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Bildhauer Thomas Schöne mit der aus Schnee nachgebauten Pieta von Michelangelo. Das Kunstwerk steht in Schönes Garten in der Frankau.

Ungewöhnliche Skulptur

Ein Michelangelo aus Schnee

Über den vielen Schnee freuen sich nicht nur die Skifahrer und Langläufer, sondern auch ein Künstler wie Thomas Schöne aus der Frankau (Gemeinde Rettenbach). Die Schneemassen geben ihm als Bildhauer beste Gelegenheit, um große Skulpturen zu kreieren – wie jetzt die Pieta von Michelangelo.

Rettenbach – „Das Material kostet nichts, ist in ausreichender Menge vorhanden und räumt sich bei Zeiten von selber auf“, schmunzelt Thomas Schöne. Der 57-jährige gebürtige Westfale wohnt seit 14 Jahren in der Frankau. Sein Künstlerhaus kennt dort jeder. Es ist wie eine Burg im König-Ludwig-Stil – sogar mit Drachenhöhle.

Aber: „Ich bin ein großer Fan von Michelangelo“, gesteht der Künstler, und deshalb hat er sich für eine Schneeskulptur die Pieta von Michelangelo vorgenommen, sich sozusagen an „eines der großartigsten Meisterwerke der Kunstgeschichte“ gewagt.

„Wichtig ist, dass genügend Schnee zur Verfügung steht und die Temperatur genau passt“, erklärt der Künstler. Nicht dass es ihm so geht wie im vergangenen Jahr. Damals hat er auf einer nahen Wiese die österreichische Kaiserin Sisi in Originalgröße aus Schnee modelliert, „und am nächsten Tag hat das Tauwetter eingesetzt“, zeigt sich Schöne immer noch enttäuscht, dass sich seine Arbeit damals so schnell in Wasser aufgelöst hat. Auch eine Sphinx hat er schon einmal aus Schnee nachgebaut („So groß wie ein Auto“).

Heuer waren die Voraussetzungen optimal, um sich an ein ganz großes Werk heranzuwagen, das hoffentlich noch längere Zeit zu bewundern ist – sofern das Wetter mitspielt. Und da sind die Prognosen gar nicht schlecht.

Griffiger Schnee, ein bisschen schwer, in rauen Mengen vorhanden und Temperaturen um den Gefrierpunkt – unter diesen idealen Bedingungen hat sich Schöne in dieser Woche ans Werk gemacht – immer Michelangelos Pieta vor Augen. Der große Schneeberg in seinem Garten war gut zu bearbeiten. Als Werkzeuge dienten lediglich ein großes Fleischermesser, ein Spaten und ein kleines Modelliermesser. Auch die Details der Pieta wurden originalgetreu nachgebildet. Alles ist massiv – ohne Hohlraum.

Wie lange er gebraucht hat, um dieses Kunstwerk aus Schnee zu schaffen? „Sechs Stunden“, verrät der Bildhauer und Kunstmaler. Normalerweise entwirft er Kunstwerke in einer Größe von 30 bis 50 Zentimetern. Aber wenn er mit Schnee arbeitet, kann sich der 57-Jährige richtig austoben. „Das ist wie ein Training für mich“, sagt Schöne, der auf Wunsch auch größere Arbeiten anpackt. Weil immer noch viel von der weißen Pracht vor der Türe liegt, schwebt ihm als nächstes Projekt ein galoppierendes Pferd vor – ebenfalls aus Schnee. Wer in die Frankau kommt, dem bleiben Schönes Kunstwerke nicht verborgen.

Das künstlerische Schaffen des 57-Jährigen erstreckt sich keineswegs nur auf Schneeskulpturen, sondern er hat sich auch in anderen Bereichen längst einen Namen gemacht. Seine esoterischen Arbeiten sind ein Begriff, außerdem arbeitet er für Verlage wie Arsmundi und Strassacker, die Skulpturen verkaufen. Schöne ist auch Spezialist für Raumgestaltung, Illusionsmalerei, Gemälde, Skulpturen, Grafiken, Illustrationen, Puppen, Zeichnungen und vieles mehr. Und für die Krimiserie „Der Alte“ hat Schöne eine Bilderserie entworfen, die als Ausstattung im Fernsehen zu sehen sein wird.

MICHAEL GRETSCHMANN

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