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Redner bei der Auerbergland-Regionalkonferenz in der Auerberghalle in Bernbeuren: Von links Josef Steigenberger (Präsidiumsmitglied Bayerischer Gemeindetag), Altenstadts Bürgermeister Albert Hadersbeck, sein Roßhauptener Kollege Thomas Pihusch, Hausherr und Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrander und Reinhard Walk (Geschäftsführer Auerbergland).

Regionalkonferenz Auerbergland

Das Wohnen der Zukunft gestalten

Wie gestaltet sich das Wohnen in den Auerberggemeinden heute und in Zukunft? Damit hat sich jetzt die Auerberg-Regionalkonferenz in der Auerberghalle in Bernbeuren befasst und ließ mit ungewöhnlichen Denkansätzen aufhorchen.

Bernbeuren – Umfangreich waren die Informationen, die die sieben Bürgermeister aus den Gemeinden Altenstadt, Bernbeuren, Ingenried, Kinsau, Prem, Roßhaupten und Steingaden bei der Auerberg-Regionalkonferenz in Kurzreferaten zur Situation in ihren Dörfern vor rund 80 Zuhörern vorgetragen haben. Allen gleich waren die Anstrengungen, das Wohnen attraktiver zu machen und die Grundversorgung vor Ort durch Dorfläden zu sichern, an denen die jeweilige Gemeinde als Gesellschafter beteiligt ist.

Ob dies von rechtlicher Seite überhaupt möglich sei, wollte einer der Zuhörer wissen. Josef Steigenberger, Präsidiumsmitglied des Bayerischen Gemeindetages, sieht darin kein Problem, solange die Gemeinde beispielsweise als Aufsichtsratsmitglied dabei sei, ein neu gegründetes Referat kümmere sich dabei um die Belange aus steuerlicher Sicht.

Ansonsten blieb es sehr still im Publikum. Denn ungewöhnlich, zumindest wohl für die Bevölkerungsstruktur im ländlichen Oberbayern, waren die Denkansätze, mit denen die Gemeindeoberhäupter zum Teil aufwarteten. Wie etwa Albert Hadersbeck aus Altenstadt, der das Wohnprojekt in Reichweite der Basilika mit 40 Wohn- und vier Gewerbeeinheiten auf einem ehemaligen landwirtschaftlichen Betrieb vorstellte.

Die Nachfrage nach Baugrundstücken könne durch Ausweisung neuer Baugebiete nicht befriedigt werden, zudem gebe es großen Bedarf an barrierefreien Wohnungen, so Hadersbeck. Es herrsche jedoch ein „unverhältnismäßig hoher Bestand an Reihenhäusern“, die eine „ungünstige Wohnform im Alter“ seien. Deshalb gebe man der Innenentwicklung der Gemeinde Vorrang und sorge so für etwas Entspannung am Wohnungsmarkt.

Eine weitere Belebung des Ortskerns – der fußläufig zu erreichen sei – mit Einzelhandel und Dienstleistern soll folgen. Vorrangiges Ziel sei es, so Hadersbeck, älteren Bewohnern von Reihen- und Einzelhäusern eine Möglichkeit zum Wohnungstausch und damit einer „altersgerechten Wohnsituation“ zu ermöglichen – und somit jungen Familien Platz zu machen. „Das ist ein dickes Brett, das wir da zu bohren haben die nächsten 15 bis 20 Jahre.“

In etwa dasselbe Horn stieß Bürgermeister Thomas Pihusch aus Roßhaupten, dessen Gemeinde ein Bauprojekt nach dem Mehrgenerationen-Gedanken, etwa auch für Wohngemeinschaften, in der Ortsmitte plant. Das steckt bislang aber noch in der Entwurfsphase, ein Grundstück dafür wurde vor einigen Jahren nach einem Erbschaftsfall aber bereits erworben.

Pihusch forderte ein Umdenken in der Gesellschaft und das „Loslassen von der Scholle“ seitens der älteren Bürger. Bislang gebe es keine Instrumente, Eigentümer zum Verkauf zu bewegen, man suche nach sinnvollen Möglichkeiten wie einem Anreizsystem. Außerdem fordere der Bayrische Gemeindetag schon seit längerem, den Städten und Gemeinden ein Vorkaufsrecht einzuräumen, wenn ein Grund für den Wohnungsbau gebraucht wird, beispielsweise bei einem Verkauf im Erbfall.

Zudem, so Hadersbeck, sei zu überlegen, ob in Neubaugebieten „keine Einfamilienhäuser mit großem Garten“ mehr genehmigt werden sollen, sondern auf dem Grundstück zwingend zwei Wohnungen zu errichten sind. Noch habe man kein Generalkonzept, so Pihusch, manches lasse sich vielleicht auch mit Geld regeln, man müsse aber „den Druck erhöhen, um die langfristige Bindung an die Scholle zu lösen“. Denn auch die allerorten angestrebte Nachverdichtung stehe und falle mit dem Privatbesitz.

Unwohl ist es Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner bei dem Gedanken an staatliche Wohnbaugesellschaften, wenn diese in den Gemeinden Wohnkomplexe errichteten: „Da habe ich große Sorgen und Bedenken, wenn wir nicht mitreden können, wer dort einzieht.“ Seine Sorge: Die eigene Bevölkerung würde dann eventuell das Nachsehen haben.

Wichtig sei jedoch der Aspekt, den Menschen im Dorf Arbeit und Wohnen zugleich zu ermöglichen. Denn gebe es in einigen Jahren nur noch Dauerpendler, „wer soll dann noch zum gesellschaftlichen Leben in den Dörfern beitragen, wie in Vereinen oder ehrenamtlich?“

von Myrjam C. Trunk

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