Hat in Deutschland auch beruflich Fuß gefasst: Katharina Schmidt (Mitte) aus Weißrussland wurde dabei von Maria Vogel (l.) von der Arbeitsagentur Weilheim unterstützt. Schmidt arbeitet nun bei Gisela Mair im Siebenbürgerheim in Lechbruck in der Altenpflege.
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Hat in Deutschland auch beruflich Fuß gefasst: Katharina Schmidt (Mitte) aus Weißrussland wurde dabei von Maria Vogel (l.) von der Arbeitsagentur Weilheim unterstützt. Schmidt arbeitet nun bei Gisela Mair im Siebenbürgerheim in Lechbruck in der Altenpflege.

Arbeitsagentur will mit dem gelungenen Beispiel auch anderen Frauen Mut machen

Projekt hilft Migrantinnen bei Berufsfindung

  • Elena Siegl
    vonElena Siegl
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In Weißrussland arbeitete Katharina Schmidt im Marketing. Der Liebe wegen zog sie nach Bernbeuren und veränderte sich beruflich komplett. Hilfe bekam sie durch ein spezielles Projekt bei der Arbeitsagentur. Die will mit dem gelungenen Beispiel auch anderen Migrantinnen Mut machen.

Landkreis – Von Weißrussland nach Deutschland, von der Arbeit im Marketing in die Altenpflege. Hinter Katharina Schmidt (35) liegt eine Zeit vieler Veränderungen. Als sie im November zu ihrem Mann nach Bernbeuren zog, war für sie bereits klar, hier auch arbeiten zu wollen – auch wenn sie das nicht müsste. Doch sie wollte etwas für sich tun, sich weiterentwickeln, integrieren und die Sprache lernen erklärt Schmidt. Dennoch empfand sie die Arbeitssuche als „sehr kompliziert“.

Geholfen habe ihr das Beratungskonzept „Fem.OS“, auf das sie bei Facebook stieß. Es ist ein Modellprojekt der Bundesregierung und der Bundesagentur für Arbeit, das speziell Migrantinnen bei der sozialen und beruflichen Integration unterstützen soll. Berater des Bildungsträgers Minor versorgen die Interessierten in zehn Sprachen mit ersten Informationen – der Kontakt entsteht, wie bei Schmidt, über die Sozialen Netzwerke.

Modellprojekt soll Lücke schließen

In ersten Orientierungsgesprächen im Netz gehe es um den Berufseinstieg, die Vermittlung von Sprachkursen sowie die anonyme Kontaktherstellung zur Arbeitsagentur vor Ort, heißt es in einer Pressemeldung. Denn „welche Hilfen und Orientierungsangebote für einen erfolgreichen Berufseinstieg in Deutschland installiert sind“, wüssten viele einfach nicht, sagt Daniel Terzenbach, Vorstandsmitglied der Arbeitsagentur. Und auch nicht, an wen sie sich mit ihren Fragen wenden können. Das Modellprojekt soll diese Lücke schließen.

Bei Katharina Schmidt verlief das sehr erfolgreich. Maria Vogl, die im Rahmen des Projekts Ansprechpartnerin im Agenturbezirk Weilheim ist, „hat mir gezeigt, wie ich die Agenturseite nutzen kann, vor allem die Jobbörse, hat mir Online-Workshops von verschiedenen Trägern empfohlen, auch um meine Sprache zu verbessern und sie hat mir den Kontakt vermittelt, wo ich mich zu einer möglichen Anerkennung meines Diploms beraten lassen kann“, erzählt Katharina Schmidt. Sie sei über die Unterstützung sehr froh, sagt sie: „Wenn dich jemand an der Hand nimmt und dich berät, dann klappt es auch.“

Etwas Gutes tun und mit dem Kopf arbeiten

Im Laufe der Beratungen hat sie sich gut überlegt, in welcher Branche sie zukünftig arbeiten möchte und hat sich schließlich über die Jobbörse auf eine Stelle im Alten- und Pflegeheim in Lechbruck beworben. Weil sie etwas Gutes tun wollte und mit dem Kopf arbeiten, erklärt Schmidt.

Tatsächlich wurde sie auf ihre Bewerbung hin gleich zum Gespräch eingeladen. „Ich war so nervös, mein erstes Vorstellungsgespräch in Deutschland“, erinnert sie sich. „Aber es hat alles gut geklappt, oder Frau Mair?“, fragt sie und lächelt dabei verschmitzt in Richtung ihrer neuen Chefin.

Die nickt zustimmend. Sie habe gleich ein gutes Gefühl gehabt und sei von Schmidts Deutschkenntnissen fasziniert gewesen, sagt Gisela Mair.

Agentur übernimmt Hälfte der Kosten für Weiterbildung

Auch eine weitere Hürde meistert Schmidt mit Hilfe der Arbeitsagentur: Die übernimmt nämlich über das Qualifizierungschancengesetz die Hälfte für die notwendige Weiterbildung zur Betreuungsassistentin. Auch das Altenheim übernimmt einen großen Teil, weil man das Potential der „motivierten, jungen Frau erkenne“.

Maria Vogl von der Agentur für Arbeit freut sich sehr über die Erfolge ihres Schützlings: „Ich würde mir wünschen, dass sich viele Frauen mit Migrationshintergrund Katharina Schmidt als Beispiel nehmen und die angebotenen Möglichkeiten nutzen. Wir möchten verhindern, dass sich die Einwanderinnen zu Hause einkapseln und frustriert sind.“

So sieht das auch Vorstand Daniel Terzenbach: „Oftmals braucht es nur etwas Anschub und Information, um alles in die richtigen Bahnen zu lenken.“ Daher sei das „Fem.OS“-Projekt so vielversprechend und wichtig.

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