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In die Räume der leer stehenden Bäckerei Heiligensetzer könnte ein Interims-Versorgungsladen kommen.

Gemeinderat Bernbeuren

Bernbeuren plant Bäckerladen mit Feneberg

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Macht in der Bäckerei Heiligensetzer in Bernbeuren jetzt ein Feneberg-Markt auf? Bevor es die Spatzen von den Dächern pfeifen, und dies vielleicht auch noch falsch, lässt Bürgermeister Martin Hinterbrandner lieber die Katze aus dem Sack: Ja, man arbeite intensiv an einer kleinen Versorgungs-Lösung.

Bernbeuren – Überraschend auch für die Gemeinderäte ging der Bernbeurer Bürgermeister am Dienstagabend mit den Plänen der Gemeinde an die Öffentlichkeit. Bis zur möglichen Fertigstellung des Feneberg-Marktes in schätzungsweise eineinhalb bis zwei Jahren soll es eine Interimslösung geben in einem festen Gebäude – die Räumlichkeiten der leer stehenden Bäckerei Heiligensetzer seien hierfür naheliegend.

„Aus ersten Gesprächen sind nun intensive Planungen und Verhandlungen geworden“, berichtete Hinterbrandner am Ende der Sitzung unter dem Punkt Verschiedenes. Am vergangenen Dienstag habe es einen gemeinsamen Ortstermin gegeben mit Gemeinde, Inhaber, Vertretern von Feneberg sowie Gewerbeaufsicht des Landratsamtes. Nun fehlten nur noch konkrete Zahlen.

Und natürlich eine Entscheidung des Gemeinderates. Klar ist für Hinterbrandner: „Die Gemeinde muss als Betreiber einspringen. Und es müsste zumindest eine rote Null dabei herauskommen.

Was ist geplant? Auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten erläuterte der Rathauschef, man brauche dringend eine andere Lösung als die mobile Bäckerei. Diese bietet seit der plötzlichen Schließung der Bäckerei Heiligensetzer ihre Waren derzeit viermal wöchentlich auf dem Schnitzer-Parkplatz an, aber bei Regen und bald Schnee draußen anstehen zu müssen, sei alles andere als optimal.

Diskutiert werde jetzt über ein Backwaren-Angebot mit erweitertem Sortiment als Übergangslösung, aber nicht so umfangreich wie ehemals von Karl Heiligensetzer betrieben. Und, das betont Hinterbrandner immer wieder: „Das wirtschaftliche Risiko muss kalkulierbar sein.“

Vor allem seitens Feneberg als Zulieferer werde sehr offen, sehr konstruktiv, sehr lösungsorientiert diskutiert, lobt Hinterbrandner. Dort würden jetzt auch die nötigen Planungen aufgestellt, die Grundlagen für die Wirtschaftlichkeit geliefert. Auch der Verkauf selbst könne über das Familienunternehmen laufen. Hinterbrandner: „Was mich nach wie vor erfreut bei Feneberg ist, das es immer Chefsache ist, egal, mit welchem Anliegen wir kommen.“

Geht es nach dem Wunsch des Bürgermeisters, soll eine Entscheidung so bald wie möglich fallen. Wenn eine Kalkulation vorliegt, werde diese dem Gemeinderat vorgelegt, der dann den Taschenrechner herausholen müsse – nichtöffentlich versteht sich. Hinterbrandner hofft auf eine Entscheidung noch während der eigentlich sitzungsfreien Zeit im August, sonst in der ersten Sitzung nach den Ferien.

Nicht alle Gemeinderäte waren in der Sitzung glücklich über das Vorpreschen des Bürgermeisters. „Ich bin überrascht, dass wir jetzt darüber reden, wir müssen erst Hintergrundinformationen haben“, rügte Vize-Bürgermeister Markus Socher und machte deutlich, dass Hinterbrandner mindestens einen Schritt übersprungen habe. Socher wörtlich: „Mit dem Wunsch allein kommen wir nicht durch, das müssen wir noch klären und auch im Gemeinderat entscheiden.“

Auch Gemeinderat Erich Kraut schüttelte energisch den Kopf und kritisierte: „Da gibt es aber noch einiges zu bereden.“ Er habe lediglich der Gerüchteküche entgegentreten wollen, verteidigte sich Hinterbrandner. „So kann jetzt jeder diese Informationen weitergeben.“

Die logische Konsequenz nach dem Ergebnis des Ratsbegehrens in Bernbeuren und der Aufstellung des Bebauungsplan ist nun die Entscheidung des Gemeinderates, den Abriss des denkmalgeschützten Stadels beim Gasthaus Schnitzer zu genehmigen. 

In der Sitzung am vergangenen Dienstag lag dem Gremium ein entsprechender Antrag des Grundstücksbesitzers vor, der auch einstimmig abgesegnet wurde. Ausführlich wird in der Begründung zum Abriss-Antrag auf die gesamte Historie der Diskussion eingegangen, etwa, dass die Denkmalschutzbehörde erst dann Interesse am ehemaligen Eiskeller bekundet habe, als die Gemeinde im Herbst vergangenen Jahres begonnen hatte, das Areal zu überplanen, die Bauleitplanung anzugehen. Auch die Ablehnung der geprüften Alternativstandorte wird im Detail begründet – diese seien hauptsächlich wegen der fehlenden fußläufigen Erreichbarkeit ungeeignet. Auch sei eine Ladenfläche von rund 800 Quadratmetern unerlässlich, die auch durch Umbau des Stadels nicht erreicht werden könne.

Im Abrissantrag wird betont, dass das Baudenkmal Gasthof Schnitzer durch die Pläne geschützt und gestärkt werde. „Wir haben A gesagt, nun sage wir auch B dazu“, kommentierte Gemeinderat Alois Suiter den Abrissantrag. Bürgermeister Martin Hinterbrandner stellte, wie in der Begründung des Grundstücksbesitzers explizit erläutert, noch einmal deutlich heraus, dass das Landratsamt auch rechtlich in der Lage sei, den Abriss zu genehmigen. „Da muss sich niemand verbiegen. Jetzt ist es eine politische Entscheidung, wer vor den Kopf gestoßen wird: Das Landesamt für Denkmalpflege oder die Gemeinde Bernbeuren mitsamt der Bevölkerung, all den Wählern, die abgestimmt haben.“ 

Hinterbrandner geht davon aus, dass dieser Bauantrag wie jeder andere behandelt wird, kalkulierte jedoch die Urlaubszeit mit ein. „Und dass es kein normaler Bauantrag ist.“ Er hofft auf eine Entscheidung bis September. „Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt heißt es abwarten.“

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