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Gemeinsam an einem Tisch: Die Bernbeurer Landjugend mit den Asylbewerbern vom Auerberg.

Zu Besuch auf dem Auerberg

Landjugend setzt tolles Zeichen der Integration

Bernbeuren - Warum die Schärfe einer Suppe die allerletzten Vorurteile gegenüber Flüchtlingen abbaut? Die Bernbeurer Landjugend wanderte auf den Auerberg, um Mensch und Kultur vom anderen Ende der Welt noch besser kennenzulernen.

Die jährliche Weihnachtsaktion bei den Senioren gibt es bei der Katholischen Landjugend Bernbeuren schon sehr lange. Doch in diesem Jahr besuchte die Landjugend auch das Flüchtlingsheim auf dem Auerberg. Zwei hochinteressante und amüsante Stunden waren die Bilanz der Jugendlichen.

Auftakt des Projekts "Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit"

Für die Landjugend war es der Auftakt des Projekts „Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit“, das die KLJB-Kreisebene zusammen mit dem BDKJ Ostallgäu initiiert hat. Jede Jugendgruppe soll in ihrem Wohnort Kontakt mit Flüchtlingen aufnehmen und ganz ungezwungen ausloten, was Jugendarbeit bei der Flüchtlingshilfe beitragen kann. Die direkte Begegnung mit Asylsuchenden sei dabei zunächst das beste Mittel, um Vorurteile und Ängste abzubauen, so Landjugend-Vorsitzender Christian Lieb.

Barrieren weniger groß als gedacht

Der Nachmittag zeigte, dass die Barrieren gar nicht so groß sind, wie manch einer denkt. Auf dem Auerberg wohnen derzeit 14 Nigerianer. Die Landjugend staunte nicht schlecht, als sie erfuhr, dass es in Nigeria 230 verschiedene Sprachen gibt. Eine Verständigung sei daher nur über die Amtssprache Englisch möglich. Auch die Bernbeurer hatten mit Englisch gleich eine Möglichkeit der Kommunikation gefunden und ihnen fiel die lockere Art auf, mit der sie die Nigerianer herzlich willkommen hießen – dies sei ein wichtiger Bestandteil der afrikanischen Kultur.

Wie essen eigentlich die Nigerianer?

Hauptthema war beim ersten Treffen das Essen. Von der ehrenamtlichen Helferin Karin Neuner erfuhren die elf Landjugendler, dass die Menschen in Nigeria keine Produkte mit Zuckerzusatz essen würden, da sie ungesund seien. Somit kamen auch die traditionellen Plätzchenpäckchen der Weihnachtsaktion als Gastgeschenk nicht in Frage. Stattdessen wurde ein großer Obstkorb mit Nüssen mitgebracht.

Scharfe Suppe sorgt für gute Laune

Nach einem kleinen Austausch über die bayrische „Brotzeit“ ließen es sich die Gastgeber nicht nehmen, auch ein typisch afrikanisches Gericht für die Besucher zuzubereiten. Monday rührte in kochendem Wasser Mehl mit etwas Öl zu einem weichen Teigklumpen, genannt „Banku“. Nach dem Händewaschen durfte sich jeder mit den Fingern ein Stück abzupfen und in Schale mit „Ogbolo soup“ tunken. Die Suppe war eine dickflüssige Masse aus Aprikosenkernmehl mit Spinat, Rindfleisch und Fischstückchen. Obwohl Monday extra wenig Chili verwendet hatte, war es für den Bernbeurer Geschmack dennoch sehr scharf. Doch das trug nur zur weiteren Belustigung der gesamten Runde bei.

"Sind angewiesen, von den Einheimischen zu lernen"

Weitere Themen waren die Religion, wobei auf dem Auerberg überwiegend katholische Gläubige leben, und die Jugendlichen erhielten mehr Infos über das Land Nigeria. Als Fazit stand fest, dass der Besuch eine gute Idee war und dass eine Wiederholung stattfinden sollte. Die Asylbewerber waren sehr dankbar und betonten, dass sie darauf angewiesen seien, von den einheimischen Menschen zu lernen, wie man in Deutschland leben kann. Wahrscheinlich werden daher kleine gemeinsame Aktionen wie Spieleabende oder Kegeln folgen, um im Gespräch zu bleiben und mehr voneinander zu erfahren.

Kathrin Zillenbiehler

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