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Der mittlerweile denkmalgeschützte Stadel beim Gasthaus Schnitzer soll abgerissen werden.

Überplanung Schnitzer-Areal Bernbeuren

Für Verbauchermarkt: Landratsamt will Ratsbegehren

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Ungewöhnliche Wege könnte der Gemeinderat Bernbeuren beschreiten. Die Bevölkerung soll in einem Ratsbegehren bekräftigen, dass sie hinter den Planungen eines Einkaufsmarktes steht. Ob es so weit kommt, darüber wird heute Abend abgestimmt. Angeregt wurde das Ratsbegehren offensichtlich im Weilheimer Landratsamt.

Update vom 2. Juli 2017: 1908 Bürger entscheiden heute in Bernbeuren über die Ansiedlung eines Verbrauchermarktes. Wir vermelden umgehend das Ergebnis des Bürgerentscheids zum Feneberg-Einkaufsmarkt in Bernbeuren.

Bernbeuren„Ratsbegehren „Gemeindliche Planungen zur Verbesserung und Sicherstellung der Nahversorgung in Bernbeuren.“ So lautet der dritte Tagesordnungspunkt der heutigen Gemeinderatssitzung im Bernbeurer Rathaus (20 Uhr). Der Punkt dürfte auf großes Interesse bei der Bevölkerung stoßen, ist er doch auch eine Reaktion auf die vielen positiven Rückmeldungen, die laut Bürgermeister Martin Hinterbrandner nach der weiteren Auslegung des geänderten Bebauungsplanes für das Schnitzer-Areal Anfang April im Rathaus eingegangen sind. Dort ist ein Feneberg-Markt geplant (wir berichteten).

Ein Ratsbegehren, initiiert von der Gemeinde, bei durchwegs einstimmigen Beschlüssen des Gremiums, und ohne erkennbaren Widerstand seitens der Bevölkerung? Denn zumindest offiziell hat sich in Bernbeuren bisher niemand zu Wort gemeldet, der aktiv gegen die geplante Bebauung kämpfen würde, von einem auswärtigen Leserbriefschreiber in den Schongauer Nachrichten abgesehen. Warum also dieser Aufwand? Eigentlich sei es nicht notwendig, erläutert Hinterbrandner auf Nachfrage. Der Vorschlag, ein Ratsbegehren zu initiieren und damit die Bürger zu Wort kommen zu lassen, sei seitens des Landratsamtes gemacht worden. Es sei eine Abwägbarkeitsfrage: Denkmalschutzbelange oder Ortsentwicklung. „Wir sind mit dem Landratsamt noch nicht ganz einig, aber wir sprechen viel miteinander.“

Erstmals sei der Vorschlag Ratsbegehren am Rande einer Bürgermeisterdienstbesprechung gekommen, in den vergangen zwei Wochen habe man nun intensiv – mit dem Landratsamt – daran gearbeitet, wie man das Ratsbegehren am besten umsetzen könne. Eine letzte Abstimmung der Fragestellung soll erst kurz vor der heutigen Sitzung stattfinden. Wenn der Gemeinderat mehrheitlich ein Ratsbegehren befürwortet, soll der Bürger inhaltlich darüber abstimmen können, ob die Gemeinde die ihr rechtlich zur Verfügung stehenden Maßnahmen ergreift, die Ansiedlung eines Lebensmitteleinzelhandels zu ermöglichen.

Was die Gemeinde mit der Aufstellung des Bebauungsplanes für das Schnitzerareal ja ohnehin längst tut. Allerdings hatte man zunächst nicht mit einem Einschreiten des Landesamtes für Denkmalpflege gerechnet. Bei Vorstellung der ersten Planungen im November war man noch davon ausgegangen, dass der Stadel im Gegensatz zum Gasthof nicht unter Denkmalschutz steht und abgerissen werden kann. Das Ökonomiegebäude mit Eiskeller, Baujahr um 1900, interessierte den Denkmalschutz jedoch durchaus. In der Februar-Sitzung gab Hinterbrandner bekannt, dass es eine Änderung in der Landesdenkmalliste gegeben habe, der Denkmalschutz auf den Stadel ausgeweitet worden war. Von Anfang an hatte es jedoch geheißen, dass es sich betriebswirtschaftlich nicht lohne, diesen umzubauen.

Nach dem Aufruf Hinterbrandners in der vergangenen Sitzung, dass sich Bürger bitte auch dann melden sollen, wenn sie die Planungen gut finden, habe es eine „überwältigende Zustimmung“ gegeben, erläutert Hinterbrandner. Rund 100 Mails seien eingegangen von Bürgern, die sich nicht nur oberflächlich mit dem Thema befasst hätten, sondern ausführlich, teilweise auch mit neuen Überlegungen für die Ortsplanung, die die Gemeinderäte bisher gar nicht in Erwägung gezogen hätten. „Alles ging in die Richtung: ,Liebe Gemeinderäte, lasst nicht nach‘“.

Die Planungen beinhalten weiterhin den Abriss des Stadels, wobei sich die Gestaltung des Verbrauchermarkes an dem ehemaligen Ökonomiegebäude orientieren soll. Derzeit arbeitet die Gemeinde die Begründung für einen Abrissantrag mit aus, den letztendlich die Grundeigentümer stellen müssen. „Das wird ein dickes Buch, das da entsteht, aber die Bauherren, die künftigen Betreiber und die Gemeinde ziehen an einem Strang.“ Die Investoren sind zwei Familien aus Bernbeuren.

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