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Ausführlich erklärte Bürgermeister Martin Hinterbrandner, warum er noch einmal Bürgermeister in Bernbeuren werden will. Einigen Besuchern war allerdings anzusehen, dass ihnen auch eine kürzere Fassung gereicht hätte. 

Bürgermeisterwahl in Bernbeuren

Hinterbrandner muss nicht, aber er will

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Er muss nicht, aber er will noch einmal Bürgermeister in Bernbeuren werden, betonte Rathauschef Martin Hinterbrandner am Montag bei seiner mit Spannung erwarteten Infoveranstaltung in der Auerberghalle. Rund 300 Besucher spendeten ihm Applaus. Überschwänglich war dieser aber nicht.

Bernbeuren– Nach rund eineinhalb Stunden blickte Martin Hinterbrandner in einige müde Gesichter. Die Rückschau auf seine knapp sechsjährige Amtszeit dauerte weit länger, als die Aussicht auf eine mögliche Zukunft mit ihm als erneuten Chef im Bernbeurener Rathaus. Der im Herbst von der Unabhängigen Wählergemeinschaft abgewählte Bürgermeister erklärte ausführlich, was der Gemeinderat unter seiner Regie alles auf den Weg gebracht hat. „Ich trete an“, lautete dazu der Untertitel einer Broschüre, die Hinterbrandner in der Halle verteilen ließ.

Der Kandidat erklärte auch, warum er sich nach der krachenden Niederlage im Herbst trotzdem zur Wahl stellt; diesmal bekanntlich für die SPD. Er habe Rückenwind gespürt, sagte er seinen Gästen. Leute hätten ihm nicht nur Mut zugesprochen, sondern ihn auch tatkräftig unterstützt, freute sich der 49-Jährige. Hinterbrandner ließ die Besucher aber auch wissen, dass er im Fall einer Wahlniederlage nicht vor dem Nichts stehen würde. „Ich habe tatsächlich andere Alternativen, ich muss nicht Bürgermeister bleiben.“ Das sei für ihn eine „wahnsinnige Erleichterung“.

Angriffe unter die Gürtellinie

Aber er will natürlich Rathauschef bleiben: „Wir haben Fahrt aufgenommen, und die will ich nicht stoppen“, sagte der 49-Jährige mit Blick auf die Arbeit im Gemeinderat. Dass er das jetzt als SPD-Bürgermeister machen möchte, darin sieht Hinterbrandner kein Problem: „Dass ich ein Sozi bin, weiß hier drin jeder, ich habe ein Gerechtigkeitsbild, hinter dem ich mich nicht verstecken brauche.“ Die Angriffe gegen ihn bei Facebook seien „extrem unter die Gürtellinie gegangen“, beklagte sich der 49-Jährige auch darüber, dass sogar seine Familie mit hineingezogen worden sei.

Hinterbrandner ging ausführlich auf all die Vorwürfe ein, die ihm in den vergangenen Monaten direkt oder indirekt gemacht worden waren. Vor allem nannte er die Supermarktpläne im Ort. Bekanntlich gab es auch Ideen für Alternativen zum Schnitzerstadel-Areal, die zum Teil aber erst bekannt wurden, als es zu spät war. Im Gemeinderat sei ausführlich diskutiert und entschieden worden, betonte Hinterbrandner nun.

Schnitzerstadel soll im Wahlkampf außen vor bleiben

Natürlich war der Schnitzer-Stadel selbst auch ein Thema der Wahlveranstaltung. Eigentümer Ignaz Keck ging ans Mikrofon und erläuterte den Stand der Dinge (sie he unten). So wie es aussehe, sei der Standort „die beste Wahl, die wir kriegen können“, bekräftigte danach der Bürgermeister einmal mehr. Der „Schnitzer“ sei für ihn aber „kein Wahlkampfthema“. Der Gemeinderat werde noch entscheiden, „wir halten ihn aus dem Wahlkampf raus“.

Reichlich Komplimente fürs Dorf

Zum Schluss verteilte Hinterbrandner reichlich Komplimente an das Dorf, in das er als Zugezogener hineinwachsen musste. „Ich bin hier einfach sau gerne.“ Der 49-Jährige sprach sich für den Erhalt der Schule aus, die „wenigstens bis zur 4. Klasse“ im Dorf bleiben soll. Und er lobte Veranstaltungen wie die „Auerberg Klassik“. „So etwas muss ein Dorf erstmal auf die Füße stellen.“ Hinterbrandner: „Ich muss nicht bei jeder Veranstaltung dabei sein, ich gehe da hin, weil es für mich eine Ehre ist.“

Stadel-Eigentümer nimmt Stellung

„Ich werde das ganze Gebäude mit Schnitzerstadel los, irgendwie“, versicherte Eigentümer Ignaz Keck den Besuchern in der Auerberghalle. Wie berichtet, stehen Gasthaus und Stadel für 500 000 Euro zum Verkauf, und es gibt Überlegungen, dass die Gemeinde das denkmalgeschützte Ensemble erwerben könnte. 

Umbau unterm Strich viel zu teuer

Keck ließ das für ihn zermürbende Jahr 2019 Revue passieren, in dem selbst er oft nicht wusste, wie die Überlegungen von Landratsamt und Denkmalschutz vorangekommen sind. Keck berichtete nun von bislang unveröffentlichten Architekten-Plänen, die vorsehen, das Gelände um den Stadel aufzuschütten, um die im Obergeschoss vorgesehene Fläche des Supermarktes mit Anbauten auf 1000 Quadratmeter erweitern zu können. Unterm Strich wäre der Umbau laut Keck aber viel zu teuer. Selbst nach 15-jährigem Betrieb des Stadels wäre noch eine Investitionssumme von 1,5 Millionen Euro offen, erläuterte der Eigentümer. Immerhin: Zuletzt hat Keck erfahren, dass nun das Gasthaus als „Hauptdenkmal“ angesehen wird und sich alles andere unterzuordnen habe.

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Alle Nachrichten zur Kommunalwahl am 15. März 2020 im Landkreis Weilheim-Schongau lesen Sie auf dieser Themenseite.

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