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Ausgezeichnet: Marion Socher (re.) aus Bernbeuren mit Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml.

Marion Socher aus Bernbeuren ausgezeichnet

Keine Scheu vor „Juckis“ und „Schuppis“

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Mit dem „Weißen Engel“ ist Marion Socher von der Bayerischen Gesundheitsministerin Melanie Huml ausgezeichnet worden. Die 46-Jährige aus Bernbeuren gründete vor zwölf Jahren die Selbsthilfegruppe für Hautgeschädigte am Auerberg und ist seitdem auch Vorsitzende des Deutschen Neurodermitis-Bundes für den südbayerischen Raum.

Bernbeuren– Mit Energie, jeder Menge Selbstbewusstsein und mindestens ebenso viel Humor geht Marion Socher an ihre Aufgabe heran. Sie organisiert regelmäßige Treffen der Selbsthilfegruppe, gibt Auskünfte, betreibt Aufklärung über die verschiedenen Hauterkrankungen, lädt Ärzte oder Heilpraktiker zu Fachvorträgen ein. Auch in Bernbeuren hatte sie schon einen Hauttag organisiert, viel Arbeit, aber auch tolle Resonanz. Dabei weiß sie selbst nur zu genau, was es heißt, ein „Jucki“, „Schuppi“oder „Flecki““ zu sein. Die Schuppenflechte hat ihren Körper seit ihrem 15. Lebensjahr fest im Griff. Dies ging jetzt so weit, dass sie aus lauter Not eine spezielle Spritzentherapie begonnen hat. „Noch vor ein paar Wochen hätte ich die Auszeichnung nicht persönlich entgegennehmen können.“

Was sie selbst während der vergangenen 30 Jahre aufrecht erhalten hat, waren mehr oder weniger regelmäßige Besuche am Toten Meer. Als Jugendliche war sie erstmals in Israel mit ihrer Mutter, heute organisiert sie selbst Kur-Aufenthalte am Toten Meer in Jordanien. Wer eine Reise tut, kann etwas erleben. Wer eine organisiert, noch viel mehr. Vor allem, was beispielsweise Abrechnungen mit Krankenkassen anbelangt. Dicke Aktenordner hat sie angelegt, sammelt von Mitgliedern der Selbsthilfegruppe Bescheide, um anderen bei ihrer Argumentation mit ihrer Krankenkasse helfen zu können, wenn mal wieder ein Reha-Antrag abgelehnt worden ist. Medikamente sind teuer, Aufenthalte an dem lindernden Nass werden nur teilweise übernommen, nicht jeder kann sich Zuzahlungen leisten.

Zehn mehrwöchige Reisen hat sie in den zwölf Jahren organisiert, war meist nicht nur als Betroffene, sondern auch als Reiseleiterin dabei. „Das ist Stress pur, jeder erzählt einem seine Probleme, Kindergarten ist Quatsch dagegen“, bringt es Marion Socher auf den Punkt. Und lacht. Aber das Tote Meer möchte sie auf keinen Fall missen, sie hat ein familiäres Verhältnis zum Besitzer des Hotels mit integrierter Fachklinik aufgebaut, eine Stunde von Amman entfernt.

Was Marion Socher von den Salzkuren erzählt, hört sich alles andere als nach Urlaub an. Sonnen, baden, liegen – bei 45 Grad acht Stunden täglich, immer im Wechsel. Bei teils großflächig offenen Hautpartien. Bei den Neurodermitikern, den „Neuros“, muss das Wasser zunächst sogar verdünnt werden, sonst ist es gar nicht auszuhalten. Wer das durchsteht, hat eine Chance auf Linderung. „Das Tote Meer gibt ein Stück Lebensqualität zurück; es hält nicht für ewig, aber es gibt einen kurzen Moment, an dem die Menschen wieder sie selbst sein können.“

Das „Mensch sein“ bezieht sich auch auf die Mitmenschen, denn Marion Socher ist es wichtig, dass Vorurteile gegenüber den Erkrankten abgebaut werden bzw. erst gar nicht entstehen. Ihre Bitte: „Man darf die Menschen nicht mit Verachtung strafen, sondern sollte offen und ohne Scheu auf sie zugehen – die Leute sind mit dem, was sie haben, schon gestraft genug und froh, wenn sie darüber reden können.“

Marion Socher weiß, dass viele Menschen mit Hauterkrankungen gar nicht mit ihrem Leben klar kommen. „Wir sitzen alle in einem Boot, nur sind die Boote anders gelagert“, so Socher. Zusammen geht es dann aber besser. „Wir betreiben gemeinsame Selbsthilfe.“ Einen Hut zieht sie dabei vor den Angehörigen, im Speziellen natürlich vor ihrer eigenen Familie, ihrem Mann und den drei Kindern, die das all die Jahre mitgetragen haben.

Die Auszeichnung zum „Weißen Engel“, mit der langjähriges Engagement im Gesundheits- oder Pflegebereich gewürdigt wird, hatte sie überrascht. „Ich bin niemand, der gerne im Mittelpunkt steht“, sagt die Bäuerin. Aber der kleine Dank fürs Ehrenamt hat sie dann doch gefreut. Besonders, dass auch Bürgermeister Martin Hinterbrandner an der Verleihung teilgenommen hatte. Und über das Schreiben von Landrätin Andrea Jochner-Weiß.

Info: Die Homepage der Selbsthilfegruppe wird derzeit neu aufgebaut, soll bald wieder unter www.shg-auerberg verfügbar sein. Kontakt zu Marion Socher via E-Mail unter info@shg-auerberg.de.

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