+
Zumindest symbolisch hing die Abrissbirne schon bereit: Im Oktober 2017 demonstrierten die Bernbeurer gegen die starre Haltung der Behörden, die den Stadel gegen den Willen der Bürger erhalten wollten.

Machbarkeitsstudie

Supermarkt im Stadel: Prüfung beginnt

  • schließen

2018 war ein verlorenes Jahr für den Schnitzerstadel, resümierte Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner im Dezember. Für 2019 erwarten die Bernbeurer endlich eine Antwort auf die Frage „Supermarkt oder Denkmal?“. Jetzt wird geprüft, ob vielleicht doch beides möglich ist. Einen Großteil der Kosten der Prüfung trägt das Denkmalamt.

Bernbeuren – Der Streit um den Schnitzerstadel ist entschärft, alle Beteiligten hoffen auf ein Ende der schier unendlich langen Geschichte. Bekanntlich wollten Investor und Gemeinde das Gebäude längst abgerissen haben, damit die Firma Feneberg an seiner Stelle in einem Neubau einen Supermarkt betreibt. Die Bernbeurer stehen mit großer Mehrheit hinter diesem Plan. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) besteht aber auf den Erhalt des Stadels und wirbt für einen Supermarkt in dem alten Gemäuer.

Nachdem die Abrissbefürworter im September 2018 mit einer Petition im Bayerischen Landtag abgeblitzt waren, sind die streitenden Parteien mittlerweile ein großes Stück weit aufeinander zu gegangen. Laut Bürgermeister Martin Hinterbrandner hatten sich mehrere Architekten darum beworben, ergebnisoffen zu prüfen, „ob ein Stadelumbau für einen Marktbetrieb möglich ist und wenn nein, warum nicht“.

Wie berichtet, ist nach Auffassung des Landesamtes für Denkmalpflege die Umnutzung des „Baudenkmals“ in Bernbeuren zum Nahversorger zweifellos möglich. Auch eine Erweiterung sei denkbar, hieß es schon im September.

Grundlage für die nun bevorstehende Prüfung sind nach Angaben Hinterbrandners vor allem auch die Wünsche des künftigen Supermarktbetreibers. Demnach wurden bereits Gespräche mit der Firma Feneberg geführt, ob und wie ein nachhaltiger Betrieb in einem umgebauten Stadel aussehen könnte.

Hinterbrandner hofft nun „auf den letzten Akt im Drama um den Stadel“, schränkt aber ein: „Wir sind nach wie vor äußerst skeptisch, ob eine Umbauvariante wirklich möglich ist – und dann auch von den Umbaukosten her zumutbar sein wird.“ Es müsse ein Konzept entstehen, das auch einen nachhaltigen Betrieb eines Marktes ermögliche, fordert der Rathauschef.

Wir mehrfach berichtet, hatten Investor und Gemeinde die Wirtschaftlichkeit stets in Abrede gestellt. Argumentiert wurde unter anderem mit der 400 Quadratmeter großen Grundfläche des Stadels. Der Markt brauche aber 700 Quadratmeter zuzüglich Lagerflächen und Aufenthaltsräume, hieß es. Das Landesamt für Denkmalpflege hielt dagegen eine Nutzfläche von 800 Quadratmetern auf zwei Geschossen für möglich.

„Ich bin nach wie vor der Ansicht, dass die Umnutzung des Baudenkmals zweifellos möglich ist, auch eine Erweiterung ist denkbar“, erklärte Denkmalamtschef Generalkonservator Mathias Pfeil diese Woche einmal mehr. „Das Gebäude ist gut erhalten und in einem instandsetzungsfähigen Zustand“, sagte er auf Anfrage der SN. Seit dem letzten Ortstermin in Bernbeuren habe sich „viel bewegt“, freut sich Pfeil. „Die Gespräche zwischen dem Bürgermeister von Bernbeuren, dem Investor, dem Eigentümer, dem Vorsitzenden des Landesdenkmalrats, Thomas Goppel, und dem BLfD waren seitdem durchaus konstruktiv.“

Das BLfD hatte Pfeil zufolge auf Wunsch der Gemeinde einige Architekturbüros benannt, die dem BLfD bekannt sind und bereits erfolgreich Machbarkeitsstudien zur Sanierung von Denkmalgebäuden erstellt haben. Die Gemeinde durfte jetzt gemeinsam mit dem Investor ein geeignetes Büro aussuchen, das eine solche Machbarkeitsstudie für den Schnitzerstadel erarbeiten werde.

Nach Auskunft des Generalkonservators wurde zudem eine Förderung der Machbarkeitsstudie durch Denkmalmittel „in Aussicht gestellt“. Laut Rathauschef Hinterbrandner ist die Behörde bereit, 90 Prozent der Kosten zu übernehmen. Der Gesamtbetrag entspreche denen „eines anspruchsvollen Bebauungsplans“, lässt Hinterbrandner durchblicken.

Beauftragt wurde gestern der Münchner Architekt Peter Haimerl, der laut Hinterbrandner das Vertrauen aller Seiten genießt. Die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie sollen im April vorliegen, inklusive einer groben Kostenschätzung. Umbau und Erweiterung des Stadels dürften bekanntlich deutlich teurer kommen als der Neubau eines Supermarkts. Diesen beziffert Hinterbrandner mit knapp zwei Millionen Euro, für die Mehrkosten gebe es „weitere Fördermöglichkeiten“, weiß er.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Neue Trasse für alte Stromleitung auf Peitinger Flur - Erdverkabelung fürs Bachfeld?
Weil die bestehenden Hochspannungsleitungen in der Region in die Jahre gekommen sind, werden diese sukzessive erneuert. Die LEW Verteilnetz GmbH will die Gelegenheit …
Neue Trasse für alte Stromleitung auf Peitinger Flur - Erdverkabelung fürs Bachfeld?
Zum Jubiläum gemeinsam gegen den Trend
Zahlreiche Ehrengäste, jede Menge Grußworte und den Landkreis-Löwen in Porzellan als Gastgeschenk. Ein launiges Fest zum 100. Geburtstag feierte die Schongauer SPD am …
Zum Jubiläum gemeinsam gegen den Trend
Neue Faschingsregenten in Hohenfurch vorgestellt: Nur der Prinz war eine harte Nuss
Manege frei und los geht´s. Die Rakete der ausgelassenen Narren kann gezündet werden, die Lunte für die kommende Faschingssaison brennt. Das neue Prinzenpaar in …
Neue Faschingsregenten in Hohenfurch vorgestellt: Nur der Prinz war eine harte Nuss
Eine ,Lady’ und ein ,Sir’ auf Schongaus Thron
Schongaus neues Prinzenpaar ist sowas von Schongau. Zur Premiere des Inthronisationsballes in der Lechsporthalle vor Riesen-Publikum setzt die Schongauer …
Eine ,Lady’ und ein ,Sir’ auf Schongaus Thron

Kommentare