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Der letzte Tag in der Bäckerei, die Treffpunkt in Bernbeuren war: Die Verkäuferin Monika Schindler im (Abschieds-) Gespräch mit der Kundschaft.

Ausverkauf bei Bernbeurens Bäcker 

Ära endet mit einem Sack Kartoffeln

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Die Bernbeurer haben sich am Freitag von ihrem Bäcker verabschiedet und seine Regale leegeräumt. Satte 60 Prozent Rabatt auf alles hatte ihnen Karl Heiligensetzer am letzten Tag gewährt. Am Abend schloss er für immer.

Bernbeuren – Eigentlich wolle er nichts mehr sagen, seufzte Karl Heiligensetzer am letzten Verkaufstag. Man konnte ihn noch einmal in seinem Laden antreffen. Der 57-jährige wirkte traurig und müde. Dass er gesundheitlich angeschlagen ist, kann er nicht verbergen. Es wurde höchste Zeit, die Arbeit hinter sich zu lassen.

Wie es sich für einen Bäcker gehört, war auch der Bernbeurer bis zuletzt um 2 Uhr morgens aufgestanden, um Brezen, Brot und Semmeln zu backen. Wie viele es zuletzt waren, weiß der 57-Jährige gar nicht mehr so genau. „Das war immer unterschiedlich.“ Dazu kam die Arbeit im Geschäft, das viel mehr als Backwaren zu bieten hatte. Natürlich waren damit etliche behördliche Auflagen verbunden. Allein die Kühlung ist eine Wissenschaft für sich. Sie muss ständig überwacht und erfasst werden: Heiligensetzer benutzte dazu Thermometer, die die Temperatur regelmäßig speichern. Die Geräte können an den Computer angeschlossen werden, der dann den notwendigen Nachweis erstellt.

Der Aufwand, den Heiligensetzer und seine Mitarbeiter betrieben, hatte es in sich. Hinzu kam beim Chef zuletzt die nervliche Belastung, der er sich ausgesetzt sah. Bekanntlich präferieren Bürgermeister und Gemeinderat einen Supermarkt im Ort, von dem sich der Bäcker bedroht fühlt: „Ich arbeite, dass es raucht und hinten sägt jemand an meinem Stuhl“, schimpfte der 57-Jährige am Freitag noch einmal. Zuletzt hatte er bereits in Richtung Gemeinderat geflucht: „Wenn man mir mit voller Wucht ins Kreuz tritt, dann sage ich jetzt, rutscht mir den Buckel runter!“ Der geplante Markt sei das „i-Tüpfelchen“, sagte er gestern.

Wer sich sich in seinem Laden umsah, dem war schnell klar, warum Heiligensetzer die Konkurrenz fürchtete: Sein Laden war selbst ein Lebensmittelgeschäft und bot Waren für den täglichen Bedarf. In einer der Gefriertruhen stapelten sich Tiefkühlpizzen, es gab Pommes, Eisvariationen, Konserven, Nudeln, frische Kartoffeln, und auch die Damenstrümpfe lagen sorgfältig gestapelt im Regal.

Die Kunden vermissen den Laden schon jetzt. Und das nicht nur, weil sie sich die Fahrt zum nächst gelegenen Verbrauchermarkt getrost sparen konnten: „Ich bin hier drin aufgewachsen und habe schon als Kind meine Süßigkeiten gekauft“, sagte am Freitag eine Kundin in dem Geschäft. Dass die Bäckerei eines Tages schließen werde, hatte man im Ort schon länger geahnt, berichtete sie. „Doch dass es so schnell geht, war für uns alle eine Überraschung“, bedauert die Bernbeurerin. Im Ort sei der Bäcker der einzige Treffpunkt gewesen. Viele seien froh gewesen, hier jemanden zu finden, mit dem sie reden können, sagt die Frau vor allem auch mit Blick auf die ältere Generation.

Während ein Bub den letzten Sack Kartoffeln zur Kasse trägt und noch schnell eine Packung Kaubonbons dazu packt, deutet der Chef auf eine im Boden des Geschäfts eingelassene Gravur. Sie zeigt das Jahr 1909 und erinnert an die Eröffnung der Bäckerei am Marktplatz durch Heiligensetzers Urgroßvater. Die Ära der Bäckerfamilie ist seit Freitag Geschichte.

Brotmobil

Nach dem Ende der Bäckerei Heiligensetzer ist die Versorgung mit frischem Brot und Semmeln gesichert – dank Angela Schweiger von der Tourist Info. Nach der überraschenden Schließungs-Ankündigung hatte sie sich gesagt, „dass kann nicht sein“, und sich um Ersatz bemüht – mit Erfolg: Ab Montag steht in Bernbeuren ein Brotmobil der Altenstadter Bäckerei Herz. „Ich habe bei denen angerufen, und die haben zugesagt“, so Schweiger erleichtert. Montag, Dienstag, Donnerstag und Samstag steht der Bäckerei-Wagen jeweils von 7 bis 12.30 Uhr am Schnitzerparkplatz. „Es gibt Semmeln, Brot, Kuchen und Torten“, zählt Schweiger auf und hofft, dass sich das Angebot herumspricht und angenommen wird. Notfalls hätte die Gemeinde selbst für Ersatz gesorgt, sagt Schweiger – schon bisher hatte sie Semmeln in der Tourist Info verkauft, wenn die Bäckerei Betriebsurlaub hatte. „Aber dauerhaft kann ich das nicht machen“, sagt Schweiger schmunzelnd. bo

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