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„S’Lädele“ ist auch zwei Jahre später noch die einzige Einkaufsmöglichkeit für Lebensmittel im Ort.

Das Warten leid

Einkaufen in Bernbeuren - Schnitzerstadel zehrt an den Nerven

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Katerstimmung herrscht in diesen Tagen im Bernbeurer Rathaus, weil beim Thema Schnitzerstadel nach wie vor nichts weitergeht. Die Bürger, die sich einen Verbrauchermarkt wünschen, werden ungeduldig, Gerüchte über eine weitere Geschäftsaufgabe schießen ins Kraut.

Bernbeuren– Martin Hinterbrandner hat sich rar gemacht in jüngster Zeit, der Frust sitzt offenbar tief. Vor allem ein Thema geht dem Bernbeurer Bürgermeister an die Nieren: Auf den Schnitzerstadel wird er zurzeit nur höchst ungern angesprochen. Er sei es leid, immer wieder Wasserstandsmeldungen abzugeben, sagt der Rathauschef und verweist auf das Landratsamt und das Landesamt für Denkmalpflege, die sich mit ihren Entscheidungen viel Zeit lassen.

Wie berichtet, wartet Bernbeuren nach wie vor auf eine Antwort auf die Frage, ob im denkmalgeschützten Schnitzerstadel ein Supermarkt wirtschaftlich betrieben werden kann. Die Gemeinde hatte das in der Vergangenheit stets verneint und zusammen mit Grundstücksbesitzer und Investor für den Abriss des Stadels gekämpft. Das vor allem auch, weil die Bürger im Juli 2017 bei einem Entscheid mit überwältigender Mehrheit dafür gestimmt hatten, dass an Stelle des Stadels ein Lebensmittelmarkt entstehen soll. Feneberg steht für den Betrieb noch immer in den Startlöchern.

Hinterbrandner ließ nichts unversucht. „Wir kämpfen weiter“ und „Abbruch jetzt“, stand lange Zeit in großen Lettern auf der Startseite der Gemeindehomepage. Der Bürgermeister mobilisierte vor den Landtagswahlen die Kandidaten aus der Region, schrieb einen offenen Brief an die Landrätin und stellte letztlich die Petition an den Landtag. Im Juni wurde sie zum zweiten Mal vertagt.

Schnitzerstadel: In Bernbeuren ist man das Warten auf einen Supermarkt leid

Im Ort ist man das Warten langsam leid. Und die Kommentare im Internet tun dem Bürgermeister sichtlich weh. „Hauptsache, es wird stur an einem Ort festgehalten. Hätte man sich in der Zwischenzeit nicht längst um eine andere Stelle kümmern können?“, lautet ein Vorwurf an die Gemeinde.

Hinterbrandner öffnet am Computer ein Luftbild und zeigt auf die freien Flächen im Ort. Er deutet auf eine rund 5000 Quadratmeter große Wiese zwischen Schongauer und Kaufbeurer Straße zum Beispiel, die auf den ersten Blick ideal für einen Verbrauchermarkt mit genügend Parkplätzen erscheint. Das Problem: Die Wiese gehört einem Landwirt, der sie nicht verkaufen möchte. Obendrein ist das Grundstück von Häusern umgeben, eine Zufahrt zum Supermarkt wäre kaum möglich.

Reger Betrieb im „s‘Lädle“ in Bernbeuren

Während sich der Bürgermeister im Rathaus rechtfertigt, rollt 100 Meter weiter der Rubel. Die vier Damen vom Dorfladen arbeiten in Schichten, um den Bernbeurern zumindest ein Minimum an Nahversorgung zu bieten. Den Laden an der Mühlenstraße übernahm die Gemeinde vor zwei Jahren, nachdem der damalige Bäcker Karl Heiligensetzer das Handtuch geschmissen hatte. Das kurioserweise auch, weil er seine Existenz von dem Supermarkt bedroht sah, dessen Bau heute noch immer fraglich ist. „Ich arbeite, dass es raucht und hinten sägt jemand an meinem Stuhl“, schimpfte Heiligensetzer damals auf die Gemeinde, bevor er Lebensmittelladen und Bäckerei für immer zusperrte. Ein halbes Jahr später starb der 57-Jährige an einem Herzleiden.

Mit einem Gläschen Sekt stießen Bürgermeister Martin Hinterbrandner (2.v.re.) und Vize Markus Socher (rechts) vor knapp zwei Jahren mit Jakob Bißle, dem ersten Kunden im neuen Dorfladen, an. Das Verkaufsteam (im Hintergrund) mit Barbara Egner, Anita Schorer, Monika Schindler und Margit Grotz freute sich, dass es weitergeht.

Im „s’ Lädele“ herrscht an diesem Vormittag reger Betrieb. Eine ältere Dame kauft Kuchen, ein junger Mann zwei Kaffee. Eine junge Mutter kommt mit ihrem Kind auf dem Arm hinein und besorgt Zutaten fürs Mittagessen. Die Mitarbeiterinnen sind glücklich, dass es damals weiterging. Drei von ihnen waren schon mehr als 20 Jahre bei Karl Heiligensetzer beschäftigt. „Wir verdienen jetzt mehr, bekommen dafür aber weniger raus“, sagt die Frau, die heute Dienst hat und lacht.

Das Angebot reicht für den täglichen Bedarf, so üppig wie im Supermarkt ist es freilich nicht.

„Wir sind froh, dass wir den Dorfladen haben“, sagt auch Martin Hinterbrandner. Begeistert sei er aber nicht. „Er gehört nicht zur Kernaufgabe einer Gemeinde“, so der Bürgermeister mit Blick auf die Verwaltung, die an der Gemeinde hängen bleibt.

Bernbeuren: Gerüchte über Geschäftsaufgabe machten die Runde

Immerhin ein Stein dürfte dem Bürgermeister vom Herz fallen. Die Flüsterpost in Bernbeuren verbreitete zuletzt die Hiobsbotschaft, dass der Metzger an der Mühlenstraße schließen soll. Für den Ort wäre das ein schwerer Schlag, gibt Hinterbrandner zu. Zum Glück ist an dem Gerücht nichts dran. „Das ist absoluter Schmarrn. Ein gut laufendes Geschäft macht man doch nicht zu“, sagt der Lechbrucker Metzgerei-Geschäftsführer Manfred Ungelert mit Blick auf seine Filiale am Auerberg.

Lesen Sie auch: Es ist noch gar nicht lange her, da entfachte ein Lagerfeuer an der Schnalz bei Böbing einen Waldbrand. Trotzdem werden dort schon wieder illegale Feuerstellen angelegt.

Außerdem interessant: Am Mittwoch um 16.40 Uhr kommt die Nachricht: Ralf Schnabel ist am Nordkap angekommen. Mit dem E-Bike war der Schongauer 28 Tage lang unterwegs - fürs Gemeinwohl. 

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