Brigitte Schmid mit einem Rehkitz, das sie kürzlich bei Echerschwang vor dem Mähtod bewahrte.
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Brigitte Schmid mit einem Rehkitz, das sie kürzlich bei Echerschwang vor dem Mähtod bewahrte.

Ehrenamtliche im Schongauer Land

Schon frühmorgens unterwegs: Echerschwangerin rettet Rehkitze

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
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Schon früh morgens ist Brigitte Schmid aus Echerschwang auf den Beinen. Täglich geht sie Felder in Bernbeuren ab, um Rehkitze, die sich im hohen Gras verstecken, zu retten. 

Echerschwang – Das Bild von dem entstellten Tier im Feld wird Brigitte Schmid wohl nie wieder aus dem Kopf bekommen: Acht Jahre ist es jetzt her, als die Echerschwangerin (Gemeinde Bernbeuren) bei einem Spaziergang das verstümmelte Rehkitz im Gras entdeckte. Ein Mähwerk hatte es kurz zuvor überrollt. Es lebte noch, bis ein Jäger das Kitz endlich von seinem Leid erlöste.

Brigitte Schmid war geschockt von dem Erlebnis, zugleich aber auch motiviert. Nie wieder sollte so etwas Furchtbares in ihrer Nachbarschaft geschehen. Sie ging auf die Landwirte im Ort zu und bot ihre Hilfe bei der Kitzrettung an. „Die Resonanz war gut“, erinnert sich Schmid, die damit begann, vor jeder Mahd die an den Waldrändern gelegenen Felder abzugehen. Etlicher Kitze verdanken der Frau mittlerweile ihr Leben.

Nicht einfach, Rehkitze im hohen Gras zu finden

Die Jungtiere liegen in den ersten Lebenswochen allein in den Feldern am Waldrand. Die Rehgeiß kommt alle paar Stunden, um sie zu säugen. Das hat einen guten Grund: Das hohe Gras bietet den Kitzen optimalen Schutz vor den Raubtieren des Waldes. „Sie machen sich flach und rollen sich zusammen“, weiß die Echerschwangerin. Dazu kommt, dass die Kitze völlig geruchslos sind, ein Fuchs kann sie also auch nicht erschnüffeln.

Zusammengerollt verstecken sich die Rehkitze im hohen Gras vor ihren natürlichen Feinden.

Die versteckten Tiere zu finden, ist auch für Schmid nicht einfach. „Es passiert schon mal, dass ich nur 30 Zentimeter an einem vorbeilaufe“, berichtet sie. So bleibt der Kitzretterin nichts anderes übrig, als Quadratmeter für Quadratmeter abzusuchen. Und das dauert. Meist sei sie von frühmorgens um 5.30 bis mittags um 12.30 auf dem Feld, bevor der Bauer mit der Mahd beginne. Oft hat sie da schon drei bis vier Tiere in Sicherheit gebracht. Jedes Kitz kommt in eine Kiste am Rand des Feldes. Ist der Landwirt mit dem Mähen fertig, wird es wieder freigelassen. „Die Mutter holt es dann wieder ab“, weiß Schmid. Das klappe sehr zuverlässig. Die Geiß beobachte aus dem Wald heraus alles sehr genau, ist sich die Echerschwangerin sicher.

Um Rehkitze zu retten: Brigitte Schmid ist täglich in Bernbeuren unterwegs

Von Anfang Mai bis Mitte Juli schenkt Schmid den Rehen einen großen Teil ihrer Freizeit. Sie arbeitet als Teilzeitkraft im Vertrieb einer amerikanischen Firma in Schongau und kann sich die Zeit frei einteilen.

Und das ist auch gut so: Wenn das Wetter günstig ist und alle Landwirte am liebsten sofort mit dem Mähen loslegen würden, ist sie täglich auf den Feldern unterwegs, um Rehkitze zu retten.

Rehkitz-Rettung in Bernbeuren effektiver gestalten: Mit Drohne

Unterstützt wird Schmid dabei von einem Jäger und dem Bio-Landwirt Tobias Angerhofer. Erst in diesem Jahr hat das Trio viel Geld in die Hand genommen, um die Kitzrettung noch effektiver zu machen. 4500 Euro hat die Drohne samt Zubehör gekostet, mit der Schmid und Angerhofer die Kitze jetzt auch aus der Luft aufspüren. Das wertvolle an dem Gerät ist vor allem die Wärmebildkamera, die die Temperatur am Boden misst. Geflogen werden kann daher immer nur frühmorgens, wenn die Wiese kalt und die Körpertemperatur der Kitze höher ist. „Wenn der Boden wärmer ist als 15 Grad, dann ist es vorbei“, weiß Schmid. Es muss also schnell gehen, bevor die Sonne höher am Himmel steht. 

Die Drohne stößt dennoch an ihre Grenzen. Sie kann nur 15 Meter hoch aufsteigen, um von dort am Boden einen 10 bis 13 Meter breiten Streifen zu erfassen. Alle Flächen können Schmid und Angerhofer in der kurzen Zeit mit dem Fluggerät freilich nicht absuchen. Die kilometerlangen Suchmärsche bleiben also.

Mit der Fernbedienung starten Brigitte Schmid und Bio-Landwirt Tobias Angerhofer am frühen Morgen ihre Drohne.

Rehkitz-Retterin gibt wichtigen Hinweis

Trotzdem ist Schmid sehr glücklich mit dem, was sie tut. Auch ihr Lebensgefährte stehe voll dahinter, freut sich die Echerschwangerin. Für die Zukunft wünschen sich die Wildretter im Ort eine noch leistungsfähigere Wärmebildkamera für die Drohne. Spenden wären willkommen, denn das Gerät ist sehr teuer. Eines ist Schmid aber fast noch wichtiger: Der Hinweis an alle, die in der Natur unterwegs sind und ein Rehkitz im Gras finden: „Bloß nicht anfassen, die Mama ist nicht weit!“

jvr

Rehe retten - das will auch Erik Meier aus Ingenried. Und hat im Rahmen von „Jugend forscht“ einen Rehkitz-Retter für den Mähdrescher erfunden. Doch nicht nur Maschinen können zum Problem für die Tiere werden. Immer wieder werden Rehe im Landkreis Weilheim-Schongau von Hunden gerissen. Ein Jagdpächter und der Schongauer Stadtförster nennen dazu erschreckende Zahlen. Und hier gibt es weitere Nachrichten aus Schongau und Umgebung

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