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Bernbeurer Bürger, allen voran die Eigentümer des Schnitzer-Areals, wollen endlich eine Entscheidung der Behörden, es dauert ihnen einfach schon zu lange.

Entscheidung über Gebäudeabriss in Bernbeuren gefordert

Stadel-Eigentümer: „Jetzt reicht es!“

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„Abbruch jetzt! Entscheidung für die Menschen.“ In großen, in Signalfarbe untermalten Lettern prangen diese Zeilen seit gestern auf der Homepage der Gemeinde Bernbeuren. Und am denkmalgeschützten Schnitzerstadel fordert ein großes Transparent seitens des Landratsamtes, endlich eine Entscheidung über den Abriss zu fällen.

Bernbeuren „Wir sind gehalten, zeitnah zu entscheiden, aber der Sachverhalt muss gründlich geprüft werden.“ So hatte es in der vergangenen Woche Friedrich von der Mülbe für das Landratsamt Weilheim Schongau formuliert. Mit solchen Worten wollen sich die Bürger von Bernbeuren, allen voran die Eigentümerfamilien des Schnitzerareals um Ignaz Keck und Richard Lerchenmüller, nicht mehr abspeisen lassen. In Absprache mit der Gemeinde haben sie am Montagabend ein großes Transparent direkt an den ehemaligen, denkmalgeschützten Eiskeller gehängt: „Nahversorgung für Bernbeuren! 97 Prozent warten auf eine Entscheidung – Abbruchgenehmigung“ wird gefordert.

Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner unterstützt diese Aufforderung an die Behörden, die Entscheidung nicht weiter aufzuschieben, zeitgleich mit einem Offenen Brief an Landrätin Andrea Jochner-Weiß. „Das ist jetzt eine gewissen Eskalation, und ich bin auch der Meinung, dass der Denkmalschutz wichtig ist, aber es fehlt einfach an Fingerspitzengefühl“, so Hinterbrander gegenüber unsere Zeitung. Anfang Juli hatten die Bürger von Bernbeuren mit überwältigender Mehrheit gefordert, dass die Gemeinde sich für eine Nahversorgung im Ort auf dem Schnitzer-Areal einsetzen solle und damit auch indirekt den Abriss des Stadels gefordert, um dort einen Einkaufsmarkt errichten zu können. In der Sitzung Ende Juli hatte der Gemeinderat den Abrissantrag der Eigentümer an das Landratsamt weitergeleitet – seitdem wartet man vergeblich auf eine Antwort.

„Jetzt muss sich was rühren, was bewegen, und zwar so schnell wie möglich“, fordert Ignaz Keck. Er geht davon aus, dass man auf die Aktion hin mit Transparent und dem Offenem Brief an die Landrätin bald und vor allem „zeitnah“ eine Antwort bekommt. „Wir warten auf Reaktionen!“. Denn man würde gerne endlich in die Planungen gehen.

Richard Lerchenmüller formuliert es weniger zurückhaltend: „Es ist eine Zumutung: Seit zweieinhalb Monaten ist eine Abrissgenehmigung beantragt und es gibt noch kein Ergebnis, jetzt reicht es!“ Seit zwei Jahren habe er nun die Idee, auf dem Schnitzer-Areal einen Einkaufsmarkt zu bauen. „Jetzt ist der Strick gerissen, jetzt müssen wir was machen“, kündigt der Bernbeurer an, notfalls weitere Aktionen folgen lassen zu wollen, falls sich im Landratsamt nichts tue.

„Man braucht jetzt eine Entscheidung, man wartet drauf, jetzt geht es auch darum, Öffentlichkeit zu machen“, so Hinterbrandner. Auch die Bürger im Ort würden von ihm erwarten, dass er sich hinstelle. „Ich höre aus dem Landratsamt nur immer ein Jammern: das Gesetz, das Gesetz. Aber das Denkmalamt begründet nicht einmal, warum der Denkmalschutz wichtiger ist, als die Dorferneuerung.“ Das Verstecken hinter dem Satz, dass der Abriss eines Baudenkmals unzulässig sei, lasse vielmehr „den Verdacht aufkommen, dass hier eine Einschüchterung der Entscheidungsträger versucht werden soll“. Dabei sei die Entscheidung über den Abrissantrag „eine Ermessensangelegenheit im Landratsamt“, also eine Bewertung der Argumente der streitenden Parteien. Das Landesdenkmalamt sei einer Bewertung der gemeindlichen Stellungnahmen jedoch bisher „beharrlich aus dem Weg gegangen“, so Hinterbrandner in Richtung Jochner-Weiß.

Sie könne den Ärger der Bernbeurer Bürger völlig nachvollziehen, nahm die Landrätin gestern die Angelegenheit persönlich in die Hand. „Auch mir liegt das am Herzen“, sagte sie gegenüber den Schongauer Nachrichten. Sie habe direkt Kontakt aufgenommen mit Nikolaus Könner. Der Referatsleiter beim Landesamt für Denkmalpflege für Oberbayern und München habe zugesagt, noch einmal nach Bernbeuren zu fahren, um in einem gemeinsamen Gespräch einen Kompromiss zu finden. Könner sei eingefleischter Denkmalschützer, aber auch sehr bodenständig. „Wir reden nicht über eine Abrissgenehmigung“, stellt Jochner-Weiß aber klar. „Wir müssen uns das noch mal genau anschauen“, so die Landrätin.

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