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Kathrin Zillenbiehler entschloss sich überraschend, ihr Gemeinderatsmandat niederzulegen. Links im Bild Vize-Bürgermeister Markus Socher, rechts Bürgermeister Martin Hinterbrandner.

Kathrin Zillenbiehler legt Mandat nieder

„Schöne Worte sind nicht immer wahr“

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Abgang mit Paukenschlag: Völlig überraschend hat Kathrin Zillenbiehler, dritte Bürgermeisterin und Gemeinderätin in Bernbeuren, am Dienstag ihr Mandat niedergelegt. Unter anderem wirft sie dem amtierenden Bürgermeister Martin Hinterbrandner vor, die Arbeit des alten Gemeinderates schlecht zu reden. Ihr Nachfolger im Gremium, Josef Köpf, wurde noch in der gleichen Sitzung vereidigt.

Bernbeuren Der offizielle Antrag Kathrin Zillenbiehlers, ihr Gemeinderatsmandat niederzulegen, war kurz und knapp formuliert – ohne Erläuterungen. Dies ist formal auch nicht notwendig. Zunächst habe sie auch vorgehabt, ihre Entscheidung nicht zu begründen. Da jedoch bereits verschiedene Gerüchte im Ort kursieren würden, habe sie sich nun doch dazu entschlossen. Die 33-Jährige kritisierte, dass Bürgermeister Martin Hinterbrandner nach seiner Wahl „anfangs nicht müde wurde, den alten Gemeinderat und mittlerweile Altbürgermeister Heimo Schmid öffentlich schlecht zu reden“. Mittlerweile hätten aber bestimmt auch die neuen Räte im Gemeinderat erkannt, dass man einiges nicht vorhersehen könne, so Zillenbiehler weiter. Seit dieser Legislaturperiode sitzen acht neue Gemeinderäte im Gremium. Sie selbst hat bereits die zweite Wahlperiode einen Platz am Ratstisch.

Was der dritten Bürgermeisterin ebenfalls zu schaffen gemacht hat: „Das Klima und der Ton im jetzigen Gremium werden nach meinem Empfinden immer rauer und aggressiver.“ Außerdem habe ihr zusätzliches ehrenamtliches Engagement manchen Personen Probleme bereitet: „Ich habe den Eindruck gewonnen, dass seit drei Jahren systematisch versucht wird, mein Engagement in der Jugendarbeit und der Bücherei abzuwerten.“ Auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten weist die Gemeinderätin auf die Geheimhaltungspflicht hin, weshalb sie nicht konkreter werden könne, aber nennt Bürgermeister Martin Hinterbrandner direkt als Grund für ihren Rücktritt: „Schöne Worte sind nicht immer wahr. Ich bin einfach nicht mit ihm klargekommen.“

Die Entscheidung, das Amt niederzulegen, habe sie sich nicht leicht gemacht, auch entschuldigte sie sich bei den vielen Wählern, die ihr das Vertrauen geschenkt hatten. Aber, so Kathrin Zillenbiehler: „Es ist eine Grenze erreicht. Kein Ehrenamt ist es wert, sich aufzuarbeiten.“

„Das war klar ausgesprochen“, ergriff Bürgermeister Hinterbrandner nach der Erklärung Zillenbiehlers wieder das Wort, er wolle jedoch „nicht näher auf die Meinung eingehen, ich sehe die Dinge natürlich anders“. Die Räte stimmten unmittelbar im Anschluss der Amtsniederlegung zu.

Im Gespräch mit den Schongauer Nachrichten berichtet Hinterbrandner, dass die Gemeinderätin die Möglichkeit eines persönlichen Gesprächs im Vorfeld abgelehnt habe. Grundsätzlich bedauerte er, dass es einem Mandatsträger mittlerweile möglich ist, auch aus persönlichen (nicht beruflichen oder krankheitsbedingten) Gründen sein Amt niederzulegen. Hinterbrandner: „Es braucht auch kritische Stimmen.“ Die Entscheidung Kathrin Zillenbiehlers „belastet mich jetzt aber nicht sonderlich“. Hinterbrandner weiter: „Es war ein Frontalangriff auf mich, das ist ihre subjektive Wahrnehmung.“ Grundsätzlich sei ein Gemeinderatsmandat aber „kein Zuckerschlecken“, und als dritter Bürgermeister habe man auch eine gewisse Holschuld. Die Stellvertreter seien Bindeglied zwischen Gemeinderat und Bürgermeister, Vize-Bürgermeister Markus Socher frage beispielsweise regelmäßig nach. Hinterbrandner: „Es ist kein Kindergarten und kein Trachtenverein, es ist ein Gemeinderat, da haben wir eine größere Verantwortung.“

„Es kam überraschend, aber es ist keine Affekthandlung“, weiß Vize-Bürgermeister Socher. Die Entscheidung Kathrin Zillenbiehlers habe sich „über lange Zeit aufgebaut, und die Summe ist zu viel geworden“. Durch den Wechsel der Bürgermeister sei ein anderer Weg eingeschlagen worden. Seitenhiebe auf den alten Gemeinderat seien sicherlich „fachlich nicht ganz in Ordnung“, betont Socher. „Es ist die Frage, wie man mit unterschiedlichen Argumenten umgeht.“ Es sei aber ein gewisser Lerneffekt erkennbar und die Diskussion sachlich. Socher: „Eine Einigkeit im Gemeinderat ist so weit vorhanden.“

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