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Aus dem Gemeinderat Bernbeuren

Radlclique muss langsamer treten

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Eine kleine Gruppe Jugendlicher sorgt in letzter Zeit in Bernbeuren für Ärger. Etwas wild geht es wohl manchmal zu, wenn die 12- bis 15-Jährigen mit ihren BMX-Rädern unterwegs sind. Da sich die Bürger zunehmend belästigt fühlen – auch Kirchgänger – und außerdem Schaden entstanden ist, hat jetzt die Gemeinde eingegriffen.

Bernbeuren Radlrowdies wolle er sie zwar nicht gleich nennen, aber als Marktplatzgang seien die Jugendlichen sicher schon mal hausintern bezeichnet worden, kann Bürgermeister Martin Hinterbrandner schon ein bisschen Schmunzeln beim Thema. Aber es ist ihm ebenso ernst damit, wie sich auch im Rahmen der jüngsten Gemeinderatssitzung zeigte. Gemeinderat Erich Kraut hatte seinem Ärger Luft gemacht. Berichtete von Radlfahrten durch den Windfang der Kirche, von Beschädigungen auf der gemeindlichen Toilette. „Von Anstand keine Spur“, wetterte er und forderte nötigenfalls einen Platzverweis, falls dies nicht aufhöre.

Im Hintergrund sei jede Menge geschehen, informierte Hinterbrandner die Kollegen am Ratstisch. Was ihm besonders wichtig sei: Grundsätzlich stelle er sich hinter die Jugendlichen, was den Aufenthalt etwa rund um den Marktplatz anbelangt. „Öffentlicher Raum ist auch für Kinder und Jugendliche da, um ihn in ihrer Freizeit zu nutzen“, stellte er klar, das müsse man auch unterstützen. Leider sei auch der Ärger vorprogrammiert, wenn bei manchen „das Gespür“ fehle. „Wenn der Martinsumzug mit dem Radl gekreuzt wird. Oder beim Abspielen von Musik vor der Kirche bei 90 Dezibel, während drinnen der Rosenkranz gebetet wird“, nannte Hinterbrandner auf Nachfrage der Schongauer Nachrichten zwei weitere Beispiele. „Deshalb fordere ich im Gegenzug auch Toleranz und Rücksichtnahme bei den Jugendlichen.“ Leider sei dies, nicht nur in Bernbeuren, wohl der Zeitgeist, dass der Respekt und das Verhalten, insbesondere gegenüber der älteren Generation, heute nicht mehr der gleiche sei wie früher.

Was ist da los in Bernbeuren? Seit November hätten die Beschwerden über die radelnde Clique zugenommen. Über die Weihnachtsferien seien dann kleinere Schäden und Streiche hinzugekommen. In Summe war das dann wohl zu viel. Nach den Ferien gab es nun Gespräche – auch mit der Jugendbeauftragten Renate Pfaffinger-Straub. Angesprochen auf die Schäden, seien die Jugendlichen dann selbst zu ihm gekommen, betont Hinterbrandner. Er lobt, dass die jungen Bernbeurer einiges eingeräumt hätten, wenn auch noch nicht alles wieder behoben sei. Sobald dies erledigt ist, könne man diese Angelegenheit getrost vergessen.

Aber es gibt weitere Schäden im Ort, für die bisher keiner geradestehen will: Der Stempelkasten für Jakobspilger wurde Opfer eines Böllers, der Bewegungsmelder in der öffentlichen Toilette wurde ebenso beschädigt wie der Mülleimer am Kriegerdenkmal. „Alles keine großen Sachen, aber ärgerlich. Und das Geld, das zu ersetzen, kann man auch anders ausgeben“, so Hinterbrandner. Weil es keiner gewesen sein will, hat die Gemeinde nun Anzeige gegen Unbekannt bei der Polizei erstattet. „Wenn die Jugendlichen also etwas wissen, müssen sie es jetzt sagen.“

Auch für die Zukunft hat die Gemeinde Klartext geredet und gewisse Regeln aufgestellt: Der Bereich hinter der Gemeinde ist für alle tabu, ebenso der Fußweg vom Marktplatz zur Langen Gasse, der Kirchweg. „Und auf oder im Brunnen hat ebenfalls keiner etwas verloren“, so der Bürgermeister, der nicht vor Platzverweisen zurückschrecken möchte. „Und dann wären wir bei über 14-Jährigen im Bereich von Hausfriedensbruch.“

Und noch etwas wurde angeschoben seitens der Gemeinde und der Jugendbeauftragten: Weil sich offensichtlich nicht alle Jugendlichen in Bernbeuren gleich gut riechen können, soll der Jugendtreff an weiteren Tagen öffnen können. Damit dort alle Gruppen ihren Platz finden können. Wobei immer auch Erwachsene benötigt würden, die abends nach dem rechten sehen und zusperren.

Das Eingreifen der Gemeinde hat in Bernbeuren schon einmal gut funktioniert – die Urheber von Wandmalereien wurden gefunden, das Thema samt Wiedergutmachung unbürokratisch erledigt. „Meine Generation war früher auch nicht immer so brav, aber insgesamt geht schon viel an Werten verloren. In der Kirche ist kein Spielplatz, schade, dass das nicht jeder weiß.“

Rubriklistenbild: © dpa

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