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Abtransport des beschädigten Bernbeurer Maibaums im Juni 2015 – den neuen stellen wieder die Trachtler auf.

Maibaum in Bernbeuren

Nicht nur Brauchtum, sondern auch Risiko?

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Bernbeuren - „Es ist ein Ärgernis ohne Ende.“ So fasst Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner die Formalitäten zusammen, die rund um das Aufstellen eines Maibaumes erledigt werden müssen. Können die Trachtenvorstände im Oberland noch ruhig schlafen oder wer haftet, wenn etwas passiert?

Nachdem im vergangenen Jahr der Maibaum in Bernbeuren wegen eines Blitzschlags aus Sicherheitsgründen nach nur 46 Tagen wieder umgelegt werden musste, ist man schon wieder in den Vorbereitungen für den großen Tag. Natürlich werden auch in diesem Jahr die Burschen des Bernbeurer Trachtenvereins D’Auerbergler das Traditionsstangerl in die Höhe stemmen, traditionsgemäß wurde der Baum auch längst gefällt. Doch auch gewisse bürokratische Vorbereitungen sind notwendig. Bürgermeister Martin Hinterbrandner kritisierte in der jüngsten Gemeinderatsitzung, dass den Versicherungen mittlerweile Einzelpersonen genannt werden müssen statt pauschal einen Verein zu melden.

Konkret beauftragte der Gemeinderat Armin Haf als Vorsitzenden des Trachtenvereins. „Aber da steckt immer auch ein Risiko mit drin“, bemängelt Hinterbrandner und befürchtet, dass die Gemeinden irgendwann niemanden mehr finden, der diese Aufgabe freiwillig übernimmt. „Es kann schon sein, dass ich mich irgendwann frage, ob ich mir das auch noch antun muss“, versetzt sich Hinterbrandner in die Lage der Verantwortlichen.

Verantwortlicher kann noch ruhig schlafen

„Also ich kann noch ruhig schlafen, da gibt es ganz andere Dinge“, lacht Armin Haf. Die Bernbeurer sind ohnehin doppelt versichert. Für alle Schäden, die durch den Baum oder angebrachte Teile wie Schilder entstehen, haftet die WWK, eine Gruppenversicherung, die sie über den Bayerischen Trachtenverband abgeschlossen haben. Die Gemeinde hat sich über die Bayerische Versicherungskammer abgesichert.

Kann überhaupt jemand persönlich haftbar gemacht werden, wenn der Maibaum etwas beschädigt oder gar jemand beim Aufstellen verletzt würde? Vorsicht sei geboten, wenn Mitarbeiter der Kommune sich beteiligen, so Stefan Liebl von der Bayerischen Versicherungskammer. Es sei fraglich, ob die kommunale Unfallversicherung eintrete, „denn das Maibaumaufstellen gehört vermutlich nicht zu den gemeindlichen Aufgaben“. Der Versicherungssprecher rät dazu, dies vorab abzuklären.

Die private Unfallversicherung, die jeder der Vereinsmitglieder haben sollte, trete ein, wenn sich einer der Helfer persönlich beim Baumaufstellen oder einer Arbeit, die damit zu tun hat, verletzt. Wenn ein Sachschaden entsteht oder gar ein Zuschauer zu Schaden kommt, trete dagegen die Haftpflicht ein. Für solche Fälle muss die Gemeinde vorab die Kommunale Haftpflichtversicherung erweitert haben. Der Vorsitzende und die Mitglieder des Vorstandes werden namentlich benannt. Die Trachtler, die mit Hand anlegen, müssen nicht mehr einzeln aufgeführt werden, andere Privatpersonen aber wohl. Und zwar im Vorfeld, wie Liebl betont. Sind diese Formalitäten erledigt, können alle unbeschwert ans Werk gehen, denn persönlich haftbar gemacht werde im Schadensfalls niemand, auch nicht der Vereinsvorsitzende. Liebl: „Niemand wird regresspflichtig gemacht, aber nur eine juristische Person zu benennen, reicht leider nicht aus.“

Konkrete Zahlen gibt es nicht 

Wie viele Schäden tatsächlich vorkommen, kann der Versicherungssprecher nicht beziffern, aber „es ist nicht nur Brauchtum, sondern auch ein Risiko“. Wenn nun etwa Privatpersonen wie die Schafkopfbrüder einen Maibaum in die Höhe hieven wollen, seien diese gut beraten, eine Versicherung abzuschließen. Für das zeitlich begrenzte Aufstellen von Traditionsbäumen gibt es daher eine spezielle Versicherung – ohne oder mit Baumfällung koste diese laut Liebl derzeit zwischen 115 und 180 Euro. Und ganz gleich, wer nun beauftragt ist: Wenn die Maibaumbewacher unaufmerksam sind, zahlt natürlich niemand. „Eine Diebstahl-Versicherung gibt es nicht“, schmunzelt Liebl. Auf der Auslöse für die Maibaumdiebe bleibt notfalls auch der Privatmann sitzen.

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