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Die künstlerische Darstellung des Dorfbrands ist an der Orgel-Empore in der Pfarrkirche zu sehen. Das Bild hatte 1938 Josef Albrechtkirchinger gemalt. Die Ansicht der Kirche mit den zwei Türmen ist nach Meinung der Heimatforscher allerdings wohl der Fantasie entsprungen. Inspiration dazu hat möglicherweise die berühmte Basilika in Altenstadt gegeben.

Vor 300 Jahren

Verheerender Dorfbrand legt Bernbeuren in Schutt und Asche

  • Jörg von Rohland
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Es war einer der schwärzesten Tage in der Geschichte Bernbeurens. Vor genau 300 Jahren legte ein verheerendes Feuer beinahe das gesamte Dorf in Schutt und Asche. Mit vereinten Kräften bauten die Männer und Frauen den Ort wieder auf. Und der zerstörten Pfarrkirche nahm sich sogar ein bekannter Baumeister an.

Bernbeuren– Es war eine stürmische Sommernacht, in der die verheerende Katastrophe über Bernbeuren hereinbrach. Das Datum des 1. Juni 1720 hat sich buchstäblich in die Geschichtsbücher des Ortes am Auerberg eingebrannt. Nur eine kleine Unachtsamkeit war es, die dafür sorgte, dass das malerische Dorf nahezu ausgelöscht wurde.

Im Anwesen des heutigen Doldewirts lief auf der Feuerstelle ein Schmalzfass über. Das Fett geriet in Brand, die Katastrophe nahm ihren Lauf. Angefacht durch den starken Wind griffen die Flammen schlagartig auf die mit Stroh und Holzschindeln gedeckten Nachbarhäuser über, die Bewohner rannten um ihr Leben. Bis auf fünf Anwesen – wahrscheinlich die jenseits des Dorfbaches (heute „am Graben“) – wurden alle Häuser Bernbeurens eingeäschert. Auch die Pfarrkirche, die Marienkapelle und der Pfarrhof brannten nieder.

Dort wo heute der Doldewirt steht war das Feuer vor 300 Jahren ausgebrochen.

Über die Zahl der Opfer ist heute nichts mehr bekannt. Dass es welche gegeben haben muss, ist aber unstrittig. Neben den vielen tragischen Einzelschicksalen, die zu beklagen waren, wurde auch ein großer Teil der Geschichte Bernbeurens Raub der Flammen. Mit dem Pfarrhof verbrannten die meisten Dokumente, Taufbücher und Urkunden. Die Gläubigen im Dorf konnten nun für längere Zeit keinen Gottesdienst mehr besuchen. Die finanzielle Not war groß, an einen Wiederaufbau der Pfarrkirche war unmittelbar nach dem Dorfbrand nicht zu denken.

Die alte „Schwetter-Schmiede“ an der Füssener Straße blieb wahrscheinlich als eines der wenigen Gebäude vom Dorfbrand verschont, da direkt am Haus die „Schwette“ war; ein kleiner Weiher mit Wasserrad als Antrieb für die Schmiede.

Nahezu alle Bernbeurer waren obdachlos und ohne Hab und Gut, die Männer und Frauen standen buchstäblich vor dem Nichts. Die Kinder konnten monatelang nicht in die Schule gehen. Denn auch das Mesnerhaus, in dem sie unterrichtet wurden, war abgebrannt.

Immerhin hatten es viele geschafft, das Vieh und etwas Hausrat zu retten. Alle packten jetzt mit an: Schutt und Asche wurden weggeschoben, damit schnellstens die Höfe samt Stallungen wieder aufgebaut werden konnten. Denn Menschen und Tiere brauchten Schutz vor dem nahenden Winter. Das kirchliche Leben beschränkte sich zunächst auf die Marienkapelle. Auch sie war ausgebrannt. Die Bernbeurer setzten sie notdürftig instand, um bald wieder einen würdigen Ort für die Gottesdienste zu haben.

Auch den Neubau der Kirche hat der Maler Josef Albrechtkirchinger künstlerisch dargestellt.

Damit nicht genug: Noch im Jahr der Brandkatastrophe plante der Ort, den Wiederaufbau der Pfarrkirche anzugehen. Als Baumeister gewann man den bekannten Architekten Johann Georg Fischer. Er war der Neffe des berühmten Füssener Baumeisters Johann Jakob Herkomer. Die neu errichtete Pfarrkirche in Bernbeuren ist eines von Fischers Frühwerken. Später errichtete er weitere Kirchen und Kapellen: zum Beispiel in Marktoberdorf, Steinbach, Bertoldshofen, Bidingen und Dillingen.

So sah Bernbeuren vor 110 Jahren aus. Die Zeichnung stammt aus der Postkartensammlung von Werner Meier, der zusammen mit Heinz Engl und anderen Bernbeurer die Geschichte seines Heimatorts bewahrt.

Der Wiederaufbau der Pfarrkirche war eine schwere finanzielle Belastung für die Pfarrei in Bernbeuren. Mangels Geld kam am 6. August 1721 der begonnene Kirchenbau dann auch ins Stocken. Erst auf vielfältiges Bitten der Gläubigen stellte der Bischof von Augsburg 500 Gulden aus den Einnahmen des Probstamtes Füssen zur Verfügung – leihweise.

Zudem nahm die Kirchenstiftung von zahlreichen anderen Kirchen aus der Umgebung Anleihen auf: von Lindenberg 500 Gulden, von Rettenberg 250 und von einzelnen Kirchen der Pflege Buchloe 300 Gulden. Weitere Beträge kamen von den Kirchen in Stötten, Bidingen und Bertoldshofen. An der Schuldenlast, die sich die Kirchenstiftung damit aufbürdete, hatte sie Jahrzehnte lang zu tragen.

Diese Bauwerke sind heute ortsbildprägend: Die nach dem Dorfbrand wieder aufgebaute Pfarrkirche im Hintergrund und der Gasthof Schnitzer (rechts). Die Dorfwirtschaft wurde im Jahr 1760 errichtet und gehört mittlerweile der Gemeinde.

Doch die Bernbeurer wollten kein Gotteshaus zweiter Klasse. Sie legten Wert darauf, dass man die Arbeiten am Kirchenbau an damals geschätzte und bekannte Baumeister und Künstler vergab. Natürlich verteuerte das das Bauwerk erheblich; besonders auch die Innenausstattung, die sich bis ins Jahr 1755 hinzog. Für sie engagierte man neben dem einheimischen Altarbauer Paul Pfeiffer den berühmten Bildhauer Anton Sturm aus Füssen.

Die Steine zum Kirchenbau wurden dem Dorfsteinbruch bei Riedhof entnommen. Der sogenannte Scharwerksdienst – zu ihm gehörten Fuhrwerksdienste aber auch Handwerksleistungen – wurde von den meisten Leuten des Ortes gerne geleistet.

Auf Spuren des Dorfbrands stoßen Handwerker in Bernbeuren auch heute noch hin und wieder: Bei Umbauten alter Häuser kommt es vor, dass Brandschutt in der Erde gefunden wird.

HEINZ ENGL, WERNER MAIER UND JÖRG VON ROHLAND

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