Rund 300 Bernbeurer waren zur Demonstration gekommen, auch eine Abrissbirne war symbolisch aufgefahren.

Demonstration

Bernbeurer Protest gegen „Diktatur Denkmalschutz“

Über 300 Bernbeurer forderten bei einer Demonstration den Abbruch des denkmalgeschützten Schnitzerstadels, der einem Feneberg-Einkaufsmarkt weichen soll. Zahlreiche Redner brachten Argumente vor, sogar die Senioren- und Behindertenbeauftragten.

Bernbeuren – Zum Teil direkt von der Arbeit strömten die Bernbeurer am Freitagnachmittag zur Demonstration, zu der die Eigentümer des Schnitzerstadels gemeinsam mit der Gemeinde aufgerufen hatten. Manche hatten Plakate dabei, auch Trillerpfeifen waren zu hören. Symbolisch fuhren ein Lastwagen samt Abrissbirne und ein Bagger vor, um zu zeigen: Es könnte losgehen mit dem Abriss, die Gerätschaften stünden bereit.

Eigentümer Ignaz Keck bei seiner Rede. Links Altbürgermeister Heimo Schmid und Bürgermeister Martin Hinterbrandner.

Ein kleines Rednerpult vor der ehemaligen Tenne war mit Kartons dekoriert, auf dem die Forderungen der Bürger standen. Darauf war zu lesen „Entwicklung statt Leerstand!“, „Rechthaberei oder Rechtsstaat?“ und „Denkmalschutz Diktatur oder Demokratie?“. Eigentümer Ignaz Keck begann seine Rede mit den Worten „wer mich kennt, weiß, dass ich ein mit Geduld reichgesegneter Mensch bin“. Und bis vor kurzem habe Keck sich nicht vorstellen können, dass er einmal eine Demo anmelden würde. Dass das Gasthaus seit 1974 auf der Denkmalliste stehe, sei für ihn in Ordnung. Der Stadel wurde jedoch erst 42 Jahre später am 18. Januar 2017 hinzugenommen. „Seit einem gemeinsamen Treffen am 1. März ist jedoch nichts geschehen, das kann nicht so hingenommen werden.“ Mit einem Einkaufsmarkt und einer Dorfwirtschaft (die im Sinne des Denkmalschutzes wieder hergerichtet und erhalten werden soll) wolle man die Ortsmitte wieder beleben.

Bürgermeister Martin Hinterbrandner betrachtete die rechtliche Seite des Falles. „Wenn einem vom Gesetz her gesagt wird, man müsse dies akzeptieren, dann stimmt einfach an dem Gesetz etwas nicht.“ Außerdem gäbe es Handlungsspielraum. Hinterbrandner mahnte den Landtag an, Regelungen zu schaffen, denn es seien viele Gemeinden betroffen, von denen er glaubt, dass sie bei einer weiteren Demo „sicher mit uns auf die Straßen gehen würden“.

Der Bürgermeister fragte in Richtung Landratsamt: „Warum ist die Ortsentwicklung nicht wichtiger als das leere, ungenutzte Gebäude?“ Des weiteren habe sich die Gemeinde im Bezug auf das Bürgerbegehren bei einem erfahrenen Anwalt beraten lassen und nicht bei „Google-Die gute Frage“, man wolle vom Landratsamt nicht immer als dumm hingestellt werden.

Ältere Bürger wollen Einkaufsmöglichkeit am Ort

Weitere kritische Worte kamen von Altbürgermeister Heimo Schmid, der das Recht auf eine gewisse Selbstbestimmung durch die Gemeinden einforderte. „Eine gesicherte Grundversorgung für die Zukunft ist elementar.“ Die Leute, die vom Tisch weg entscheiden, kennen die Örtlichkeiten meist gar nicht und hätten auch sicher kein Versorgungsproblem. Die Behörden sollten aufpassen, nicht zu selbstherrlich zu regieren und die Basis nicht vergessen. „In 25 Jahren Dorferneuerung ging es immer um ökonomische, ökologische und soziale Aspekte“ – der Einkaufsmarkt würde all dies beinhalten.

Als weiterer Redner meldete sich Seniorenbeauftragter Hans Echtler, der mit statistischen Werten die Probleme der Senioren ansprach. 2012 waren in Bernbeuren 15,7 Prozent der Bürger über 65 Jahre, 2021 werden es bereits zwischen 22 und 23 Prozent sein. „Die älteren Leute wollen ihren Lebensabend hier verbringen, sich selbstständig versorgen und nicht immer andere um Hilfe anbetteln.“ Für Echtler ist unbegreiflich, „wie ein solches Projekt, bei dem Grundstückseigentümer, Investor und Betreiber bereitstünden, dermaßen verzögert und einem unbenutzten Stadel mehr Bedeutung zugesprochen wird als unserer Versorgung“. 97 Prozent der Bürger hätten kürzlich für einen Einkaufsmarkt gestimmt.

Die Behindertenbeauftragte Petra Weiser stellte klar, dass ein Laden in der Dorfmitte auch zur Inklusion gehöre, denn schließlich sollen auch Behinderte das tun können, was gesunde Menschen tun – nur dass diese sich problemlos in ein Auto setzen und nach Lechbruck fahren.

Wendelin Gast hoffte als Vertreter des Bürgervereins, dass man mit dieser Aktion das Rückgrat der Landrätin gestärkt habe und der Denkmalschutz nicht schon wieder, wie damals beim geplanten Betreuten Wohnen im Filserhaus, eine sinnvolle Sache verhindert.

Kathrin Zillenbiehler

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