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St. Georg hoch zu Ross, gefolgt von uniformierten Reitern – ein Bild, das die Zuschauer beeindruckte.

Schneefall am Auerberg

Georgiritt diesmal ein wahrer Kraftakt

Der diesjährige Georgiritt war für alle Entscheidungsträger ein sehr nervenaufreibender Kraftakt. Sah es Mitte der Woche noch so aus, dass aufgrund von 20 cm Schnee der Ritt gleich abgesagt werden könne, verschob man den Entschluss nun täglich bis am Sonntagmorgen um 4 Uhr morgens die Vorstandschaft auf dem Auerberg erneut zusammentrat.

Bernbeuren – „Die Mehrheit hatte für den Georgiritt gestimmt, auch wenn der Berg leicht mit Schnee gezuckert war“, so Vorsitzender Max Sprenzel, der sichtlich froh war, dass alles gut gegangen ist und es trocken blieb. Die Temperaturen waren zwar nicht so angenehm wie beim Ritt 2015, aber nochmal ausfallen lassen wollte der Verein das Brauchtumsfest auch nicht.

Wer konnte, zog sich mehrere Schichten unter die Tracht, und auch die römischen Reiter, die Fanfaren und die acht Knappen versuchten trotz Kostümen sich irgendwie warm einzupacken, was in Strumpfhosen nicht so leicht gewesen sein dürfte.

In drei Reiterzügen ging es dann von der Helmer-Viehweide herüber Richtung Festwiese, wo sich auch die Geistlichkeit von der Auerbergkirche her anschloss. Pater Sajimon Vargese aus Stötten und Pfarrer Joachim Schnitzer aus Bernbeuren konnten Füssens Stadtpfarrer Frank Deuring für die Festpredigt gewinnen. Deuring sei als Jugendlicher früher selber Reiter gewesen, und so war es ihm „eine Ehre, bei einem so großen Anlass mitwirken zu dürfen“. Als Dekan des Dekanats Marktoberdorf verstand er es auch zu predigen und ermutigte die rund 1000 Gläubigen, sich einzusetzen für Gerechtigkeit, Frieden und die Schwächsten. Wie der Heilige Georg durch die Tötung des Drachens eine Stadt von der Angst befreit hat, so sollen sich auch die Menschen nicht von einer Angst gefangen nehmen lassen, die durch Terror, Gewalt und rechtspopulistisches Reden geschürt wird. Deuring versteht zwar, dass es „nach Jahrzehnten in Sicherheit Angst macht, dass manche Politiker nicht mehr von solider Abwehr, sondern vom Wettrüsten sprechen“, aber daher gelte es, sich eben nicht verrückt machen zu lassen. Man müsse sich in einer Zeit, wo das Geld regiere und „Mensch und Natur an der Börse keine Relevanz haben“, auf die wahren Werte besinnen.

Auch die Knappen hielten bei dem kühlen Winterwetter am Auerberg tapfer aus.

Fester Bestandteil war auch wieder der Georgsschwur des Männerdreigesangs mit Manfred Karlinger, Karl Knappich und Peter Völk. In den drei Strophen heißt es abschließend: „Drum geloben wir auf‘s neue dir Sankt Georg ewig Treue“.

Die musikalische Umrahmung durch die Musikkapelle Bernbeuren mit Dirigent Ulrich Bielmeier und der Stöttener Blaskapelle unter Leitung von Georg Fichtl war ebenso festlich wie die neunköpfige Fanfarengruppe. Diese spielte hoch zu Ross und hatte dreizehn Stücke einstudiert, die teilweise mit der Musikkapelle aus Bernbeuren zusammen vorgetragen wurden. Klassisch gehörten dazu der Kreuzrittermarsch oder auch der Fehrbelliner Reitermarsch. Als Premiere erklang heuer der „Bayerische Präsentiermarsch“, der von den Besuchern viel Applaus erhielt.

Bei der Heldenehrung wurden zwei reiterlose, schwarze Pferde mit Soldatenhelmen auf ihren Satteln vor den Altar geführt und stolze 22 Vereinsabordnungen senkten ihre Fahnen.

Bilder vom Georgiritt in Bernbeuren

Nach der Segnung von Ross und Reiter setzte sich der Festzug mit dem Heiligen Georg – wieder dargestellt von Georg Greisel aus Stötten – zur Umrundung der Auerbergkirche in Bewegung. Die kurze Steigung zwischen Festplatz und Straße war nach dem Einzug der 130 Pferde bereits rutschig und aufgeweicht, aber die Reiter lenkten ihre Tiere mit Vorsicht und Geduld hinauf, so dass beim Brauchtumsritt alles unfallfrei verlief.

Für die rund 350 Mitwirkenden und Helfer gab es zum Abschluss noch die traditionellen Wiener mit Semmel, und was Warmes konnte an diesem Sonntag jeder brauchen, auch wenn die Sonne immer mal wieder kurz zwischen den Wolken durchspitzelte.

Kathrin Zillenbiehler

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