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Auftakt und Schluss: der Pfannenflicker samt Kinderschar.
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Dorfrichter in Bedrängnis: Wer zerbrach den Krug in der Pfingstnacht?
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Redeschwall mit Überzeugungskraft: Müllerswitwe klagt um ihren Krug.
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Dorfstillleben: Hühner auf dem Richtertisch.

Theaterpremiere in Bernbeuren: „D´r v´rbrocha Kruag“

Große Unterhaltung in Mundart

Gelungene Premiere im Dialekt des Auerberglandes: Mit ihrer verkürzten Neuauflage des Lustspielklassikers „D´r v´rbrocha Kruag“ zeigt das Volkstheater Bernbeuren, dass auch in Mundart bekannte Stücke zur großen Unterhaltung werden.

Bernbeuren „Wenn mr vor Gericht steht, hält mr die Gosch!“. Die Mahnung von Bürgermeister Martin Hinterbrandner in der Uniform des Gerichtsdieners an die rund 240 Besucher ließ bereits erahnen, dass es wohl mitunter deftig zur Sache gehen würde in Helmut Gehlert Version von Heinrich von Kleists „Der zerbrochene Krug“. Auf der Bühne ging es aber nicht still zu. Gleich nachdem die Fanfaren vom Spielbeginn zeugten, eröffnete sich den Zuschauern eine lebendige Kulisse um den Auerberg: Vor einem Tennentor dreschen Bauernburschen Getreide und Kinder – samt einer echten Ziege – tanzen und singen.

Man schreibt das Jahr 1808 in Bernbeuren. Als halbblinder Pfannenflicker verkündet Arthur Keck in Versform die Ankunft des Gerichtsrates, der ein Auge auf die Prozessführung des Dorfrichters Adam werfen will. Der aber liegt am Pfingstsonntag schwer ramponiert mit Kopf- und Beinwunden noch im Bett in seiner Kammer im Richterhaus, dem „Gasthaus Filser“, die dem Spitzweg-Bild des „Armen Poeten“ nachempfunden ist. Einfach großartig, wie Helmut Gehlert als lädierter Dorfrichter im Schmerz grunzt, stöhnt und schnauft, als er seinem Lager entsteigt. Sein Magen fühlt sich an, als „hätt´ einer Fuchsleber ins Essa doa“. Fahrig sucht er mit Hilfe des vorwitzigen Schreibers Lochner alias Josef Wohlfahrt nach seiner Perücke. Doch dann dämmert es ihm, dass diese ihm bei einer unrühmlichen, nächtlichen Aktion wohl abhanden gekommen sein muss und präsentiert als geschwinde Ausrede, da habe ihm die „Katz neikätzlet“ – also Junge bekommen.

Spätestens ab da wird für Zugereiste das Stück sprachlich zur Herausforderung. Aber die meisten Zuschauer waren für die Premiere aus den umliegenden Gemeinden gekommen und mit dem Bernbeurer Dialekt wohl vertraut. Und die großartige Kulisse mit zahlreichen liebevoll gestalteten Details und nicht zuletzt die geniale Darbietung der Schauspieler entschädigten auch die, die nicht jedes Wort verstanden, für fehlende Vokabeln. Und da ist ja auch noch der Gerichtsrat Christian Beer in nobler Aufmachung und ebenso nobler Haltung als sprachliche Säule im Hochdeutschen.

Unter den Augen von König Max, der auf einem Gemälde stoisch dem Geschehen beiwohnt, beginnt die Gerichtsverhandlung – jedoch erst, als drei lebende Hennen vom Tisch geräumt worden sind – zunächst wegen eines zerbrochenen Kruges der Müllerswitwe Martha Niggl. War dieser Krug durch sein klaffendes Loch in der Mitte nicht mehr zum Wassertragen geeignet, so ergossen sich die Ausführungen Marthas alias einer überragenden Elisabeth Schmölz niagarafallgleich über Richter und Anwesende. Ohne Punkt und Komma in rasender Geschwindigkeit und mit ungeschminkten Formulierungen sorgte sie für große Erheiterung beim Publikum; und auch jene, die bereits aufgegeben hatten, jedes Wort verstehen zu wollen (im Programmheft hatte man vorsorglich einige Begriffe erklärt), verfolgten fasziniert und mit einem breiten Grinsen ihre grandiose Bühnenpräsenz.

Beschuldigt, den Schaden angerichtet zu haben, wird der Bauernbursch Ruprecht. Der schwärmt zwar mit göttlich verklärtem Blick von seiner Liebe zu Eva (Franziska Ehlich), Marthas Tochter, grollt dieser jedoch, weil er sie verdächtigt, außer ihm einen weiteren nächtlichen Besucher gehabt zu haben, den er mit kräftigen Schlägen auf den Kopf am Vorabend verjagt hatte.

Mit allerlei List versucht Richter Adam, gleichzeitig auch Gastronom im Ort, den Verdacht von sich abzulenken und den Gerichtsrat mit „Dornfelder Wein und Limburger Käse“ zu bestechen.

Stimmungsvoll unterstrichen wird die Handlung von den drei Musikern, die, leider meist im Dunkeln, mit Maultrommel und anderen Instrumenten im oberen Teil der zweistöckigen Kulisse für zusätzliche Spannung sorgten.

Der Fall klärt sich auf, als die Hebamme Brigitte Thaler (Hildegard Höfler) mit besagter Perücke die Szene betritt und zunächst überzeugt ist, in der vorangegangenen Nacht dem „Leibhaftigen“ begegnet zu sein. Doch schnell wird klar, wer letztendlich der Übeltäter war, der Eva bedrängt hatte und dadurch dafür sorgte, dass der Krug zerbrochen ist.

„D´r v´rbrocha Kruag“, bereits 2003 schon einmal vom Volkstheater „Auerkult“ aufgeführt, ist nicht nur Kleists Stück nachempfunden, sondern zeigt auch die Geschichte des Dorfes Bernbeuren zur Zeit von König Max I., in der es tatsächlich Dorfgerichte gab, die von königlichen Revisoren besucht wurden. Das Stück eignet sich für Einheimische und Zugereiste gleichermaßen, als Schatzkästchen einer zu bewahrenden Dorfkultur rund um das Auerbergland.

Weitere Aufführungen

sind am heutigen Freitag, 11., am 12., 13., 18., und 20. Mai, jeweils um 20 Uhr in der Auerberghalle in Bernbeuren. Je nach Nachfrage können weitere Termine folgen. Karten sind erhältlich in der Tourist-Info in Bernbeuren unter Telefon 08860/ 210. Sie können dort abgeholt oder auf Wunsch mit der Post zugesandt werden (Reservierung nicht möglich) oder an der Abendkasse.

Myrjam C. Trunk

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