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Große Dünge-Herausforderung für Bauern

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Bald vorbei: Ab 2020 darf Gülle auf Ackerland nur noch bodennah und streifenförmig aufgebracht werden, 2025 gilt das auch für Grünland © Panthermedia

Immer wieder werden Landwirte als angebliche Umweltverschmutzer gebrandmarkt. Jetzt ist eine neue Düngeverordnung in Kraft getreten, die seit 2011 von zahlreichen Ämtern und Verbänden diskutiert wurde. Der Bayerische Bauerverband informierte in Bernbeuren rund 200 Landwirten aus den Landkreisen Weilheim-Schongau, Starnberg, Garmisch-Partenkirchen und dem Ostallgäu über die Neuerungen.

Bernbeuren – Jahrelang habe der Bauernverband gekämpft, „dass nicht völlig praxisfremde Punkte“ festgeschrieben werden, so BBV-Umweltreferent Martin Erhardsberger. Die Ergebnisse stellte er jetzt vor. Demnach sei der Umwelt- und Gewässerschutz mit der optimalen Pflanzenernährung in Einklang zu bringen. Künftig bedeute das für die Bauern einen höheren dokumentarischen Aufwand, denn immer im Frühjahr müsse eine Düngebedarfsermittlung mit zahlreichen rechnerischen Faktoren durchgeführt werden, an die es sich das ganze Jahr starr zu halten gilt. Der benötigte Nährstoffbedarfswert wurde für die jeweilige Nutzungsart (Grünland/Ackerfrüchte) in allen 16 Bundesländern vereinheitlicht. In noch nicht endgültig festgelegten roten Gebieten (voraussichtlich 2019) in Bayern werden weitere Verschärfungen zum Tragen kommen.

In den winterlichen Monaten wurde zudem die Ausbringung auf schneebedeckte Flächen bis zu fünf Zentimeter Schneehöhe gestrichen. Es darf künftig nur noch auf freien Böden gedüngt werden, die tagsüber auftauen, bewachsen und aufnahmefähig sind. Dies gelte jedoch nicht für Festmist, so Erhardsberger. Auf unbestellten Flächen müsse organischer Dünger (mit Ausnahme von Festmist und Kompost) innerhalb von vier Stunden eingearbeitet werden. Auch bei den Gewässerabständen wurden die Zahlen sowohl im Böschungsbereich wie in Hanglage angepasst.

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Rund 200 Landwirte aus vier Landkreisen hörten sich an, was in Zukunft auf sie zukommt.

Ein größeres Problem werde gerade für kleine Betriebe die Vorgabe, dass ab 2020 bei Ackerland und ab 2025 auf Grünland Gülle nur noch bodennah und streifenförmig ausgebracht werden darf. Teure Investitionen in die Technik lohnen sich bei kleinen Höfen nicht. Ob Ausnahmen möglich sind, werde sich im Einzelfall zeigen.

Weiterer Punkt war die Ausweitung der 170-kg-N-Regelung, zu der künftig nicht nur die tierischen, sondern alle organische Düngemittel, somit auch die pflanzlichen Stickstoffe, gerechnet werden. Ebenfalls ausgeweitet wurden die Sperrfristen, so dass künftig im Grünland ein zwei Wochen längeres Düngeverbot vom 1. November bis 31. Januar gelte. In begründeten Fällen könne landkreisweise beantragt werden, dass die Sperrfrist um vier Wochen nach hinten verschoben wird. Kreisobmann Wolfgang Scholz sagte, das sei in Zeiten der Klimaerwärmung ein wichtiger Punkt – die Kreisvorstandschaft Weilheim-Schongau habe heuer bereits eine Verschiebung auf 1. Dezember beantragt.

Die Lagerkapazität für Gülle betrage nun sechs Monate, für Festmist/Kompost zwei Monate. Da die neue Düngeverordnung bereits am 2. Juni in Kraft getreten ist, müssen Sperrfristen, Ausbringungsvorgaben und Düngebegrenzungen schon jetzt eingehalten werden. Die am Ende angesprochene, sehr kritisch gesehene Stoffstrombilanzverordnung bedeutet ab 2018 vorerst vor allem für viehintensive Betriebe und wahrscheinlich ab 2023 für alle Betriebe mit wenigen Ausnahmen eine weitere Erhöhung der Dokumentationspflichten.

Im Anschluss wurden noch einige Fragen der Bauern beantwortet, die bereits zuvor bei einigen Passagen an ihren Tischen zu diskutieren begannen. Der Vorwurf, dass nur die Landwirte an den hohen Nitratwerten oder Verschmutzungen im Wasser Schuld sein sollen, können viele nicht verstehen. Ortsobmann Josef Pröbstl beispielsweise gab die großen Biberpopulationen bei ihm in Polling zu bedenken. Ein Fachmann habe ihm einmal gesagt, dass „zwei Biber eine Kuh sind“. Für Pröbstl gehört untersucht, ob auch der Biber einen Eintrag ins Wasser hat.

Landwirt Josef Berchtold aus Birkland sprach dagegen vielen kleineren Betrieben aus dem Herzen, als er die Technikvorschrift der Gülleausbringung mit Schleppschlauch /-schuh als großen Eingriff in die Arbeit der Bauern betitelte. Wer sich die neue Technik nicht leisten könne, sei auf einen Lohnunternehmer angewiesen und dieser werde dann nicht unbedingt für kleine Flächen Zeit haben, wenn die Witterung passe.

Kathrin Zillenbiehler

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