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Der Satzungsbeschluss für das Schnitzer-Areal ist erfolgt

Satzungsbeschluss in Bernbeuren zum neuen Bebauungsplan

Schnitzer-Stadel: „Diese Abwägung hält“

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Der Bebauungsplan Schnitzer ist auf den Weg gebracht. Einstimmig erfolgte in der Gemeinderatssitzung Bernbeuren der Satzungsbeschluss. Zuvor hatte man sich nochmals eingehend den Einwendungen gewidmet, die, wenig überraschend, hauptsächlich aus dem Bereich Denkmalschutz kamen.

Bernbeuren– Stühlerücken gab es am Dienstagabend am Ratstisch von Bernbeuren für Dietmar Hörner. Der Architekt ging detailliert auf die Anregungen und Bedenken aus der zweiten Auslegung ein, und widmete sich auch ausführlich der Begründung durch die Gemeinde. „Damit der Bebauungsplan nicht nur rechtsfähig wird, sondern auch vollzugsfähig“, so Hörner, denn: „Wenn ich den Stadel nicht entfernen darf, kann ich das nicht bauen.“

Vorneweg beschlossen die Gemeinderäte, den Bürgerwillen mit in die Begründung aufzunehmen. „Die positive Bürgermeinung ist vielleicht bayernweit nicht einmalig, aber zumindest herausragend“, betonte Bürgermeister Martin Hinterbrandner. Man habe sich das Wahlergebnis des Ratsbegehrens vom 2. Juli noch einmal genauer angesehen. Lag die Wahlbeteiligung, wie bereits veröffentlicht, insgesamt bei knapp 65 Prozent, liege diese nochmals deutlich höher, wenn man nur die Wahlbeteiligung der Bürger aus dem Dorfgebiet betrachte, nämlich bei 75 Prozent. In den Außenbereichen liege diese dafür bei nur rund 43 Prozent. „Dies ist aber verständlich, Bürger aus Echerschwang oder Nachsee sind zum Einkaufen ja fast schneller in Lechbruck“, so Hinterbrandner.

Eineinhalb Seiten nahm die Begründung der Bau- und Kunstdenkmalpflegerischen Belange ein. „Das Ökonomiegebäude ist seit jeher Bestandteil des Ensembles und prägt maßgeblich dessen nördlichen Bereich“, so das Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege (BLfD). Da der Stadel mittlerweile unstreitig als Einzeldenkmal eingetragen sei, solle man das „Geplänkel um das Ensemble“ herausnehmen, schlug Hörner. Dies solle man unbedingt tun, empfahl auch Hinterbrandner, obwohl er sich darüber ärgere: „Wenn wir mal einen Fehler machen, wird er uns lange nachgetragen.“ Der ehemalige Eiskeller galt zu Beginn der Diskussionen um den neuen Bebauungsplan noch nicht als denkmalgeschützt.

„Und ich störe mich an dem Begriff „Supermarktneubau“, kritisierte der Bürgermeister die weitere BLfD-Ausführung. „Wir reden von einer qualifizierten Nahversorgung im Sinne des Landesentwicklungsplanes“, stellte er klar. Die Denkmalschützer halten den Stadel beim Gasthaus Schnitzer sehr wohl dafür geeignet, dort Verkaufs- und Lagerräume eines Nahversorgers aufzunehmen. „Im Erdgeschoss befinden sich ausgedehnte Stallungen mit guten Raumhöhen, die Hochtenne ist aufgrund ihres weit gespannten Tragwerks über fast die gesamte Grundfläche nahezu stützenfrei“, so das BLfD, das davon ausgeht, dass sich „die Erfordernisse der Gemeinde und die Belange des Denkmalschutzes in idealer Weise vereinbaren ließen“, weshalb der Bebauungsplan „aus denkmalfachlicher Sicht keinesfalls hinnehmbar“ sei.

Die Gemeinde widerlegt in ihrer Begründung, dass sich der Stadel für einen künftigen Einkaufsmarkt eignen könnte. Dieser sei nicht nur zu klein, im Erdgeschoss sei mit 2,30 (gerechnet ohne Fußbodenausbau) keine ausreichende Raumhöhe gegeben, gab Dietmar Hörner zu bedenken. „Nach Einschätzung des Betreibers ist eine lichte Deckenhöhe von 3,60 Meter nötig“, so der Architekt. Und auch für die Hochtenne sei kein barrierefreier Zugang möglich. Hörner: „Aus wirtschaftlichen Gründen würde sich kein Betreiber auf die Nutzung der Tenne einlassen.“ Die abschließende Einschätzung Hörners: „Wir sind anwaltlich beraten worden: Diese Abwägung hält.“

Ausdrücklich bedankte sich Hinterbrandner für die Stellungnahme von Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer. Auch Vizebürgermeister Markus Socher betonte, man wolle dessen Gedanken zur Fassadengestaltung mit aufgreifen – dies greife jetzt aber vor. Die Gemeinde weist die Zweifel Schmidbauers zurück, dass es bessere Alternativstandorte gebe. Alle vier untersuchten zur Verfügung stehenden Flächen lägen am Ortsrand und seien nicht fußläufig in einem Radius von 500 Metern erreichbar. Dagegen solle der Ortskern durch den Lebensmittelnahversorger wiederbelebt werden.

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