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In Bernbeuren haben die Bürger sich klar für einen Feneberg-Einkaufsmarkt im Dorf entschieden (Archivbild).

1908 Wahlberechtigte entscheiden

Bürgerentscheid: 96,8 Prozent sagen „Ja“ zu  zu Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren

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  • Sabine Krolitzki
    Sabine Krolitzki
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In Bernbeuren haben die Bürger sich klar für einen Feneberg-Einkaufsmarkt im Dorf entschieden. Die Befürworter erreichten beim Bürgerentscheid 96,8 Prozent. 

  • 96,8 Prozent der Wähler in Bernbeuren haben beim Bürgerentscheid für einen Feneberg-Einkaufsmarkt beim ehemaligen Gasthaus Schnitzer gestimmt.
  • 1228 Stimmen wurden insgesamt abgegeben. 
  • 1187 Bürger waren für den Einkaufsmarkt, nur 34 Bernbeurener stimmten dagegen.
  • Somit haben 2/3 der Wahlberechtigten Bernbeurener am Bürgerentscheid teilgenommen.

Bernbeuren – Die Stimmung im Sitzungssaal des Bernbeurer Rathauses ist entspannt. Zwar werden um kurz nach 18 Uhr emsig die vielen Wahlzettel gezählt, Bürgermeister Markus Hinterbrandner zeigt sich aber siegessicher. „Die Wahlbeteiligung war super. Zwar waren heute einige Festivitäten im Schongauer Land, aber viele Vereine sind noch zum Wählen gegangen, bevor sie sich auf den Weg gemacht haben“, freut er sich

Das Ergebnis selbst um 18.44 Uhr hat dann selbst Altbürgermeister Heimo Schmid umgehauen. 1226 Bürger haben ihre Meinung kundgetan. Davon haben 1187 mit Ja gestimmt, 34 mit Nein, fünf Zettel waren ungültig. Laut Hinterbrandner sind 96,8 Prozent für den geplanten Feneberg-Markt auf dem ehemaligen Schnitzgelände, zwei Drittel aller Wahlberechtigten haben sich beteiligt. „Das spricht dafür, dass der Bürger es gut findet, wie die Gemeinde vorgeht“, freut sich auch der Altbürgermeister.

Trotz des eindeutigen Ausgangs, hat das Ergebnis erstmal nichts zu sagen. Letztlich muss das Landratsamt entscheiden. Denn für den Einkaufsmarkt müsste ein Stadl am ehemaligen Gasthof Schnitzer abgerissen werden, den das Landesamt für Denkmalschutz Anfang 2017 unter Denkmalschutz gestellt hatte.

Das Landratsamt hatte das Ratsbegehren empfohlen, damit die Bernbeurer zwischen Denkmalschutz und Ortsentwicklung abwägen können. „Nun hat das Amt zwei Meinungen und kann die gegeneinander abwägen“, so Hinterbrandner, Sollte sich das Landratsamt doch querstellen, überlege man, gegen die Entscheidung zu klagen – denn genau das unterstützen die Bürger, wie das Ratsbegehren zeigt. Damit haben ie Bernbeurer klargemacht, dass sie hinter den Plänen der Gemeinde stehen – notfalls auch vor Gericht.

Bürgerentscheid zum Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren: Der Text im Wortlaut

Der Bürgerentscheid zum Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren hatte diesen Wortlaut: „Sind Sie dafür, dass die Gemeinde Bernbeuren alle ihr rechtlich zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreift, um die bereits begonnene Bauleitplanung für den Bebauungsplan „Schnitzer“ weiterzuführen. um am Standort Füssener Straße 6, Fl.Nr. 28, Gemarkung Bernbeuren, die Ansiedlung eines Lebensmitteleinzelhandelsmarktes zu ermöglichen?“

Wer heute mit „Ja“ stimmte, befürwortete den Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren. Wer mit „Nein“ stimmte, lehnte den Verbrauchermarkt im Ort ab.

Die im Bürgerentscheid gestellte Frage wurde entsprechend der Mehrheit der abgegebenen Stimmen entschieden. Diese Mehrheit hat auch das notwendige Abstimmungsquorum von mindestens 382 Wählern erfüllt.

Bürgerentscheid zum Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren: So soll der Markt aussehen

Zum neuen Feneberg-Markt in Bernbeuren soll in eine Fläche von rund 3.300 Quadratmetern gehören. Der Geltungsbereich des neuen Bebauungsplans „Schnitzer“ umfasst insgesamt rund 8.000 Quadratmeter. Zwar existiert bereits ein Bebauungsplan Ortskern II, aber für die Überplanung wird ein qualifizierter Bebauungsplan benötigt. Die Voraussetzungen hierfür hatte der Gemeinderat schon mit dem Aufstellungsbeschluss, den Ortskern insgesamt zu überplanen, geschaffen.

