+
Der Hochbehälter am Goldstein ist einer von zwei Hochbehältern in Bernbeuren, die baulich und technisch saniert werden müssen, weil es um die Hygiene nicht mehr gut bestellt ist. Damit allein ist es nach Expertenmeinung aber nicht getan.

Marode Trinkwasser-Versorgung

Bernbeuren steht vor einer Millionen-Investition

  • Jörg von Rohland
    vonJörg von Rohland
    schließen

Die Bernbeurener müssen sich darauf einstellen, dass im schlimmsten Fall ein weiteres Jahr lang nur gechlortes Wasser aus ihren Leitungen fließt. Bis die marode Versorgung in der Auerberggemeinde komplett saniert ist, wird es wohl noch deutlich länger dauern. Und es wird teuer. Kommende Woche will der Gemeinderat konkrete Schritte beschließen.

Bernbeuren – Dieses Mal musste Burkhard Bittner nicht auf halbem Weg zwischen Ansbach und Bernbeuren wieder umkehren. Im März war dem Prokuristen und Planer der Firma PfK genau das widerfahren. Er wollte dem Gemeinderat schon damals vor Augen führen, wie schlimm es um die Bernbeurer Trinkwasserversorgung bestellt ist.Wegen des erbitterten Streits zwischen Wasserwart Franz Grieser und Bürgermeister Martin Hinterbrandner war es nicht dazu gekommen.

Am Montag bereitete Bernbeurens neuer Rathauschef Karl Schleich dem Experten aus Ansbach nun einen sehr freundlichen Empfang in der Auerberghalle. Der Bürgermeister hatte den Gemeinderat zu einer Sondersitzung zusammengetrommelt, in der Bittner das Angebot seiner Firma unterbreitete, die Sanierung in Angriff zu nehmen.

Bürgermeister: „Es hilft nichts, das Auto vollzutanken, wenn der Motor kaputt ist“

Bevor der Experte zu Wort kam, schickte der Rathauschef ein paar Weisheiten voraus. „Es hilft nichts, das Auto vollzutanken, wenn der Motor kaputt ist“, lautete eine davon. Schleich warb dafür, die gesamte Wasserversorgung der Gemeinde unter die Lupe zu nehmen und sich nicht nur mit dem vorliegenden Sanierungskonzept auseinanderzusetzen, in dem es vor allem um die Hochbehälter und die Pumptechnik geht. Ihm gehe es um Nachhaltigkeit, er wolle die Versorgung „für 40 Jahre wieder fit machen“, so Schleich

Sanierung ist überfällig

Wie mehrfach berichtet, hatte das Gesundheitsamt im Januar die Chlorung des Netzes angeordnet, weil Keime im Trinkwasser festgestellt worden waren. Die längst beschlossene Sanierung der Hochbehälter hatte sich schon vorher hinausgezögert, weil keine Fachfirmen für die Arbeiten gefunden wurden. Die Planung hatte ein Büro inne, mit dem die Gemeinde schon seit Jahrzehnten zusammenarbeitet.

Wasserwart genießt Vertrauen des neuen Rathauschefs

Er wolle jetzt nicht mehr über die Vergangenheit diskutieren und ob es da Versäumnisse gegeben habe, betonte Schleich nun. Und Wasserwart Franz Grieser, den Vorgänger Hinterbrandner noch in die Wüste schicken wollte, machte der neue Rathauschef überhaupt keine Vorwürfe. Im Gegenteil: „Er ist der geeignete Mann, wir brauchen ihn“, sagte Schleich tags darauf auf SN-Anfrage. Grieser war es auch, der den Kontakt zu der Ansbacher Firma herstellte. Der Wasserwart war Schüler eines Lehrgangs, den PfK-Prokurist Bittner leitete.

Chlorung ist notwendig und unbedenklich

Im Gemeinderat und vor zahlreichen Zuhörern in der Auerberghalle skizzierte Bittner nun, wie er sich die Sanierung vorstellt. Davor gab er noch einen kurzen Einblick in den Istzustand, den der aktuelle Bürgermeister „als so nicht tragbar“ bezeichnete. „Ihr System ist nicht in Ordnung, das schreibt ihnen auch das Gesundheitsamt“, erklärte Bittner. Die Chlorung sei nötig, sagte er. Auch, wenn sie für empfindliche Menschen „gesundheitlich zumindest etwas anstrengend“ sei, könne das Wasser aber bedenkenlos getrunken werden.

Kommt erst in einem Jahr wieder pures Wasser aus der Leitung?

Das werden die Bernbeurer wohl oder übel auch weiterhin müssen. Bittner rechnet mit „neun Monaten bis maximal einem Jahr“, bis wieder pures Wasser aus den Leitungen kommen kann.

Er legte der Gemeinde nahe, die gesamte Versorgung auf Herz und Nieren zu prüfen, eine Gefährdungscheckliste zu erstellen und die höchsten Risiken sofort abzustellen. Im zweiten Schritt könnte dann ein Rehabilitationskonzept erarbeitet werden. Mit der Sanierung der Hochbehälter allein ist es laut Bittner dabei nicht getan. „Die Versorgung beginnt am Brunnen“, sagte er Wenn die Leitungen nicht richtig dicht seien, könne es auch dort zu Verkeimungen kommen. Gleiches gelte für das Verteilnetz.

Experte mahnt zweiten Brunnen oder Verbund an

Unter anderem mahnte der Experte zudem ein zweites Standbein an: „Derzeit wird Ihre Wasserversorgung nur von einem Brunnen betrieben, wir brauchen im Grunde einen zweiten oder einen langfristigen Verbund mit einem Nachbarversorger.“

Eine aussagekräftige Kostenschätzung konnte Bittner der Gemeinde jetzt freilich noch nicht vorlegen, „aber es wird auf jeden Fall siebenstellig.“ Ob Bernbeuren mit PfK zusammenarbeiten wird, entscheidet sich voraussichtlich in der kommenden Woche. Dann will der neue Gemeinderat laut Rathauschef Schleich die ersten Beschlüsse zum Wasser fassen.

Mehr Aktuelles aus der Region lesen Sie hier.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schwabsoien: Unbekannte verwüsten Maisfeld mit Auto
In Fischen lockt derzeit ein Kornkreis Schaulustige an – ob sich die unbekannten Täter, die jetzt in Schwabsoien am Werk waren, davon haben inspirieren lassen? Sie haben …
Schwabsoien: Unbekannte verwüsten Maisfeld mit Auto
Peiting wird zur Baustellen-Hochburg
Gelbe Umleitungsschilder, Bauzäune, rot-weiße Absperrungen: Gleich fünf Großbaustellen werden derzeit in der Gemeinde Peiting gleichzeitig beackert. OGTS-Neubau, …
Peiting wird zur Baustellen-Hochburg
Nach Corona-Pause: Im „Haus4you“ wird wieder repariert
Im Juni 20017 wurde das Repair Café in der Blumenstraße 2 eröffnet. Im dortigen „Haus4you“ hat es sich seitdem zu einer kleinen Erfolgsgeschichte entwickelt. Wegen …
Nach Corona-Pause: Im „Haus4you“ wird wieder repariert
Feuerwehrauto ohne Feuerwehrhaus
Die Apfeldorfer brauchen ein neues Feuerwehrauto und ein neues Feuerwehrhaus. Das Fahrzeug scheint nun die weitaus dringendere Anschaffung. Das wird nun bestellt – doch …
Feuerwehrauto ohne Feuerwehrhaus

Kommentare