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Herrliches Spektakel auf der Bühne der Auerberghalle: Den Argumenten von Fanclub-Leiterin Mira Bell (Elisabeth Jocher, 2.v.li.) kann sich Franz Hirschfeld (Markus Zillenbiehler, li) nicht entziehen. R echts Wolfgang Keck als Bodo Käseberg und Kathrin Zillenbiehler als Event-Managerin Regina Rautenstengel. 

Landvolk-Theater in der Auerberghalle

Pointen-Dichte von 100 Prozent bei „Für immer Disco“

„Für immer Disco“ heißt der unterhaltsame Schwank, den die Theatergruppe der Katholischen Landvolk-Bewegung (KLB) und der Landjugend-Bewegung (KLJB) in Bernbeuren auf die Bühne der dortigen Auerberghalle gebracht hat – und noch fünfmal bringen wird.

Bernbeuren – Bei der Premiere sind die Lachmuskeln der rund 100 Besucher arg strapaziert worden.

Disco: Da denkt man an Schlaghosen, Glitzerfummel, Platteausohlen und den guten alten Kassettenrecorder. Für Franz Hirschfeld (Markus Zillenbiehler) und Bodo Käseberg (Wolfgang Keck) hat Disco noch eine ganz andere Bedeutung: Als Gewinner des Bravo-Disco-Boy-Contests erhielten sie einst einen Plattenvertrag – und mischten als „Glitterboys“ die Dorf-Discos auf. Wie der Franz dieses bewegte Kapitel seiner Jugend seiner Ehefrau Birgit (Gabi Brack) verheimlichen konnte, bleibt ein Rätsel dieses Stücks.

Jedenfalls fällt sie aus allen Wolken, als plötzlich Eventmanagerin Regina Rautenstengel (Kathrin Zillenbiehler) auftaucht und das mittlerweile zerstrittene Duo auf Revival-Tournee schicken will. Rautenstengels Überredungskunst und einige Nullen im Honorarvertrag wirken aber Wunder: Der Auftritt der „Glitterboy“-Fanclub-Leiterin Mira Bell, die geradezu lustvoll in der Schmutzwäsche ihres Idols „Frankie“ wühlt, tut ein Übriges. Ein straffes Übungsprogramm, unterstützt von Testosteron- und Botoxspritzen, soll aus den „Knitterboys“ wieder die legendären „Glitterboys“ formen.

Soweit die Steilvorlage zu dem Stück, dem Autor Andreas Wening noch einige Nebenschauplätze beigemengt hat. So hat Elisabeth Schwarz eine Parade-Rolle als pubertierende „Prinzessin“ Lena, die ihren Eltern Birgit und Franz das Leben schwermacht. Karl Egner gibt den Fernsehproduzenten Viktor Winsel, der Lena zu einem Casting überredet, Franziska Ehlich das Promi-Sternchen Coco Cabana, das so etwas längst hinter sich hat. Lacherfolge erzielt auch Matthias Ehlich als Stöckelschuh-tragender Tanz- und Catwalk-Coach Hossa Rodriguez.

Lustvoll wird in Klischee-Kisten gewühlt, werden Witze, Lebensweisheiten und Bonmots gemengt, so dass die Pointen-Dichte im Text gegen 100 Prozent geht. Die Theatergruppe bringt das alles mit unbändiger Spiellust, trockenem Humor und Mut zu unvorteilhaften Kostümen auf die Bühne. Schon das Bühnenbild ist ein visueller Ausflug in die 70er-Jahre mit der beliebten Eiche-Rustikal-Möblierung, Butzenglasscheiben, Kassetten-Radio und der unvermeidlichen Yucca-Palme in der Ecke. Witzige Regie-Einfälle wie ein kreischender Fanclub vor der Türe erzielen immer wieder Lachsalven im Publikum. Lediglich die musikalische Umrahmung in den Pausen passt nicht ganz zum Thema.

Dafür greifen Katrin (Harfe), Johanna und Sepp Wohlfahrt (beide Akkordeon) sowie Georg Hiltensberger (Akkordeon) umso beherzter in ihre Instrumente und liefern zünftige Volksmusik. „Stayin’ Alive“ auf der Harfe wäre auch wirklich eine große Herausforderung gewesen. Dass der Schwank zu guter Letzt eine dramatische Wende nimmt und fast zum Krimi wird, tut der Begeisterung bei den Zuschauern keinen Abbruch. 


Weitere Aufführungen: Wer jetzt neugierig geworden ist, hat noch am Samstag, 28. Oktober, Montag, 30. Oktober, Dienstag, 31. Oktober sowie am Freitag und Samstag, 3./4. November, jeweils um 20 Uhr Gelegenheit, das unterhaltsame Stück in der Auerberghalle zu sehen. Karten zu acht und vier Euro (12 bis 16 Jahre) können unter Telefon 08860/350 bestellt werden.

Ursula Fröhlich

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