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Die große Weihnachtskrippe ist immer noch der ganze Stolz von Hermine Peter (rechts), die 18 Jahre unter Mithilfe von Christine Beer (2.v. r.) das Aufbauen und Umstellen der Figuren übernommen hatte. Die Krippe lockt nicht nur zu Gottesdienstzeiten viele Besucher in die Kirche, wie man an den vier Kindern der Familie Knappich sehen kann.

Hermine Peter und die Weihnachtskrippe

Krippenfiguren zu neuem Leben erweckt

Seit über 30 Jahren bereichert die große Krippe zur Weihnachtszeit am Seitenaltar die Pfarrkirche St. Nikolaus in Bernbeuren. Hermine Peter nahm sich damals dem Einkleiden der Figuren an und investierte viel Zeit und Liebe in die dargestellten Personen.

Bernbeuren – In der Bernbeurer Chronik ist zu lesen, dass in den 1920er Jahren die große Jahreskrippe verschwand und danach keine mehr aufgestellt wurde. Mesner Werner Maier erklärte dazu, dass der damalige Pfarrer Weißhaupt verärgert einen Großteil der Krippe an ein Kloster verschenkte, nachdem mit den Figuren immer wieder Unfug getrieben wurde. Ein Teil davon, z.B. die Heiligen Drei Könige oder ein paar Tiere, wurden wieder gefunden und sind in die neuen Szenen mit eingebaut. Die Proportionen stimmen zwar nicht ganz zu den neuerworbenen Figuren, aber dafür sind sie sehr alt.

Die jetzige Krippe geht auf eine Initiative des bereits verstorbenen Ehepaars Anna und Viktorin Socher zurück. Socher baute auch das Wirtshaus, den Stall und die bäuerlichen Gerätschaften. Die Held-Schwestern, beide gelernte Akademiemalerinnen, erstellten damals die heimatlich gehaltene Krippenkulisse, die Bernbeuren, den Auerberg und die östliche Allgäuer Bergwelt im Hintergrund zeigt. Willi Kraut senior schreinerte das 2,70 Meter lange Krippengehäuse und weitere Helfer kümmerten sich um die schützende Glasscheibe oder die Restauration des Krippensterns.

Der damalige Pfarrer Josef Dolp befürwortete die Wiederbelebung der Krippe und stimmte 1983/84 dem Kauf von 18 Figuren zu. Insgesamt wurden es dann rund 30 Personen, denn auch Pfarrhaushälterin Walli Gsandner – allen nur als Fräulein Walli bekannt – oder Theresia Seif spendierten weitere Charakteren.

Und ab hier kam Hermine Peter ins Spiel, denn die gekauften, aus Holz geschnitzten Figuren, die jede zwischen 80 und 100 DM kosteten, waren allesamt nackt und mussten angezogen werden.

Der Frauenbund versuchte zunächst, über das Verteilen der Einzelfiguren das Projekt zu stemmen. Da dies scheiterte und eine einheitliche Gestaltung aus einer Hand sinnvoll erschien, wurde Peter gefragt, welche die Aufgabe mit viel Freude übernahm.

Zur Krippe gehören fünf Darstellungen, die sich über Maria Verkündigung, die Herbergssuche, die Heilige Nacht, die Heiligen Drei Könige bis hin zur Flucht nach Ägypten ziehen. Schaut man sich die einzelnen Bilder genauer an, erkennt man viele, liebevoll hergestellte Kleinigkeiten an den Personen. Wie den Wirt, der mit einer Kerze und Schlüsseln von Peters Spardose ausgestattet ist. Der Kleber im Brunnen wirkt wie echtes Wasser, aus Salzteig wurde eine Brotzeit für den Tisch vor dem Wirtshaus geformt.

In den Anfangszeiten halfen neben Hermine Peter (rechts in der Krippe kniend) auch Anna Socher (links) und Werner Gronemeier (Mitte) beim Aufbau mit.

Besonders imposant auch die Soldatengruppe bei der Flucht-Szene. Hermine Peters Mann hatte aus der Arbeit ein Messingschild mitgebracht, aus dem sie die Minirüstungen klopfte. Die Helme wurden alle per Hand aus Modelliermasse gestaltet, aus Leder wurde der untere Teil angefertigt – allein für diese Gruppe brauchte sie 14 Tage. Die Stoffe hatte sie aus ihrer „Fleckerlkiste“, denn es sollte ja alt und nicht modern ausschauen. Sie nutzte zahlreiche Hilfsmittel und bei der Arbeit war viel Feinmotorik gefragt.

„Zur Not hätte ich mir auch ein Büschel Haare abgeschnitten, wenn ich das gebraucht hätte“, lacht Peter. Sie übernahm von Beginn an im Jahr 1984 die folgenden 18 Jahre lang das Aufstellen, ihr zur Seite stand Christine Beer. „Der erste Aufbau zu Beginn der Adventszeit dauerte schon immer über zwei Stunden bis alles mit Moos ausgelegt und fertig war“, kann sich Peter noch erinnern.

„Das Umstellen ging dann schneller“, aber schon wegen der schweren Glasscheibe musste man immer zu zweit sein. Als sie dann nach Schongau zog, gab sie die Aufgabe ab, und seitdem kümmern sich Maier und Wilhelm Straif darum, denn neben dem Aufbau fallen immer wieder auch kleinere Restaurierungen an.

Die Krippe wird nicht nur zu Gottesdienstzeiten besucht. Im Advent kommen jeden Tag einige Besucher, teilweise mit Kindern, um zu schauen, ob sich wieder etwas verändert hat oder um mit einer Münze die Musik zum Erklingen zu bringen. So war es auch diese Woche, als Hermine Peter mit Christine Beer an „ihre Krippe“ kam. Der kleine Franz der Familie Knappich hatte ein Zehn-Cent-Stück dabei und startete ein Stück der Stubenmusik, die vor vielen Jahren verschiedene Melodien für die Krippe eingespielt hatte. Für die Kinder war es etwas Besonderes, dass die Glasscheibe fehlte und sie so die Schafe und Personen noch genauer anschauen und sogar berühren konnten.

„Als wäre es gestern gewesen“

Auch Peter nutzte die Gelegenheit, die Figuren herauszunehmen, etwas umzustellen und ihnen sachte über die Kleidung zu streichen. „Es kommt mir vor, als wäre es gestern gewesen“, gibt sie leise von sich. Ihre Augen suchen die Kulisse nach einem Mädchen mit Zöpfen und Schulranzen ab – diese Figur wird wohl erst in der nächsten Szene auftauchen.

Als Krippenfan hat sich natürlich auch daheim eine etwas größere Krippe. „In meinem kleinen Brunnen fließt echtes Wasser, die Nachbarskinder sind immer ganz begeistert, wenn sie zu Besuch sind“. Und etwas verbindet Peter auch jetzt in Schongau noch mit der Weihnachtskrippe in Bernbeuren – die Figuren der Heiligen Familie zu Hause auf dem Fensterbrett sind die gleichen wie in der Pfarrkirche im Stall.

Kahtrin Zillenbiehler

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