Gut gefüllt ist das Storchennest in Altenstadt, das unsere Leserin Christiane Barnickel vor wenigen Tagen fotografiert hat.
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Gut gefüllt ist das Storchennest in Altenstadt, das unsere Leserin Christiane Barnickel vor wenigen Tagen fotografiert hat.

 Dass die Storchpopulation steigt, liegt aber nicht an den Bedingungen vor Ort

Immer mehr Störche im Landkreis

  • Elena Siegl
    VonElena Siegl
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Immer mehr Storchennester südlich von München verzeichnet der Landesbund für Vogelschutz in Bayern. Auch im Landkreis sind heuer wieder einige Küken geschlüpft. Dass die Storchpopulation steigt, liegt laut Expertin Oda Wieding aber nicht an den Bedingungen vor Ort.

Landkreis – Wie viele Störche im Landkreis leben, das hat der Landesbund für Vogelschutz Bayern (LBV) auf einer Karte im Internet eingetragen. „Allerdings liegen noch nicht alle Daten vor“, so Oda Wieding. Manche Nester schauen zum Beispiel leer aus, obwohl sie besetzt sind, erklärt die Storchen-Expertin. Trotzdem geben die vorhanden Zahlen bereits einen Überblick über die Storchensituation im Landkreis Weilheim-Schongau. Und die schaut recht gut aus, zeigt sich die Expertin zufrieden.

Die Storchen-Hochburg bleibt Raisting. Ein Nest ist zwar leer geblieben, außerdem hat ein Storchenpaar keinen Nachwuchs bekommen. In sage und schreibe 17 Nestern hocken nebst Storcheneltern aber auch insgesamt rund 40 Küken.

Beim Storch schaut man genauer hin

Ein paar sind allerdings auch eingegangen, sagt Wieding. Das sei allerdings ganz normal. „Die Eisheiligen und Schafeskälte setzen den Störchen zum Beispiel regelmäßig zu“, sagt Wieding. Auch mehrtägigen Dauerregen gäbe es in der Region immer wieder. Im vergangenen Jahr sei das extrem gewesen (wir berichteten), doch auch heuer fielen Küken den Wetterumständen zum Opfer. „Wenn es dauerhaft regnet, fliegt nur noch ein Vogel zur Futtersuche aus und findet auch weniger“, erklärt Wieding. Das sei auch bei anderen Arten wie etwa Falken und Milanen der Fall. „Nur beim Storch schaut man genauer hin und es fällt mehr auf“, so die Expertin.

Auch wie die Situation im Landkreis Weilheim-Schongau aussieht, weiß Wieding. Ansprechpartner vor Ort melden ihr Beobachtungen. Zwei leere Storchennester aus vergangenen Jahren gibt es demnach zum Beispiel in Altenstadt. Aber auch Nachwuchs: Ein Storchenpaar hat sich Anfang März auf einem Strommasten am Angerweg niedergelassen und im April mit dem Brüten begonnen. Gleich vier Junge waren im Mai vom LBV in dem Nest registriert worden.

Mal auf dem Kirchendach, mal auf einem Strommasten

Auch in Burggen gibt es laut LBV ein Storchenpaar. Es hat sich erst heuer im Ort angesiedelt und zunächst vergeblich versucht, ein Nest auf dem Kirchendach anzubringen. Ihr Zuhause haben sie nun auf einem Strommast gefunden und drei Junge bekommen. In Bernbeuren hat sich ebenfalls ein Storchenpaar niedergelassen. Nachwuchs wurde dort allerdings nicht registriert.

Ein Storchenpaar mit einem Jungen lebt in Apfeldorf. Das Nest in Denklingen ist ebenso wie das in Antdorf heuer leer geblieben.

Tragisch liest sich der Eintrag zum Storchenpaar aus Pähl, das sich neu angesiedelt hat. Ihre Jungen sind im Juni alle gestorben. Nur ein kleines bisschen besser ist es einem ebenfalls neuem Paar in Sindelsdorf ergangen. Drei Jungen haben die Störche dort bekommen, wovon zwei gestorben sind.

„Klimadelle“ im Landkreis

In Fischen hat ein Storchenpaar nach einem Umzug vom Wohnhaus auf einen Strommasten vier Junge bekommen. Und in Obersöchering wurden drei Küken nebst Eltern gesichtet. In Oberhausen wurde ein Küken registriert.

Zwei überwinternde Störche haben in Weilheim fünf Junge bekommen, ein anderes Paar im Ort hat die Brut hingegen abgebrochen, beziehungsweise die Jungen sind kurz nach dem Schlüpfen gestorben. Ein weiteres Nest in Weilheim blieb von Anfang an leer.

Vier Storchenküken sind heuer in Wielenbach geschlüpft , eins ist jedoch eingegangen. Auch in Polling ist wahrscheinlich ein Küken bei Dauerregen gestorben. Das Storchenpaar hat aber noch ein weiteres Junges.

Dass die Störche sich in der Ammersee-Region, zu der Wieding auch den Landkreis Weilheim-Schongau zählt, wohlfühlen, hänge unter anderem an einer „Klimadelle“. Außerdem brüten Störche in der Nähe ihres eigenen Geburtsortes.

Kürzerer Weg = weniger Gefahren

Dennoch seien die Flächen, die die Störche hier vorfinden, nicht ideal. „Wenn eine Wiese gemäht wird, muss es eine andere geben, auf der die Störche genug zu fressen finden“, so Wieding. Viele Landwirte würden sich mittlerweile dabei engagieren. „Auf der anderen Seite fallen immer noch viele Flächen wegen Straßen- und Siedlungsbau weg“, sagt Oda Wieding.

Dass es seit der Jahrtausendwende immer mehr Störche in Bayern gibt, liege auch daran, dass die Vögel vermehrt in Spanien statt in Afrika überwintern und auf dem kürzeren Weg weniger Gefahren ausgesetzt sind.

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