Luftaufnahme von Bernbeuren. Zu sehen ist die Dorfmitte mit der Kirche.
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Das idyllische Dorf am Auerberg muss sich nun auf einen strikten Sparkurs begeben.

Aus dem Gemeinderat

„Corona-Knick“ im Bernbeurener Haushalt

  • VonTheresa Kuchler
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Von einem deutlichen „Corona-Knick“ sprach der Bernbeurener Bürgermeister Karl Schleich, als in der jüngsten Gemeinderatssitzung der Haushalt besprochen wurde. Um Defizite auszugleichen und Schulden abzubauen, muss die Gemeinde einen strikten Sparkurs einschlagen – und weitere Kredite aufnehmen.

Bernbeuren – Als Kassenverwalterin Marie Burg dem Bernbeurener Gemeinderat den Haushalt für 2021 vorstellte, wurde deutlich: Striktes Sparen ist ab sofort mehr als notwendig. „Die Gemeinde ist stark von der Corona-Pandemie betroffen“, fasste es Burg zusammen. Um den Haushalt auszugleichen und künftige Investitionen tätigen zu können, ist sogar die Aufnahme weiterer Darlehen notwendig. Insgesamt schließt der Verwaltungshaushalt von Bernbeuren heuer mit 4,87 Millionen Euro ab (zum Vergleich: Im Vorjahr waren es 4,70 Millionen Euro), der Vermögenshaushalt mit 1,94 Millionen Euro (2020 waren es 3,38 Millionen Euro).

Mit Blick auf die Zahlen der Vorjahre meldete sich Bürgermeister Karl Schleich zu Wort: „Vor Corona waren es die fetten Jahre.“ Gerade 2019 sei ein „Spitzenjahr“ gewesen. Durch die Pandemie habe es dann einen deutlichen Einbruch bei den Einnahmen der Gemeinde gegeben. Der Bürgermeister sprach von einem „Corona-Knick“.

Gerade der Verwaltungshaushalt sei durch die Auswirkungen der Pandemie erheblich belastet worden, erklärte es Burg dem Gremium. Eine für die Gemeinde wichtige Einnahmequelle, die Einkommensteuer-Beteiligung, brach wegen Corona ein. Schon vergangenes Jahr macht das ein Minus von knapp 60 000 Euro im Vergleich zu 2019 aus. Heuer rechnet man mit einem weiteren Rückgang um sechs Prozent auf 1,30 Millionen Euro. Bei der Gewerbesteuer rechnet Bernbeuren mit Einkünften in Höhe von 490 000 Euro. Das entspricht  etwa 25 000 Euro Mindereinnahmen gegenüber 2020.

Man hofft auf staatliche Zuschüsse

Um die Corona-bedingten Mindereinnahmen auszugleichen, hofft man noch auf Kompensationszahlungen des Staates. Bleiben diese aus, ist eine Kreditaufnahme zum Haushalts-Ausgleich in Höhe von 145 000 Euro nötig. Ein weiterer Kredit wird für die Finanzierung von Investitionen aufgenommen –   in einer Höhe von 67 000 Euro. Wie die Kassenverwalterin klarmachte, steigt der jährliche Schuldendienst ab 2022 auf einen Höchststand. Auch die Pro-Kopf-Verschuldung liegt in Bernbeuren knapp 300 Prozent über dem Landesdurchschnitt von 2019. Ein schneller Schuldenabbau müsse nun das vorrangige Ziel der Gemeinde sein, betonte Burg.

Ein hohes Defizit ist bei der kommunalen Bezuschussung der Kindergärten erkennbar. Es liegt heuer mit gut 372 000 Euro deutlich über dem Defizit des Vorjahres von 210 000 Euro. Grund für das Minus seien unter anderem notwendige Corona-Maßnahmen gewesen. „Durch die zusätzlichen Gruppen war mehr Personal nötig“, sagte Schleich auf Nachfrage der Zeitung.

„Der Haushalt ist von Investitionen geprägt, die bereits in den Vorjahren geplant und beschlossen wurden“, so Burg. Als weitaus größte Investition ist dabei die Sanierung der Bernbeurener Ortsdurchfahrt anzusehen. Der Rathauschef sagte: „Die Kosten sprengen unseren Haushalt.“ Mit knapp 1,2 Millionen Euro, die nun insgesamt für die Bauarbeiten anfielen, kostete das Projekt doppelt so viel wie ursprünglich veranschlagt. Große Kostenverursacher seien unter anderem die Wasserschieber und Zufahrten gewesen. „Das summiert sich auf“, so Schleich.

Die Gemeinde beschränkt sich zunächst auf ihre Pflichtaufgaben

Die zweitgrößte Investition im Vermögenshaushalt stellt mit 365 000 Euro die Restzahlung für das Löschfahrzeug der Feuerwehr dar. Für die Finanzierung soll auf einen Teil des Kredits zurückgegriffen werden, den Bernbeuren zur Deckung von Investitionen aufnimmt. Ansonsten fallen kleinere Beträge an – etwa 24 500 Euro für die Sanierung der Kneipp-Anlage, für die es heuer Zuschüsse gibt.

Hinsichtlich zukünftiger Investitionen beschränkt sich die Gemeinde erst einmal auf ihre Pflichtaufgaben, um auf Sparkurs zu bleiben. Dazu zählt insbesondere die Sanierung der Trinkwasserversorgungsanlage, die für 2022 und 2023 angesetzt ist. Für den Straßenerhalt sind keine größeren Summen eingeplant, auch wenn der Bürgermeister das gerne anders hätte. „Viele unserer Straßen sind in einem schlechten Zustand“, so Schleich. Er selbst wolle regelmäßig in den Straßenerhalt investieren. „Aber momentan sind die Mittel knapp.“

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