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Martin Hinterbrandner machte seinem Unmut im Gemeinderat Luft.

Schnitzerstadl Bernbeuren 

„Lethargische Nichtstuerei“

Die Hinhaltetaktik des Landtages bezüglich des Bernbeurer Schnitzerstadls erbost Gemeinderäte und Bürgermeister gleichermaßen. Ihrem Unmut machten sie bei der Sitzung am Dienstag Luft, Rathauschef Martin Hinterbrandner fordert nun alle Direktkandidaten des Kreises zu einer Stellungnahme auf.

Bernbeuren Im Sitzungsaal platzte so manchem Gremiumsmitglied der Kragen: Als eines „Frechheit“ bezeichneten die stocksauren Räte die „lethargische Nichtstuerei“ der übergeordneten Stellen. Man hatte den Bernbeurern zunächst mitgeteilt, dass „an einer für alle zufriedenstellende Lösung“ gearbeitet wird.

Bekanntlich wünschen sich in Bernbeuren fast alle, dass der Schnitzerstadel im Ort abgerissen wird und an seiner Stelle ein Feneberg-Markt entstehen darf. Ein Bürgerbegehren brachte 95 Prozent Zustimmung für den Plan. Denkmalschutz und mit ihm das Landratsamt lehnten das Vorhaben jedoch ab. Die Gemeinde stellte deshalb Anfang Mai eine Petition, die allerdings bis heute noch nicht behandelt worden ist. Die übergeordneten Stellen hüllen sich in Schweigen.

„Man hat uns gesagt, dass wir im Wissenschaftsausschuss noch mit auf die Tagesordnung kommen. Nun sind es noch zwei Termine bis zur Wahl, und wir hören nichts“, ärgerte sich Bürgermeister Hinterbrandner. Diese sind am 19. und am 26. September, umgewiss sei aber, ob diese noch stattfinden. Da Informationen ausbleiben, habe man das Gefühl, dass „die das nur aussitzen und darauf warten, dass wir alles hinschmeißen. Dann haben die gewonnen. Und das machen wir nicht“, sagte Gemeinderat Oliver Sprenzel entschieden. „Die Nahversorgung ist unser Auftrag von den Bürgern.“ Und „es sieht so aus, als wollen die mit aller Gewalt den Denkzettel der Wahl abwarten und wundern sich dann am Wahltag um 18.01 Uhr, warum viele die CSU, SPD oder Grüne nicht mehr gewählt haben“, polterte der Rat weiter. „Wir brauchen eine Entscheidung“, sagte Bürgermeister Hinterbrandner. Die Hinhaltetaktik sei repektlos gegenüber allen Beteiligten.

Einig waren sich Räte und Rathauschef darüber, dass, sollte man einen Supermarkt am Ortsrand planen, dies wohl sofort genehmigt würde. Der Bürgermeister geht nun in die Offensive. Er will per Anschreiben von allen Direktkandidaten des Landkreises eine offizielle Stellungnahme zum Thema Schnitzerstadl, die dann auf der Webseite der Gemeinde veröffentlicht werden. Besonders gespannt sei er auf die Antwort eines Direktkandidaten, „der früher einmal Wirtschaftsminister war und der wesentlich dazu beigetragen hat, den großen Ketten die 1200 Quadratmeter zu genehmigen“. Da werde immer von der Wichtigkeit der Nachverdichtung im Ort gesprochen, am Ortsrand würden dann aber sofort große Flächen geopfert“, schimpfte Hinterbrandner. „Für uns ist das der Totengräber im ländlichen Raum.“ Er mutmaßte erbost, „dass dieser wahrscheinlich noch nicht einmal weiß, wo Bernbeuren überhaupt liegt“ und ihn eine Gemeinde „am äußersten Zipfel des Landreises nicht interessiert“. Der FDP-Kandidat Martin Zeil könne ja die Petition auf der Internetseite der Gemeinde nachlesen.

Hinterbrandner möchte die Anschreiben an die jeweilige persönliche E-Mail-Adresse schicken und nicht an ein Parteibüro in München. Die Suche danach sei allerdings schwierig, „aber wer hier Direktkandidat ist, sollte auch erreichbar sein“. Der Rathauschef erwartet die Antworten bis Montag. „Die Zeit der Freundlichkeiten ist vorbei.“ Die Zeit vor der Wahl dränge deshalb so sehr, weil sich Hinterbrandner mit einer möglichen FDP-Regierungsbeteiligung nur noch wenig Hoffnungen auf die gewünschte Form der Nahversorgung macht.

Myrjam C. Trunk

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