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Deutlich fiel das Wahlergebnis bei der Aufstellungsversammlung zugunsten von Josef Köpf aus. 

Riesiger Andrang in der Auerberghalle

Aufstellungsversammlung in Bernbeuren: Bürgermeister Hinterbrandner erleidet krachende Niederlage

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Die Unabhängige Wählergemeinschaft (UWG) in Bernbeuren schickt Josef Köpf als Bürgermeisterkandidaten in die Kommunalwahl 2020. Amtsinhaber Martin Hinterbrandner erlitt bei der Aufstellungsversammlung am Dienstag eine krachende Niederlage. Ob er versuchen wird, seine Wiederwahl jetzt auf eigene Faust anzustreben, ließ er offen.

Bernbeuren Eine lange Menschen-Schlange vor der Auerberghalle machte deutlich, wie wichtig den Bernbeurern diese Aufstellungsversammlung war. Rund 400 Leute kamen, gut 200 ließen sich einen grünen Zettel geben, der ihnen die Teilnahme an der Wahl erlaubte.

Der Bürgermeister beobachtete mit sorgenvoller Mine, wie sich die Halle langsam füllte. Der Andrang war so groß, dass die Versammlung mit fast einstündiger Verspätung begann. Hinterbrandner dämmerte da bereits, dass der Abend für ihn nicht gut ausgehen könnte. „Ich habe das schon beim Reinkommen gesehen, ich bin kein Einheimischer“, bekannte der ehemalige Augsburger Stadtrat später. „Die anderen haben die Fäden gezogen“, bedauerte Hinterbrandner, der auch auf Vizebürgermeister Markus Socher zu sprechen kam. „Die Bevölkerung hat nur am Rand mitbekommen, dass wir nicht harmonieren.“

Bürgermeisterwahl 2020 in Bernbeuren: Deutliches Wahlergebnis zugunsten von Josef Köpf

Er werde jetzt nicht die beste Nacht haben, „aber schlaflos wird sie auch nicht“, sagte der Bürgermeister nach dem niederschmetternden Ergebnis vor der Kommunalwahl im März 2020: Von den 201 abgegebenen Stimmen erhielt Hinterbrandner lediglich 48. Josef Köpf räumte 151 ab, zwei Stimmen waren ungültig. Damit nicht genug: Bei der anschließenden Wahl der Gemeinderats-Kandidaten, der sich der Rathauschef ebenfalls stellte, wurde er mit nur 53 Stimmen auf den vorletzten 14. Platz durchgereicht. Es war eine Demontage des Bürgermeisters.

Das Interesse an der Aufstellungsversammlung war groß. Rund 400 Bernbeurer strömten in die Auerberghalle. 

„Mir liegt etwas an dem Ort“, sagte Hinterbrandner zwischen den beiden Wahlgängen. Er will jetzt ein paar Tage überlegen, ob er es allein versucht und eine weitere Aufstellungsversammlung einberuft. „Die Tendenz geht dahin“, meinte das Gemeindeoberhaupt.

Alle Infos und News zur Kommunalwahl 2020 im Landkreis Weilheim-Schongau finden Sie immer aktuell auf unserer großen Themenseite.

Bürgermeisterwahl in Bernbeuren: Hinterbrander unterstreicht seine Kompetenz

Zuvor hatte Hinterbrander noch einmal alles versucht, seine Kompetenz als Rathauschef zu unterstreichen. Er erinnerte daran, dass in seiner Amtszeit die Pro-Kopf-Verschuldung Bernbeurens von 2500 auf 1500 Euro gesunken sei: „Das ist jetzt solider oberbayerischer Durchschnitt, in dem wir liegen.“ Das Einheimischenmodell sei angepasst und überarbeitet worden. Verbilligter Wohnraum könne rechtssicher an Einheimische vergeben werden. Hinterbrandner erinnerte an den abgeschlossenen Hochwasserschutz, den Breitbandausbau und die Auerberghalle, für die ein neuer Pächter gefunden worden ist. Wie berichtet, wird sie derzeit auch peu á peu saniert.

Zum Dauerbrenner Nahversorgung sagte Hinterbrandern, dass er nicht mit dem „Standort Schnitzer“ verheiratet sei, aber sich bis heute auch noch niemand mit einem anderen Konzept gemeldet habe. Bekanntlich streiten sich Gemeinde und Denkmalschutz seit Jahren um den Stadel im Ortszentrum, der verschwinden oder zum Supermarkt umgebaut werden soll. „Ich werde weiter um den Standort Schnitzerstadel kämpfen“, machte der Rathauschef noch einmal klar. Am Ende erntete er nur höflichen Applaus der Versammlung.

Das sind die Gemeinderatskandidaten der Unabhängigen Wählergemeinschaft in Bernbeuren.

Sein Kontrahent Josef Köpf bemerkte später, dass Hinterbrandner nicht mehr als bei der Bürgerversammlung gesagt habe. Viel mehr Innovatives hatte aber auch der Herausforderer nicht zu bieten. Er nannte ebenfalls die Finanzen „als ganz wichtiges Kriterium“. Wie Hinterbrandner will Köpf die Erneuerung der Gemeindestraßen in Angriff nehmen. Er möchte Flächen für die örtlichen Betriebe finden: „Jeder Betrieb, der abwandert, tut uns weh.“ Köpf möchte persönlich bei den staatlichen Stellen vorstellig werden, um Fördermittel zu generieren. Und er versprach den Bernbeurern eine regelmäßige Bürger-Sprechstunde. „Mir ist persönlich wichtig, dass sich jeder Bürger auf mein gegebenes Wort verlassen kann“, betonte der 60-Jährige, der seit seiner Geburt in Bernbeuren lebt und als Abteilungsleiter in einer Bank tätig ist.

Comeback in der Lokalpolitik: Kathrin Zillenbiehler stellt sich wieder zur Wahl

Neben dem neuen Bürgermeisterkandidaten feierte die Versammlung am Dienstag in der Auerberghalle ein Comeback in der Lokalpolitik: Kathrin Zillenbiehler stellte sich wieder zur Wahl und landete prompt auf dem siebten Listenplatz. Sie wolle, „dass mehr Frauen im Gremium vertreten sind“, nannte sie ihre Beweggründe, warum sie zurück in den Gemeinderat möchte. Sie hofft, dass noch mehr Frauen dazu kommen. Wie berichtet, trat Zillenbiehler 2017 als Gemeinderätin und dritte Bürgermeisterin zurück, weil sie mit Martin Hinterbrandner nicht klar gekommen war. Josef Köpf war für sie in das Gremium nachgerückt.

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Es ist die erste faustdicke Überraschung im Wahlkampf zur Kommunalwahl 2020: Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner bekommt mit Josef Köpf einen Gegenkandidaten aus den eigenen Reihen.

„Noch einmal auf die Zugspitze“ und die Welt aus einem anderen Blickwinkel sehen“ – das war der Wunsch eines Schongauers, der aufgrund seiner schweren Krankheit mittlerweile an den Rollstuhl gefesselt ist und keine Ausflüge mehr unternehmen kann. Wahr gemacht haben dies drei „Wunscherfüller“ des Arbeiter Samariter Bund (ASB) mit dem Wünschewagen.

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