Luftaufnahme von Bernbeuren. Zu sehen ist die Dorfmitte mit der Kirche.
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Das idyllische Dorf am Auerberg sucht schon wieder einen neuen Finanzchef: In den vergangenen vier Jahren gelang es Bernbeuren nicht, Kontinuität auf dem verantwortungsvollen Posten des Kämmerers zu schaffen.

Stelle schon wieder vakant

Bernbeurens Fluch mit der Kämmerei

  • Jörg von Rohland
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Die Gemeinde Bernbeuren kämpft mit einem rekordverdächtigen Verschleiß an Kämmerern. Nach dem Weggang von Martina Freytag ist die Stelle in der Verwaltungsgemeinschaft (VG) schon wieder vakant. Die Nachfolge-Suche gestaltet sich schwierig, weil geeignete Kandidaten in der freien Wirtschaft besser bezahlt werden.

Bernbeuren – „Kämmerer, das muss man mögen“, sagt Bürgermeister Karl Schleich. Der neue Bernbeurer Rathauschef weiß nur zu gut, wovon er spricht. Auch ihm ist es bislang nicht gelungen, die Stelle des Finanzchefs in der VG dauerhaft zu besetzten. Martina Freytag, die seit Mai 2020 den Posten innehatte, ist schon wieder weg.

Seit 2016 drücken sich die Kämmerer die Klinke in die Hand

Es ist ein munteres Stühlerücken im Bernbeurer Rathaus. Die Kämmerer drücken sich seit 2016 die Klinke in die Hand. Davor hatte sich noch Florian Budschied um die Finanzen der Verwaltungsgemeinschaft gekümmert, zu der neben Bernbeuren auch Burggen zählt. Der Marktoberdorfer ist mit sechs Jahren Amtszeit (2010 bis 2016) Rekordhalter in der abgelaufenen Dekade auf dem Kämmerer-Posten.

Letzter langjähriger Finanzchef hatte sich nach Biessenhofen verabschiedet

Budschied verabschiedete sich im Oktober 2016 nach Biessenhofen. Für ihn ging es dort auf der Karriereleiter nach oben. Statt für zwei Gemeinden ordnet er im Ostallgäu für vier Kommunen und damit 10 000 Bürger die Finanzen. „Es ist eine Nummer größer, und es sind für mich nur fünf Minuten mit dem Auto nach Hause“, nennt der Marktoberdorfer die Vorzüge des neuen Jobs.

Junge Männer blieben nicht lange

In Bernbeuren begann man den erfahrenen Mann und mit ihm die Kontinuität in der VG-Kämmerei schnell zu vermissen. Nach Budschieds Abschied war mit Joachim Maitz im November 2016 nur einen Monat später ein junger Münchner als Nachfolger präsentiert worden. Der 25-Jährige blieb nicht lange, schon im Juli 2017 zog ein noch jüngerer Kämmerer ins Rathaus ein: der damals 22-jährige Maximilian Moll. Der Sohn des heutigen Lechbrucker Bürgermeisters Werner Moll fühlte sich in Bernbeuren wohl. „Der Job macht mir Spaß, es sind tolle Aufgaben“, sagte der 22-Jährige damals den SN. Dennoch kündigte er zum 1. April 2019 die Stelle. „Gewisse Gründe“ hätten dazu geführt, der Schritt sei aber „wohl überlegt“, erklärte Maximilian Moll. Details nannte er nicht.

Geschäftsstellenleiter übernahm Kämmerei mit, bevor auch er sich verabschiedete

Im Rathaus war danach guter Rat teuer. Die Nachfolgersuche lief nach Molls Abschied offenbar aber auch nur noch auf Sparflamme. Geschäftsstellenleiter Martin Neuber übernahm die Aufgaben des Kämmerers kurzerhand mit. Und seine Arbeit war danach nicht zu knapp. Nach außen wurde dies darin sichtbar, dass die Gemeinden Burggen und Bernbeuren ihre Haushaltspläne fürs laufende Jahr 2019 erst im November beschlossen. Damit waren sie fast ein Jahr später dran, als es die Bayerische Gemeindeordnung vorsieht.

Nach seiner Wahl zum Bürgermeister kam es für Rathauschef Karl Schleich 2020 dann knüppeldick: Mitten im Jahr verließen Finanzchef Martin Neuber und noch dazu die Bauamtsleiterin Elisabeth Keck die Verwaltung. Neuber folgte dem vom Kämmerer zum Bürgermeister aufgestiegenen Werner Moll ins Lechbrucker Rathaus. Auch Elisabeth Keck suchte eine neue berufliche Herausforderung.

Kämmereien haben Nachwuchssorgen, weil in der freien Wirtschaft mehr zu verdienen ist

Bürgermeister Schleich gelang es im Laufe des Jahres, die Personallücken zu füllen. Mit Thomas Natter hat sich ein neuer Geschäftsstellenleiter eingearbeitet. Bei der Besetzung der Kämmerer-Stelle fehlt aber auch Schleich bislang das nötige Quäntchen Glück: „Der Markt ist leer gefegt, jemand passenden zu finden, ist doppelt schwierig“, berichtet der Bürgermeister von der mühsamen Personalsuche. Bernbeurens Ex-Kämmerer Florian Budschied kann ihm das gut nachfühlen. „Wir haben gewisse Nachwuchssorgen“, gibt er zu und verweist auf das vergleichsweise geringe Einkommen im Öffentlichen Dienst: „So lange die Wirtschaft brummt, zahlt sie auch besser.“

Bis die Stelle neu besetzt ist, muss die Verwaltung wieder improvisieren

Der Bürgermeister muss deshalb bis auf Weiteres improvisieren. Kassenverwalterin Marie Burg hat fürs Erste die Aufgaben der entschwundenen Kämmerin übernommen. Bei den Haushaltsberatungen im Burggener Gemeinderat wurde sie jüngst gleich mal ins kalte Wasser geworfen (wir berichteten).

Karl Schleich setzt jetzt auf die erneut geschaltete Stellenanzeige: „Hoffen wir, dass im neuen Jahr was kommt“, sagte er jüngst. Den Bewerbern versprach der Rathauschef, dass ein „nettes und kompetentes Team“ auf sie wartet.

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Auf der einen Seite steht die geballte Wissenschaft, auf der anderen der Hobby-Archäologe Volker Diehl. Er behauptet, dass die Kelten schon lange vor den Römern den Auerberg bei Bernbeuren besiedelten. Die Forscher wissen nicht, ob sie darüber „lachen oder weinen sollen“.

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