In einem größtmöglichen „Respektabstand“ zum denkmalgeschützten Gasthof soll ein „gefälliges“ eingeschossiges Gebäude in moderner Form für den Einkaufsmarkt mit rund 950 Quadratmetern Bruttogeschoßfläche errichtet werden. Die reine Verkaufsfläche soll 600 bis 700 Quadratmeter umfassen, die restliche Fläche wird für Lagerräume und Sozialflächen benötigt. Die Wandhöhe soll in etwa fünf Meter betragen, die Dachneigung 20 Grad.

Damit auch die Parkplätze weiter vom Denkmal abrücken, wird die Grundstücksgrenze hin zur bestehenden Wohnbebauung im Westen verschoben. 48 Stellplätze könnten eingeplant werden. Die Parkplätze könnten sowohl von Besuchern des Feneberg-Marktes genutzt werden als auch bei einer möglichen Wiedereröffnung des Gasthofes von Gästen. Der Schnitzer ist seit dem Tod der Wirtin Maria Schnitzer geschlossen.

Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren: Bäcker schloss aus Protest

Die Bernbeurer mussten sich am Freitag, 12. Mai, von ihrem Bäcker Karl Heiligensetzer verabschieden. 60 Prozent Rabatt auf alles hatte ihnen der Bäckermeister am letzten Tag gewährt. Am Abend schloss er sein Geschäft für immer - aus Protest gegen den Feneberg-Einkaufsmarkt. Ein Aushang am Eingang der Bäckerei informierte die Bürger über die Schließung: „Verehrte Kunden! Nachdem unser Bürgermeister und unsere Gemeinderäte anscheinend nichts anderes mehr im Kopf haben, als den letzten Ladengeschäften die Existenzgrundlage zu entziehen, sehe ich mich leider gezwungen, mein Geschäft zu schließen. Vielen Dank dafür!!!!“

Karl Heiligensetzer ist in Bernbeuren aufgewachsen und war seit 42 Jahren Bäcker und übernahm 1987 den elterlichen Betrieb. Gegründet wurde die Bäckerei im Jahre 1889 von seinem Urgroßvater, damals noch in einem Haus an der Burgstraße. 1909 siedelte die Bäckerei dann an den Marktplatz über. Sechs Aushilfskräfte arbeiteten zuletzt für Heiligensetzer,

Ansieldung von Supermärkten sorgt für Diskussionen in Bernbeuren und Rottenbuch

Die geplante Ansiedlung von Einkaufsmärkten sorgt in Gemeinden wie Bernbeuren und Rottenbuch seit Wochen für Diskussionen. Kleinere Ladenbesitzer fürchten um ihre Existenz und gehen auf die Barrikaden. In Bernbeuren stimmen die Bürger heute über den Supermarkt ab.

Rottenbuchs Bürgermeister Markus Bader gab am 3. April in der Bürgerversammlung die Entscheidung für die Ansiedlung eines Edeka- Markts auf den kurz zuvor von der Kommune erworbenen Gärtnereigelände bekannt. Fünf Räte stimmten aus Sorge um die bestehenden Geschäfte und wegen des Zeitplans gegen den Supermarkt: Zweite Bürgermeisterin Gabriele Eirenschmalz (Freie Wählergemeinschaft Rottenbuch- Schönberg), Alfred Speer (CSU), Christian Erhard (CSU), Nikolaus Auhorn (Freie Wählergemeinschaft) und Christoph Donderer (CSU).

Auch unter den Bürgern gab es bald Kritik am Plan der Gemeinde, auf dem rund 13.000 Quadratmeter großen Areal an der B23 nicht nur Bauhof und Feuerwehr anzusiedeln, sondern vor allem einen Handelsvollsortimenter.

In Rottenbuch sorgen sich drei Geschäftsleute um ihre Zukunft und das Leben im Ortskern: Albrecht Bögle (Nah & Gut-Markt), Georg Schwaiger (Getränkeservice) und Reinhard Beck (Andenken und Post/Toto-Lotto) starteten deshalb eine Unterschriftenaktion. Sie sammelten 508 Unterschriften gegen das Vorhaben. Am Donnerstag wurden die Listen im Rathaus übergeben. Der Rottenbucher wird sich nun abermals mal mit dem Vorhaben befassen.

Nahversorgung in der Region

Einkaufsmärkte gibt es in:

  • Schongau
  • Peiting
  • Altenstadt
  • Hohenfurch
  • Hohenpeißenberg
  • Steingaden
  • Burggen
  • Lechbruck

Neue Supermärkte in Bau:

  • Rott
  • Ludenhausen

Ein Supermarkt ist geplant in:

  • Bernbeuren
  • Rottenbuch

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