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Eine Festmesse hielt Joachim Schnitzer zum Abschied.

Verabschiedung von Pfarrer Joachim Schnitzer

Die Kirche im Dorf gelassen

Nach 24 Jahren Priester in Bernbeuren und seit 2006 auch Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Auerberg wurde Pfarrer Joachim Schnitzer mit einer zweitägigen Feier in den Ruhestand verabschiedet. Ihm wurde die Ehrenbürgerwürde von Bernbeuren verliehen.

Bernbeuren – Einen fröhlichen Abschied mit viel Musik hatte sich Pfarrer Joachim Schnitzer gewünscht, mit möglichst vielen Mitgliedern seiner Pfarreiengemeinschaft. Und diesem Wunsch war man gerne nachgekommen. Der überaus beliebte Geistliche zelebrierte am Samstagabend zunächst einen feierlichen Festgottesdienst, begleitet von insgesamt 65 Ministranten und zahlreichen Fahnenabordnungen der Vereine. Die Chöre aus den vier Gemeinden Bernbeuren, Burggen, Tannenberg und Ingenried stimmten gemeinsam zum Gloria und Agnus Dei an und verliehen damit der Messe in der übervollen Pfarrkirche St. Nikolaus einen glanzvollen musikalischen Rahmen.

Pfarrer Joachim Schnitzer wurde als „Spätberufener“ – er war zuvor gelernter Buchhalter – 1984 in Regensburg zum Priester geweiht mit anschließender Primiz in Lengenwang, danach war er Kaplan in Kötzting und Priester in Tegernbach. Aber die längste Zeit seines seelsorgerischen Wirkens verbrachte er im Auerbergland. In dieser Zeit taufte er 743 Kinder, traute 155 Paare, feierte 47 Erstkommunionen, beerdigte 574 Verstorbene und zelebrierte um die 7500 Gottesdienste.

Wie sehr er mit allen Bürgern seiner Pfarreiengemeinschaft verbunden ist, wurde auch in einem anrührenden Brief einer jungen Frau deutlich, den er bei der Messe verlas. Sie war unter den ersten Kindern, die von ihm die Erstkommunion erhielten, sie wurde von ihm getraut, und er taufte ihr Kind. Schnitzer äußerte bei seiner Predigt aber die Hoffnung, dass sich unter den Mitgliedern ein junger Mann oder ein Spätberufener befinde, der den Wunsch verspüre, Priester zu werden. Derweil wartete vor der Kirche ein geschmückter Landauer, gezogen von zwei prächtigen Süddeutschen Kaltblütern, in dem Pfarrer Schnitzer nach der Messe, begleitet von einem großen Festzug und Musik der Ingenrieder Blaskapelle, zum Festzelt auf dem Auerberghallengelände fuhr. Die bereitgestellten Tische und Bänke reichten für die vielen Hundert Gäste kaum aus, sodass auch außerhalb noch Plätze geschaffen wurden.

Bei einem bunten Programm mit Musik der Musikkapelle Burggen und Darbietungen in Gedichtform und Gesang, beispielsweise von den Familien Grötsch aus Ingenried und den „Finkmanns“ aus Burggen, erhielt der Geistliche zahlreiche Abschieds-Geschenke. So auch von den Ministranten, die ihm unter anderem persönliche Briefe und Fotos „von der schönen Zeit mit Ihnen“ bei der Romreise überreichten. Am meisten, so waren sich die Feiernden einig, werden sie neben der seelsorgerischen Tätigkeit Schnitzers auch sein fröhliches Lachen vermissen, sein Markenzeichen: „Er fangt zum Lacha a, da weißma dr Pfarrer is da“, so einer der vielen Reime.

„Die politische und die kirchliche Gemeinde gehört bei uns zusammen“, sagte Bernbeurens Bürgermeister Martin Hinterbrandner bei seiner Festrede. „Man kann sie weder verbieten noch anschaffen“. Die eine gebe die Regeln vor, die andere den Kompass. „Sie haben mit ihrer Haltung vorgegeben, dass die Zusammenarbeit fruchtbar war“, so der Rathauschef. „Ihr Erfolgsrezept war, dass Sie die Kirche sprichwörtlich im Dorf gelassen haben“. Schnitzer habe jedem das Gefühl gegeben, „er hält die Messe nur für uns“.

Er gehe mit einem weinenden und einem lachenden Auge, sagte der Pfarrer Schnitzer gegenüber der Heimatzeitung. Sein Gesundheitszustand lasse ihm nach einer Herzerkrankung keine Wahl, gerne hätte der 67-Jährige bis zu seinem 70. Lebensjahr weitergemacht. Seine letzte Amtshandlung als Pfarrer war eine Taufe in Burggen am gestrigen Nachmittag. Schnitzer wird seinen Ruhestand im fränkischen Heimbachtal bei Aschaffenburgverbringen, der Heimat seiner Haushälterin Ingrid Brand, die sich seit 31 Jahren um sein Wohl sorgt.

Ab dem morgigen Dienstag ist Pfarrer Schnitzer nicht mehr erreichbar. Seine Vertretung bis zum 1. September werden die Geistlichen Schmid, Fellner-Semel und Pater Albert übernehmen. Bei dringendem Bedarf werden die Bürger gebeten, sich an das Pfarrbüro oder an die jeweiligen Mesner der Gemeinden zu wenden.

Myrjam C. Trunk

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