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Der Hochbehälter am Goldstein ist einer von zwei Hochbehältern in Bernbeuren, die baulich und technisch saniert werden müssen, weil es um die Hygiene nicht mehr gut bestellt ist. Mehrfach wurden durch das Gesundheitsamt Keime im Wasser festgestellt worden. Deshalb wird bis zum Abschluss der Arbeiten weiter gechlort.

Chlorung wird aufrecht erhalten

Keime im Wasser: Gemeinderat in Bernbeuren wehrt sich gegen Kritik

  • Jörg von Rohland
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Die Bernbeurer werden noch eine Weile gechlortes Wasser zu sich nehmen müssen. In der jüngsten Sitzung des Gemeinderats erfuhren sie aus erster Hand, warum das Gesundheitsamt die dringend notwendige und umfassende Sanierung der Hochbehälter abwarten wird, bevor es die Chlorung einstellt.

Bernbeuren Wie berichtet, wird das Bernbeurener Wasser seit dem 8. Januar gechlort. Das Gesundheitsamt hatte eine „bakteriologische Grenzwertüberschreitung“ festgestellt. Bis auf Weiteres müssen die Bürger mit 0,1 Milligramm Chlor pro Liter Wasser leben. Es könne zu leichten Geruchs- und Geschmacksveränderungen kommen, „gesundheitliche Bedenken bestehen nicht“, heißt es. Das Trinkwasser könne weiterhin uneingeschränkt genutzt werden. In den USA sei der Chlorgehalt zehnmal höher.

Wegen des großen Interesses, wohl aber auch der Verunsicherung einiger Bürger hatte der Gemeinderat um einen Sachstandsbericht des Gesundheitsamts gebeten, den Hygieneinspektor Wolfgang Tilgner nun in der Sitzung vortrug. Sein Rückblick war nichts für schwache Nerven. Der Experte berichtete von Schimmel, Würmern, Spinnen und Maden. Es kreuchte und fleuchte in der Vergangenheit geradezu in einem der Trinkwasser-Hochbehälter der Gemeinde. 2017 waren bei einer Begehung die gravierenden Mängel festgestellt worden. Von abbröckelndem Deckenputz über Kalkablagerungen bis hin zum Ungezieferbefall war alles dabei. Das Fehlen von Fliegengittern wurde in einer 13-seitigen-Bilddokumentation beanstandet, es war die Rede von einem Fuchsbau sowie einer Holzdecke im Hochbehälter, an der sich die Schimmelpilze bildeten.

Gravierendste Mängel wurden 2017 behoben

Die gute Nachricht: Die gravierendsten Mängel sind laut Hygiene-Experte Tilgner nach der Beanstandung behoben worden. In den Jahren vor 2017 war aber offenbar einiges versäumt worden. Nach Angaben des Experten waren schon 2010 bei einer Begehung Mängel festgestellt worden, die offensichtlich nicht alle beseitigt wurden. Erst sieben Jahre später war das Gesundheitsamt wieder vor Ort und stieß auf die dann gravierenden Mängel. „Theoretisch“ müsste man sich das alle drei Jahre anschauen, räumte der Hygieneinspektor ein. „Aber wenn nicht genügend Personal da ist, ist das nicht möglich“, sagte er mit Blick auf seine Behörde, die derzeit vor allem mit der Corona-Virus-Epidemie ausgelastet ist. „Eigentlich könnte ich gar nicht hier sein, aber die Bürger sollen wissen, was Sache ist“, sagte Tilgner dazu.

Der Gemeinderat wehrte sich jetzt gegen Vorwürfe, bei den Mängeln in der Trinkwasserversorgung zu spät reagiert zu haben. Man habe 2017 nach dem Bericht des Gesundheitsamts alle möglichen Maßnahmen ergriffen und sei sich auch der Wichtigkeit bewusst: „Das Trinkwasser kommt vor jeder Internetleitung und jedem Straßenbau“, hieß es in der Sitzung, die knapp 25 Bürger aufmerksam verfolgten.

Tilgner bestätigte zwar, dass 2017 die größten Mängel beseitigt wurden. Er gab aber auch sein Unverständnis darüber zu erkennen, dass die geplante umfassende Sanierung der Hochbehälter nicht längst angegangen worden ist. „Jetzt haben wir 2020, und wir müssen chloren“, sagte er.

Gemeinde steckt in der Zweckmühle

Bürgermeister Martin Hinterbrandner wollte das so nicht stehen lassen. Er verwies einmal mehr auf die Zwickmühle, in der die Gemeinde steckt. Wie berichtet, hatte der Gemeinderat schon vor gut einem Jahr beschlossen, das damals mit rund 860 000 Euro veranschlagte Projekt anzugehen. Aufgrund eines Förderprogramms des Freistaats waren allerdings sämtliche Fachfirmen über Monate ausgelastet. „Die Geschichte war für 2019 gegessen, der Zeitplan ist in sich zusammengefallen“, erklärte der zuständige Ingenieur Peter Deubzner in einer der vorangegangenen Sitzungen (wir berichteten). Die Arbeiten werden jetzt erneut ausgeschrieben.

Sollten wieder keine Angebote eingehen, können die Aufträge wohl freihändig vergeben werden. Eine Kostensteigerung dürfte nicht ausbleiben. 2018 war man noch von 860 000 Euro ausgegangen, die die Sanierung der Hochbehälter kosten wird, jetzt sei man im Millionenbereich, heißt es.

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