+
Oldtimerliebhaber bewunderten die Goggos in Bernbeuren.

2. Goggomobil-Frühschoppen am Auerberg

Goggofahrer auf der gleichen Wellenlänge

Das Goggomobil – kurz Goggo – war nach dem Krieg eines der ersten, erfolgreichen Autos für Jedermann. Von 1955 bis 1969 wurde es in Dingolfing produziert. Heute lässt es die Herzen vieler Oldtimerfans höherschlagen. Viele Besucher kamen auch wieder zum 2. Goggomobil-Frühschoppen am Auerberg.

Bernbeuren– Die Firma Glas hatte in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts vor allem Landmaschinen entwickelt. Um sich ein zweites Standbein zu schaffen, baute Hans Glas 1951 zunächst den Goggo-Roller und 1955 dann das erste Goggomobil, weiß Werner Maier. Den 60. Geburtstags seines treuen Begleiters nahm Maier als Anlass, nach nun zehn Jahren den 2. Goggomobil-Frühschoppen in Bernbeuren zu organisieren. Auf die Frage, wie schwer sein Goggo denn sein, musste Maier passen, allerdings wusste er zu erzählen, dass sein Gefährt schon mal von vier Männern hochgehoben und umgeparkt wurde.

Zum Treffen kamen diesmal zehn Goggos, zwei Isettas und ein Fiat, welche sich zunächst am Marktplatz von Bernbeuren aufreihten. Zahlreiche Schaulustige begutachteten die Oldtimer und schwelgten in nostalgischen Erinnerungen. Man konnte einen Blick in das Wageninnere werfen, wo Wackeldackel, eine gehäkelte Decke oder eine kleine Vase mit Plastikblumen schon warteten. Für alle Interessierten ging es dann weiter ins Auerbergmuseum, wo neben der Besichtigung auch ein Film vom Treffen im Jahr 2007 auf dem Programm stand. Eine kleine Rundfahrt über die Weiler Bürstenstiel, Angerhof und Ried zurück ins Dorf an die Auerberghalle folgte, und beim Frühschoppen mit bayerischer Musik begannen die obligatorischen Benzingespräche untereinander. Die von Maier ausgelobten Preise in Form eines Pokals wurden von einer unabhängigen Jury vergeben, so dass der Titel für den weitangereisten Goggo an Robert Karringer aus Pfaffenhausen hinter Mindelheim mit einer Anfahrtszeit von über eineinhalb Stunden verliehen wurde. Das älteste Modell mit Baujahr 1955 stammte von Ingrid Dinter aus Linden bei Kaufbeuren.

Die schönsten Kleinwagen wurden noch unterteilt in Limousinen, die damals als Familienkutschen galten, und in Coupés, die als Zweisitzer in Sportausführung hergestellt wurden, so die Erläuterungen Maiers. Als schönste Limousine wurde der Goggo von Max Amberg aus Schwabbruck eingestuft, die Coupé-Wertung gewann Alban Gschwend aus Bernbeuren.

An den Tischen fand ein reger Austausch statt und Christian Dinter aus Linden erzählte von seiner Goggo-Reparatur im Nebenberuf. Dinter faszinierten Goggos bereits seit er elf Jahre war, und über die Jahre hatte er auch viele Fahrzeuge gekauft und vor der Verschrottung gerettet, „damals für 50 oder 100 Mark“. Ihm gefielen die Goggomobile am besten, die nur technisch repariert werden und deren Innenleben weitgehend original bleibt. „Bei manchen Restaurierungen werden die Spuren der Zeit komplett weggewischt.“

2. Goggomobil-Frühschoppen am Auerberg: Das sind die Bilder

Aus Obergünzburg waren Wolfgang und Hannelore Heinold angereist. Letztere hat ihr Goggo zum 40. Geburtstag geschenkt bekommen, nachdem sie zwei Jahre auf der Suche waren. Es sei nicht einfach, noch an diese Autos zu kommen. Und wenn man in Oldtimerzeitschriften sucht, dann seien sie sehr teuer. Man müsse sein Interesse weit streuen, und wenn man Glück habe, bekomme man irgendwann einen Tipp von Gleichgesinnten. Heinold gefalle besonders das Fahrverhalten. Die Höchstgeschwindigkeit liege bei 80 km/h, aber das sei dann „sehr laut und die Fahrweise schwammig“, so Christian Dinter. Heinold beschreibt die 70 Stundenkilometer als ein Gefühl, als würde man 150 Sachen fahren. Dinter erhöht lachend auf 170 km/h.

Im Gegensatz zu neueren Autos hat man „beim Goggofahren mit Kuppeln und Schalten noch richtig was zu tun“. Der Hubraum der anwesenden Wagen betrug 250 bis 400 Kubik. Und wer zweifelte, ob es die schnuckeligen Oldtimer wohl den steilen, hohen Auerberg hinaufschaffen, der wurde eines besseren belehrt. Neugierige Gäste durften sogar mitfahren, und zwei Goggos schafften es, ihren Vordermann oder die Vorderfrau wie bei einem Rennen zu überholen. Auf dem Auerberg klang der Tag beim Kaffeetrinken gemütlich aus und die Teilnehmer waren sich einig, dass „Goggobesitzer einfach auf der gleichen Wellenlänge sind“.

Maier plant übrigens schon ein weiteres Oldtimer-Highlight, denn in zwei Jahren werden die in Bernbeuren gebauten Thurner RS 50 Jahre alt.

Kathrin Zillenbiehler

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Nicht abgeholte Kinder Fall für Polizei?
In Schongaus städtischen Kindergärten werden Kinder, die von ihren Eltern nicht rechtzeitig abgeholt werden, notfalls dem Jugendamt oder sogar der Polizei übergeben. Das …
Nicht abgeholte Kinder Fall für Polizei?
Die Nonnen sind los!
Der Theaterverein Treibhaus bringt ein neues Stück auf die Bühne: Im Rainer-Endisch-Saal in Herzogsägmühle präsentiert die Gruppe „Sister Act“.
Die Nonnen sind los!
Neubaugebiet Peiting Ost: Bebauungsplan wirft Fragen auf
Wohnungen, Reihen- und Stadthäuser sollen auf dem ehemaligen Bundeswehr-Gelände am Peitinger Bahnhof Ost entstehen. Der für das Großprojekt nötige Bebauungsplan hat nun …
Neubaugebiet Peiting Ost: Bebauungsplan wirft Fragen auf
Freude über Vierlingsglück im Kuhstall
Das gibt‘s nicht oft: In Apfeldorf hat eine Kuh mit einem Wurf vier Kälber auf die Welt gebracht. Landwirt Michael Beinhofer lobt auch den Stier.
Freude über Vierlingsglück im Kuhstall

Kommentare