontakt mit dem Eigentümer, versichert Hinterbrandner. „Wenn die Gemeinde Interesse hat, werden wir direkt auf ihn zugehen.“ Der Schnitzer sei Teil der Ortsmitte. Speziell zum Gasthaus gebe es „viele emotionale Bindungen“.

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Katerstimmung herrscht in diesen Tagen im Bernbeurer Rathaus, weil beim Thema Schnitzerstadel nach wie vor nichts weitergeht. Die Bürger, die sich einen Verbrauchermarkt wünschen, werden ungeduldig.

Laut einer Machbarkeitsstudie ist es möglich, einen Supermarkt in den Bernbeurer Schnitzerstadel zu integrieren. Wie viel das kostet, wird noch nicht verraten. Auch deshalb ist der geforderte Abriss noch nicht vom Tisch.

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Der Gemeinderat in Bernbeuren tritt bei der Ausweisung des ersehnten Gewerbe-, Wohn- und Mischgebiets am Schornfeld auf die Bremse. Rathauschef Martin Hinterbrandner ist maßlos enttäuscht und wirft dem Gremium Zögerlichkeit vor.

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