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Zwiegespräch: Bevor der W isschenschaftsausschuss tagte, tauschten der Abgeordnete Thomas Goppel (CSU) und Bürgermeister Martin Hinterbrandner im Saal noch kurz ihre unterschiedlichen Ansichten aus.

Landtag vertagt Petition 

Goppel will im Stadel-Streit vermitteln

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Im Ringen um den Abriss des Schnitzerstadels deutet sich eine Rolle Rückwärts an. Der Landtag hat die Petition aus Bernbeuren vertagt und möchte geprüft sehen, ob der Supermarkt nicht doch im Stadel betrieben werden kann. Der Abgeordnete Thomas Goppel will vor Ort vermitteln. Schon kommende Woche wird sich dazu eine Elefantenrunde in Bernbeuren treffen.

München/Bernbeuren – „Gefahr in Verzug“ sah der Wissenschaftsausschuss gestern im Landtag, als die Petition aus Bernbeuren zur Sprache kam. Es war die Rede davon, dass der Stadel schon nächste Woche abgerissen werden soll. Bürgermeister Martin Hinterbrandner, der hinten bei den Zuhörern Platz genommen hatte, traute seinen Ohren nicht und empfand die Unterstellung als Ungeheuerlichkeit. „Wir werden nicht widerrechtlich abreißen, da hätten wir unauffälligere Möglichkeiten gehabt“, erklärte er dem Ausschussvorsitzenden Professor Michael Piazolo.

Für die Auerberggemeinde stand gestern viel auf dem Spiel. Wie mehrfach berichtet, wünscht sich der Ort nichts mehr als einen Supermarkt in der Ortsmitte. Einzig der Schnitzerstadel steht dem Vorhaben im Weg. Dem von Gemeinde und Investor geplanten Abriss und Neubau machte jedoch der Denkmalschutz einen Strich durch die Rechnung und mit ihm das Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Der Investor hat Klage beim Verwaltungsgericht eingelegt, und es wurde die Petition an den Landtag gestellt, über die nach langem hin und her jetzt endlich entschieden werden sollte.

Der Chef des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, Professor Mahias Pfeil, erläuterte dem Wissenschaftsausschuss gestern einmal mehr die Sicht der Denkmalschützer. Das Ensemble von Gasthaus und Stadel präge maßgeblich den Ortskern Bernbeurens. Der Ortskern zähle zu den am besten überlieferten Dorfensembles in der Region. „Es mutet beinahe widersinnig an, dass ein Gebäude abgerissen werden soll, das für das Ortsbild so wichtig ist und gut erhalten werden kann. Zudem bietet es das Potential, umgenutzt zu werden“, meinte Pfeil, der auch darauf hinwies, dass der „außergewöhnlich vollständig erhaltene Stadel“ zudem seit 2017 als Einzelbaudenkmal in der Bayerischen Denkmalliste geführt werde.

Auch der Landtagsabgeordnete Thomas Goppel (CSU) setzte sich vehement für den Erhalt des Stadels ein: „Wenn neu gebaut wird, ist das Ensemble im Eimer“, sagte er. Der Wissenschaftsausschuss kam letztlich zur einhelligen Meinung, dass der Streit nicht im Landtag gelöst werden kann. Die Petition wurde vertagt, wann sie wieder auf den Tisch kommt, steht in den Sternen.

Thomas Goppel soll nun in Bernbeuren die Vermittlerrolle übernehmen. Kommende Woche will der ehemalige Staatsminister Denkmalschutz, Investor, Gemeinde und die Firma Feneberg, die den Markt betreiben will, an einen Tisch bringen. Laut Bürgermeister Hinterbrandner zeigen sich alle offen für das Gespräch. Auch Feneberg, der aber einen nachhaltigen wirtschaftlichen Betrieb als Bedingung stellt. Daran zweifeln Gemeinde und Investor in einem umgebauten Stadel bekanntlich nicht erst seit gestern. Hinterbandner weist einmal mehr auf zwei erstellte Gutachten hin, die zu wenig Platz prognostizieren. Für einen wirtschaftlichen Betrieb würden mindestens 800 bis 900 Quadratmeter benötigt. Das Landesamt für Denkmalpflege ist der Ansicht, dass 800 Quadratmeter möglich sind und will eine Machbarkeitsstudie auch finanziell unterstützen.

Überraschend deutliche Worte fand gestern der FDP-Landtagskandidat Martin Zeil: „Die heutige Nicht-Entscheidung des Wissenschaftsausschusses bedauere ich.“ Der Abriss des Stadels unter gleichzeitiger Erhaltung der benachbarten Schnitzer-Wirtschaft als Denkmal wäre seiner Meinung nach „gerechtfertigt“.

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