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Sammler, Mesner, Thurner-Fan: Werner Maier präsentiert das Modell seines Sportwagens. Die kleinere Variante bekommen die Teilnehmer des Thurner-Jubil äums-Treffens in diesem Jahr. Die Standuhr im Hintergrund hat er selbst restauriert. 

Serie Ehrenamt im Porträt 

Ein Segen für Bernbeuren

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In der Kirche, bei der Feuerwehr oder in anderen Vereinen und Institutionen. Ohne Ehrenamtliche würde in der Gemeinschaft nichts richtig funktionieren. Was bewegt diese Menschen, die unentgeltlich einen großen Teil ihrer Freizeit der Allgemeinheit opfern? In einer Serie stellen wir in loser Reihenfolge Ehrenamtliche aus dem Altlandkreis Schongau vor, die seit Jahrzehnten tätig sind. Heute: Werner Maier.

Bernbeuren – Wenn ein Gewitter im Anmarsch ist, läutet er die große Glocke von St. Nikolaus, um das Unwetter zu vertreiben. Er bestückt die Ausstellungen des Auerbergmuseum mit originellen Exponaten. Er sitzt am Schlagzeug der Bernbeurer Musikkapelle und singt am lumpigen Donnerstag aus vollem Hals Karaoke. Werner Maier kennt in Bernbeuren einfach jeder. Der örtliche Mesner ist in vielen Vereinen, gibt sich aber stets bescheiden. „Die Vereinsmeierei“ sei gar nicht so sein Ding, sagt er. Deshalb sei er auch „nur“ Beisitzer oder einfaches Mitglied.

Wer den 49-Jährigen um etwas bittet, der bekommt höchst selten ein „Nein“ zu hören. Maier hilft, wo er kann. Benötigt die Theatergruppe zum Beispiel für eine Aufführung eine elektrische Klingel, bastelt der Elektriker im Handumdrehen etwas passendes zusammen – natürlich umsonst. Sein handwerkliches Geschick und die große Sammelleidenschaft sind ein Segen für Bernbeuren.

Maier war maßgeblich beim Aufbau des weit über den Ort bekannten Heimat-Museums beteiligt. Und etliche Exponate, die von April bis Oktober im Kiebelehaus an der Mühlenstraße zu bewundern sind, hat der 49-Jährige beigesteuert. Die Stube des letzten Baders Bernbeurens zum Beispiel ist die von seinem Großvater. Hunderte von Postkarten, die Maier gesammelt hat, sind zu sehen und Röhren-Radios aus Urgroßmutters Zeiten. Von den Radios nennt der 49-Jährige insgesamt 400 sein Eigen. Und sogar in den Genuss einer Waschmaschinen-Ausstellung kam Bernbeuren schon einmal dank Maier.

„Mich hat das alte Glump schon immer interessiert“, sagt er und lacht. Was man aus dem „Glump“ machen kann, hat Maier von seinem verstorbenen Freund und Mentor Gottfried Spindler sowie seinem Vater Ludwig Maier gelernt. Der 1912 geborene Spindler war wie Maier zuletzt Mesner und restaurierte nebenbei Uhren. Von ihm besitzt Maier auch noch ein Goggomobil (Baujahr 1957). „Er hat aus nichts etwas gemacht, weil er in einer Zeit aufgewachsen ist, als man die Nägel noch gerade geklopft hat“, sagt der Nachfolger ehrfürchtig.

Und noch ein außerordentliches Hobby pflegt der Mesner mit Hingabe. Er hält die Erinnerung an den „Thurner“ am Leben. Der 49-Jährige ist selbst stolzer Besitzer eines Exemplars des von 1969 bis 1974 in Bernbeuren gebauten Sportwagens. 114 der insgesamt 121 Autos entstanden in den Gebäuden der alten Spinnerei im Ort. Und Maier kannte den 2008 verstorbenen Firmenchef Rudolf Thurner natürlich noch persönlich.

Der 49-Jährige ist mit den Besitzern der noch existierenden 50 Flitzer bestens vernetzt. Jedes Jahr wird ein Oldtimer-Treffen organisiert. Und heuer steht ein ganz besonderes Jubiläum an: „50 Jahre Thurner RS“. Organisator ist natürlich Werner Maier, das Programm steht. Vom 20. bis 23. Juni werden die Oldtimer unter anderem auf dem Hohen Peißenberg und in Bernbeuren zu sehen sein. An der ehemaligen Produktionsstätte wird eine Gedenktafel enthüllt, anschließend werden die Autos auf dem Marktplatz präsentiert.

Und noch ein Jubiläum feiert Maier in diesem Jahr. Um welches es sich dabei handelt, damit hält der Bernbeurer aber noch so gut es geht hinter dem (Auer-)Berg. Er verrät nur so viel: „Ich bin so alt wie mein Thurner.“

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