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Die Bäckerei Heiligensetzer hat in Bernbeuren eine lange Tradition, und die scheint jetzt zu Ende zu gehen.

Wegen Feneberg-Ansiedlung

Letzter Bernbeurer Bäcker schließt aus Wut auf Gemeinde

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Die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer: Die letzte Bäckerei in Bernbeuren schließt. Und zwar schon am kommenden Freitag. Grund: Karl Heiligensetzer sieht durch die Pläne eines Verbauchermarkts seine Existenz bedroht. Der Bäckermeister erhebt schwere Vorwürfe in Richtung Bürgermeister und Gemeinderat.

Update vom 2. Juli 2017: 1908 Bürger entscheiden heute in Bernbeuren über die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes. Wir vermelden umgehend das Ergebnis des Bürgerentscheids zum Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren.

BernbeurenEin großes Plakat in Leuchtfarben prangt seit Mittwoch vor dem Eingang der Bäckerei. Darauf kündigt Karl Heiligensetzer unmissverständlich an, die Bäckerei zuzusperren: „Nachdem unser Bürgermeister und unsere Gemeinderäte anscheinend nichts anderes mehr im Kopf haben, als den letzten Ladengeschäften die Existenzgrundlage zu entziehen, sehe ich mich leider gezwungen, mein Geschäft zu schließen. Vielen Dank dafür!“

Ein Zettel informiert über die Bäckereischließung.

Bei dem 56-Jährigen persönlich nachgefragt, findet dieser deutliche Worte. Die verstärkten Diskussionen rund um den geplanten Fenebergmarkt beim Gasthaus Schnitzer bereiteten ihm nicht nur massive Sorgen, „es greift mich auch gesundheitlich an“. Heiligensetzer befürchtet, dass sich schon der Markt nicht tragen werde, seine Bäckerei zusätzlich erst recht nicht. „Ich komme gerade so über die Runden, ein weiteres Angebot ist einfach zu viel“, ist sich Heiligensetzer sicher, zumal heutzutage ohnehin 90 Prozent aller Backwaren im Discounter verkauft würden. Der Bäckermeister befürchtet, dass der geplante Fenebergmarkt letztlich auch dem örtlichen Metzger die Luft nehmen könnte.

„Mit voller Wucht ins Kreuz getreten“

Heiligensetzers Kritik zielt vor allem auf „den Hauptinitiator des Marktes“, Bürgermeister Martin Hinterbrandner, ab: „Er ist die schlechteste Kundschaft des ganzen Gemeinderates. Wenn er seine Daseinsversorgung haben will, sollte man auch im Dorf einkaufen.“ Auch wenn zum einen noch nicht einmal feststeht, ob der Markt tatsächlich gebaut wird – derzeit sind die denkmalschutzrechtlichen Hürden hoch (wir berichteten) – zum anderen eine mögliche Eröffnung des Verbrauchermarkts in Bernbeuren vor Mitte/Ende 2018 kaum realistisch ist, will sich Heiligensetzer nicht mehr umstimmen lassen: „Ich arbeite sieben Tage die Woche, und wenn man mir dann mit voller Wucht ins Kreuz tritt, dann sage ich jetzt, rutscht mir den Buckel runter.“

Den Bürgermeister ereilte die Nachricht am späten Mittwochvormittag. „Das ist schade, aber ich kann es nicht ändern.“ Was ihn vor allem überraschte habe, sei der Entschluss der sofortigen Schließung. „Da ist noch lange hin.“ Klar sei Hinterbrandner auch, dass man „wahrscheinlich an anderer Stelle mehr Reichtümer anhäufen kann, als mit einer Bäckerei oder im Einzelhandel“. Aber nach Hinterbrandners Meinung hätte ein Markt „die Bäckerei vor Ort auch stärken können“. Dazu hätten Gespräche geführt werden müssen zwischen allen Beteiligten, wofür es derzeit aber noch zu früh sei, man befände sich noch nicht in der Detailabstimmung. „Hierfür gehört aber auch eine gewisse Offenheit: Wenn ich nichts verändere, verändern mich andere“, so Hinterbrandner in Richtung Heiligensetzer. Er sieht sich als Bürgermeister jedoch in seinen Bemühungen bestätigt: „Der Anschlag bestärkt die Gemeinde, wir müssen vorsorgen.“

Traditionsbetrieb seit 128 Jahren

Karl Heiligensetzer ist in Bernbeuren aufgewachsen und seit 42 Jahren Bäcker, absolvierte seinen Meister 1984 und übernahm 1987 den elterlichen Betrieb. Gegründet wurde die Bäckerei im Jahre 1889 von seinem Urgroßvater, damals noch in einem Haus an der Burgstraße. 1909 siedelte man dann an den Marktplatz über. Sechs Aushilfskräfte arbeiten für Heiligensetzer, denen er am Dienstag in einer Betriebsversammlung seinen Entschluss, aufzuhören, mitteilte. Der Abverkauf der Waren erfolgt ab Montag, am Freitag, 12. Mai, soll das letzte Mal geöffnet sein. Damit schließt der letzte von zuletzt drei Bäckern in Bernbeuren.

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